FAA erwägte Boeing-737-Max-Grounding schon 2018

Die US-Luftfahrtbehörde soll schon 2018 über ein Flugverbot der 737 Max-Reihe nachgedacht haben. Boeing hatte eine Option zur MACS-Fehlerwarnung nicht automatisch aktiviert. Sie galt als kostenpflichtiges Zusatz-Feature.

Endmontage der Boeing 737 Max im Boeing-Werk Renton im US-Staat Washington. © dpa / Ted S. Warren/AP

Das Stabilisierungssystem MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) der Boeing 737 Max ist bereits im vergangenen Jahr ins Visier der US-Flugaufsicht FAA geraten, berichtet das "Wall Street Journal".

So hätten Inspektoren bereits 2018 erwogen, einen Flugstopp für Maschinen dieses Typs anzuordnen. Grund war, dass Boeing ein Warnsystem für Fehlfunktionen des MCAS standardmäßig deaktiviert hatte - offenbar, ohne Fluggesellschaft darüber in Kenntnis zu setzen.

Die FAA war den Angaben nach im Zuge von Prüfungen bei der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines auf mögliche Fehlfunktionen des Boeing-Steuerungssystems MCAS aufmerksam geworden. Die Inspektoren erfuhren damals, dass das Warnsystem bei den Maschinen der Airline deaktiviert war, ohne dass die Piloten das wussten.

MACS-Warnung als kostenpflichtige Zusatzoption

Eine Southwest-Sprecherin erklärte, vor dem Lion-Air-Unglück im Oktober habe Boeing es so dargestellt, als sei eine Warnanzeige für eine MCAS-Fehlfunktion bei allen Boeing Max aktiviert. Nach dem Absturz in Indonesien habe Boeing die Fluggesellschaft dann aber darüber informiert, dass das Warnsystem grundsätzlich nicht aktiviert sei. Eine Aktivierung, so stellte sich heraus, war eine kostenpflichtige Zusatzoption.

Die Fluggesellschaft - zu diesem Zeitpunkt mit 34 Maschinen der größte Boeing-Max-Kunde - entschied sich darauf, die Option für alle ihre Maschinen in Anspruch zu nehmen. Als die Luftfahrtaufsicht FAA dies erfuhr, prüfte sie, ob Piloten ein erneutes Training benötigen und die Maschinen so lange am Boden bleiben müssen. Die Inspektoren entschieden sich letztlich aber dagegen. Die Informationen wurden laut Washington Post aber nicht an die Leitungsebene der Behörde weitergegeben.

Erst nach dem zweiten Absturz einer Maschinen vom Typ Boeing 737 Max in Äthiopien war im März ein weltweites Flugverbot für diese Flugzeuge verhängt worden. Am Sonntag erklärte Boeing nun, künftig werde bei allen Boeing 737 Max das Warnsystem "kostenlos" zur Verfügung stehen.

Das Warnsystem macht darauf aufmerksam, wenn zwei sogenannte AOA-Sensoren, die Daten zum Anstellwinkel der Maschine liefern, widersprüchliche Angaben an das MCAS liefern. Beim Absturz der Lion-Air-Maschine soll genau das der Fall gewesen sein.

Auch der Ethiopian-Airlines-Absturz fokussiert auf das MCAS als Ursache. Ermittler gehen davon aus, dass das MCAS die Flugzeugnase aufgrund fehlerhafter Anstellwinkel-Daten irrtümlich nach unten drückte - während die Piloten versuchten, die Maschine hochzuziehen.

Derzeit arbeitet Boeing mit Hochdruck an einer neuen Version der Software. Am Montag sollte eine 90-tägige Testreihe beginnen, bei der neben FAA-Vertretern auch EU-Experten dabei sein sollen. Die FAA war nach dem Absturz in Äthiopien wegen ihrer Praktiken bei der Zulassung von Flugzeugen in die Kritik geraten. Während des vergangenen Jahrzehnts ließ sie neue Flugzeuge großteils von externen Experten und den Herstellern selbst testen.

Für Boeing sind die Abstürze eine erheblich Belastung. In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen die anfänglichen Folgekosten der Abstürze auf bislang rund eine Milliarde Dollar (900 Millionen Euro) beziffert. Nicht in die Summe einkalkuliert sind allerdings Schadenersatzzahlungen an die Fluggesellschaften sowie Hinterbliebene, die auf Boeing noch zukommen könnten.

Von: AFP, br

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