«FanWing»: Forscher entwickeln mögliches Flugzeug der Zukunft

Die Idee ist mehr als 150 Jahre alt: Ein Flugzeug, das sich mit Hilfe eines Ventilators in die Lüfte hebt. Der Tüftler Pat Peebles arbeitet seit zwei Jahrzehnten an seinem Projekt. Jetzt erhält er Unterstützung von europäischen Forschern.

Die Computerdarstellung zeigt das futuristische Fluggerät "Fan Wing". © dpa / Adrian Mann/FanWing Ltd.
Der US-Amerikaner Pat Peebles (r), Erfinder des Flugzeugs "Fan-Wing", und Chris May vom Lehrstuhl für Antriebstechnik der Saar-Uni stehen an einem Modell des Ventilator-Antriebs. © dpa / Jörg Fischer

Der futuristische «Fan Wing» könnte den Flugzeugbau revolutionieren. Der US-Amerikaner Pat Peebles tüftelt seit fast 20 Jahren an einem Flugzeug, das mit Hilfe eines riesigen Ventilators unter den Tragflächen abhebt. Jetzt erhält der 69-Jährige Unterstützung von Wissenschaftlern in Saarbrücken, Brüssel und Hamburg. Sie wollen die Antriebstechnik soweit optimieren, dass der Flieger Passagiere und Güter transportiert kann.

«Der FanWing steht technologisch an der Schwelle zum bemannten Flugzeug», ist Ingenieur Chris May vom Lehrstuhl für Antriebstechnik der Saar-Uni überzeugt. Eines Tages soll er bis zu 70 Passagiere befördern und Lasten bis zu acht Tonnen transportieren können. Konzipiert ist das Flugzeug für Kurzstrecken.

Der große Vorteil gegenüber herkömmlichen Maschinen in den Augen ihres Erfinders und ihrer Förderer: Der «FanWing» hebt ähnlich wie ein Hubschrauber fast senkrecht ab und benötigt daher eine kurze Start- und Landebahn. Die Maschine soll dabei ruhiger und leiser als ein Helikopter fliegen, bei einer Störung nicht so leicht vom Himmel fallen und viel weniger Treibstoff verbrauchen.

Antriebswalze schaufelt Luftmassen unter die Tragflächen

Das Fluggerät sieht aus wie eine Mischung aus Hubschrauber, Schaufelraddampfer und Mähdrescher. Eine breite Antriebswalze mit Rotorblättern schaufelt große Luftmassen unter die Tragflächen. Die Saarbrücker Forscher wollen die Antriebstechnik jetzt für optimalen Auftrieb perfektionieren. Eine der zentralen Fragen ist, ob die Neigung der Rotorblätter im künftigen Modell starr oder elektrisch verstellbar sein soll. Letzteres ist sehr viel teurer.

Die optimale Neigung soll von April an vier bis sechs Monate lang in Brüssel im Windkanal getestet werden. Danach soll das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik in Hamburg die Details für eine Transport- und eine Passagiermaschine auslegen. Das Forschungsprojekt wird von der Europäischen Union mit 600.000 Euro unterstützt.

Peebles ist ein Tüftler wie er im Buche steht. Mal ein spezieller Elektroantrieb, mal eine schwingungsarme Lautsprecherbox - seit seiner Jugend habe er sich für «seltsame Projekte» interessiert, berichtet der 69-Jährige, der den größten Teil seines Lebens in Italien verbracht hat. Mit der Fan-Wing-Idee hätte er das Glück gehabt, dass vor ihm lange keiner die Sache aufgegriffen hätte. Wie er darauf kam? «Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern, vielleicht war es einfache eine Eingebung?», sagt Peebles und streckt seine Arme gen Himmel.

Große Flugzeugbauer winken ab

Bei den großen Flugzeugbauern stieß der Amerikaner mit seinem Konzept auf taube Ohren: «Ich bin kein Ingenieur und habe nicht bei Boeing oder Airbus gearbeitet. Dann sind einfach viele Türen versperrt.» Unbeirrt arbeitete Peebles an seiner Vision auf eigene Faust weiter, gründete unterstützt von Freunden und Verwandten schließlich eine Firma. Die hat bisher erst zwei Angestellte, er kümmert sich um die Technik, seine Frau um Finanzen und Buchhaltung. Immerhin gibt es 95 Gesellschafter, die von dem Konzept überzeugt sind. Darunter ist Georg Seyfang, der einst die Flugzeugkonzeptentwicklung für BAE leitete, Schwergewicht in der britischen Luftfahrtindustrie.

Bereits vor zehn Jahren sorgte Peebles mit seinem Konzept für Schlagzeilen, die «New York Times» nahm seine Erfindung in eine Liste der besten Ideen des Jahres auf. Bisher fliegt der «FanWing» erst als unbemanntes Modellflugzeug. Ob Peebles noch selbst mitfliegen kann, steht in den Sternen: «Schwer zu sagen, wann das Realität wird.»

Von: dpa

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