FBB räumt zusätzlichen Finanzbedarf bis 2023 ein

Eine Studie, die der Berliner Flughafengesellschaft massive finanzielle Probleme prognostiziert, hat auch in Brandenburg für Verwirrung gesorgt. Im Landtag spricht Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup von nun von zusätzlichen Hilfen, die bis 2023 nötig werden könnten.

Berlins Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup © dpa / Monika Skolimowska

Der Hauptstadt-Flughafen BER könnte nach dem Start noch länger auf Zuschüsse angewiesen sein. Mit Blick auf den Einbruch bei den Passagierzahlen in der Corona-Krise sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Sonderausschuss des Brandenburger Landtags: "Wir werden auch in 2021, 22, 23 möglicherweise noch Unterstützung benötigen". Es werde längere Zeit dauern, bis die Passagierzahlen wieder so seien wie vor der Krise.

Für dieses Jahr hatten die Betreiber die Finanzlücke im laufenden Geschäft an den Bestandsflughäfen Schönefeld und Tegel auf bis zu 300 Millionen Euro beziffert.

Beratungen für Zeit nach 2020 im Herbst

Das laufende Geschäft mit den Flughäfen Tegel und Schönefeld warf zwar wieder Gewinn ab; das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liegt nach Unternehmensangaben bei 108,4 Millionen Euro, hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup nach einer Aufsichtsratssitzung gesagt. Zu den roten Zahlen unterm Strich hätten jedoch die Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens BER und Altschulden geführt.

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Im Herbst wolle der Aufsichtsrat über die Zeit nach 2020 beraten, sagte Lütke Daldrup. Tegel soll spätestens im November schließen, Schönefeld Teil des neuen Flughafens am selben Standort werden.

Eigentümer des Flughafens sind Berlin, Brandenburg und der Bund. Der BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags beriet über den Bauzustand des Flughafens und die finanzielle Situation der Flughafengesellschaft (FBB). Experten sollten zu einer Studie zur Finanzsituation der FBB Stellung nehmen, die von der Berliner Landesregierung in der Vorwoche als falsch zurückgewiesen worden war und ebenfalls große Finanzlücken der FBB bis 2023 prognostizierte. Zudem sollte der Sachstand im Schallschutzprogramm erörtert werden.

Auch ohne Corona-Krise klafft nach Unternehmensangaben im Businessplan der nächsten vier Jahre noch eine Lücke von 792 Millionen Euro. Ursprünglich hieß es, dieses Geld werde für den Ausbau des Flughafens nach der Eröffnung gebraucht. Nun sollen damit vor allem noch Rechnungen für den BER bezahlt werden.

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Einen Teil der Lücke wollten die Betreiber eigentlich mit unverbürgten Krediten in Höhe von 400 Millionen Euro füllen. Am Montag hieß es: "Zur Zeit werden wir sie nicht bekommen." Die Verwerfungen an den Finanzmärkten seien extrem. Einen Vorteil bietet sich dem Unternehmen in der Corona-Krise jedoch, wie Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider deutlich machte. Der BER müsse nicht gleich unter Volllast ans Netz gehen. Bretschneider bemerkte: "Was dem einen sein Uhl, ist dem andern sein Nachtigall."

Von: dk, dpa

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