Fast 200.000 Deutsche aus dem Ausland zurückgebracht

Viele Flüge sind in der Corona-Krise gestrichen. Urlauber sind dann oft auf das Rückholprogramm der deutschen Regierung angewiesen. In einigen Ländern können Reisende nun auf ein Ende der Zitterpartie hoffen.

Sunexpress ist eine Airline, die Touristen in der Corona-Krise nach hause holt. © Sunexpress

Die deutsche Regierung sammelt in der Corona-Krise weiter gestrandete Urlauber in aller Welt ein und bringt sie nach Hause. In Neuseeland saßen zuletzt noch die meisten deutschen Reisenden fest. Jetzt konnte dort das zwischenzeitlich gestoppte Rückholprogramm wieder starten. Insgesamt seien bislang 194.000 deutsche Touristen zurückgebracht worden, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas am Freitag nach Beratungen mit seinen 26 EU-Amtskollegen.

Nach Angaben des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sitzen insgesamt noch 250.000 EU-Bürger im außereuropäischen Ausland fest. 350.000 seien bereits zurückgeholt worden.

EU-Staaten wollen bei Rückholaktionen enger Zusammenarbeiten

Künftig wollen die EU-Staaten bei der Rückholung von im Ausland gestrandeten Urlaubern enger zusammenarbeiten. Man habe sich darauf verständigt, "dass wir die Daten und die Flüge, die wir buchen, noch enger miteinander abstimmen", sagte Maas. Bürger anderer europäischer Länder sollten so in den Flugzeugen eines anderen Staates mitfliegen. Deutschland habe bei den Rückholaktionen wegen der Corona-Pandemie schon jetzt mehr als 3000 Bürger anderer EU-Staaten mitgenommen.

Da inzwischen die meisten Pauschalreisenden wieder in Deutschland seien, gehe es jetzt um weiter entfernte Länder oder Staaten, bei denen es komplizierter werde, sagte der SPD-Politiker weiter. "Aber es wird auch Fälle geben, wo jemand im kolumbianischen Urwald ist oder auf den Philippinen auf einer Insel sitzt, wo aufgrund der Ausgangssperre keinerlei Fortkommen mehr möglich ist. Um diese Fälle kümmern wir uns auch." Es könne aber nicht garantiert werden, dass jeder Einzelfall gelöst werde.

Dort, wo es bislang die größten Probleme gegeben habe, hätten die Rückholflüge nun begonnen, sagte Maas und nannte Neuseeland, Indien und Südafrika. Deutschland hatte die Aktion Mitte März gestartet, um zusammen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften deutsche Reisende aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine regulären Flüge mehr gibt.

In Neuseeland verließ eine Maschine Auckland am späten Freitagnachmittag (Ortszeit) in Richtung Vancouver, hieß es von der Fluggesellschaft Air New Zealand. An Bord waren 342 Passagiere. Nach einem Halt in Vancouver sollte der Flieger Frankfurt am frühen Samstagmorgen erreichen. In dem Pazifikstaat hatten sich nach Angaben der deutschen Botschaft in Wellington 12.000 Deutsche für das Rückholprogramm registriert. Weitere Evakuierungsflüge soll es in den kommenden Tagen aus Auckland und Christchurch geben.

Zitterpartie geht zu Ende

Für die Urlauber endet dann eine tagelange Zitterpartie. "Wir sind einfach erleichtert und auch zuversichtlich, dass es jetzt endlich irgendwann losgeht", sagte Sophia Münder-Führing aus Hamburg, die in einem Motel in Christchurch warten musste. Das Auswärtige Amt hatte die Rückholaktion aus Neuseeland am Samstag gestartet. Nach einem ersten Flug wurden alle weiteren geplanten Flüge überraschend gestoppt. Am Donnerstag kündigte die Regierung in Wellington dann an, anderen Regierungen wieder zu erlauben, Gestrandete auszufliegen.

In Südafrika begann am Freitag die Rückholaktion für Tausende festsitzende deutsche und andere europäische Touristen. Deutsche Urlauber werden derzeit auch aus Thailand mit Sondermaschinen ausgeflogen.

Auch auf dem Landweg wurden Touristen nach Hause gebracht. Die deutsche Botschaft in Wien ermöglichte 121 Deutschen die Ausreise aus der Quarantäne im österreichischen Wintersportort Sölden. Wie die Botschaft am Freitag mitteilte, wurde die Gruppe nach einem Medizincheck in Privatwagen und in von der Botschaft bereitgestellten Bussen zum Grenzübergang Scharnitz/Mittenwald geleitet. Sölden steht wegen der Coronavirus-Pandemie seit dem 17. März unter Quarantäne.

Von: dpa

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