FAA erlaubt Testflüge der Boeing 737 Max

Die US-amerikanische Luftsicherheitsbehörde FAA gibt grünes Licht für Testflüge der Boeing 737 Max. Bis zu einer Wiederzulassung ist es noch ein weiter Weg. Dennoch könnte es in diesem Jahr noch zu Auslieferungen kommen.

Eine Boeing 737 Max 8. © AirTeamImages.com / Oleg Belyakov

Nach dem mehr als einjährigen Startverbot für den Mittelstreckenjet Boeing 737 Max kann der Flugzeugbauer Testflüge zur Wiederzulassung starten. Die US-Luftfahrtbehörde FAA gab am Sonntag grünes Licht für den Start entsprechender Flüge mit Testpiloten.

Frühester Zeitpunkt zur Auslieferung ist September

Boeing-Kunden wurde laut der Nachrichtenagentur Bloomberg der September als frühester Zeitpunkt genannt. Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten hatten Aufsichtsbehörden in aller Welt im März 2019 ein Startverbot für die 737 Max verhängt. Zudem darf Boeing neue Maschinen der Reihe seitdem nicht ausliefern.

Boeing hat seitdem die Software überarbeitet. Der nächste Kontrollschritt bis zu einen Testflug wurde jedoch durch neue Software-Probleme immer wieder verzögert. Bis zu einer Wiederzulassung des Modells für den Flugverkehr wären aber auch bei erfolgreichen Testflügen noch mehrere Hürden zu nehmen.

Nicht nur Boeing, auch die FAA steht wegen der Abstürze stark unter Druck. Dem Hersteller wird angelastet, die 737 Max im Wettbewerb mit Airbus überstürzt auf den Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Behörde wird vorgeworfen, sie habe bei der ursprünglichen Zertifizierung die Augen zugedrückt und sich vom Hersteller an der Nase herumführen lassen. Heikle Interna von Boeing ließen auch die FAA in sehr schlechten Licht erscheinen. In brisanten Mitarbeiter-Chats hieß es zur 737 Max etwa: "Dieses Flugzeug ist von Clowns entworfen, die wiederum von Affen beaufsichtigt werden."

Umso genauer will der erst seit August 2019 amtierende FAA-Leiter Steve Dickson - selbst ein ehemaliger Pilot - die Maschinen prüfen lassen, bevor sie wieder zugelassen werden. Dickson betont stets, dass es beim Verfahren zur Wiederzulassung keine Fristen für seine Mitarbeiter gebe. Der FAA-Chef hat gute Gründe, penibel zu sein. Denn eine erneute Blamage könnte sich die Behörde kaum leisten. Ob bei der ursprünglichen Zertifizierung der 737 Max alles mit rechten Dingen zuging, ist Gegenstand verschiedener Ermittlungen. Es gibt den Verdacht, dass Boeing wichtige Informationen unterschlagen hat, was sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: Die 737-Max-Wiederzulassung ist eine Frage von Wahrscheinlichkeiten Hintergrund

Im Zentrum der Krise steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Geforderte Verbesserungen am Steuerungssystem zogen sich hin. Boeing wird verdächtigt, die Unglücksflieger überstürzt auf den Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Konzern weist dies zwar zurück, hat aber Fehler und Pannen eingeräumt.

Der Schaden für Boeing summiert sich bereits auf einen zweistelligen Milliardenbetrag und brachte den Hersteller in eine bis dahin ungekannte Krise. Dann ließ die Corona-Pandemie den weltweiten Flugverkehr einbrechen. Seither können Airlines in aller Welt zusätzliche Flugzeuge vorerst kaum gebrauchen

Von: dpa, br

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Industrie Boeing 737 MAX Boeing Technik Behörden, Organisationen FAA F&E