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Treibstofftanks und Flugzeuge am Frankfurter Flughafen © Fraport

Um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, muss vor allem der Verkehrsbereich liefern. Am Freitag legte eine Arbeitsgruppe der von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" einen neuen Bericht vor. Darin werden die unterschiedlichen Positionen bezüglich des Markthochlaufs und des Einsatzzwecks alternativer Kraftstoffe (E-Fuels) zwischen Industrie und Umweltverbänden deutlich.

Im Kern geht es um die Frage, ob eine Ausweitung der Produktion nachhaltiger Kraftstoffe in einer Größenordnung realistisch und anzustreben ist, die auch eine weitgehende Versorgung des Straßenverkehrs erlauben würde. Oder ob Nutzung auf Verkehrssektoren beschränkt werden sollte, in denen eine Elektrifizierung absehbar nicht möglich ist, wie den Luft- und Seeverkehr.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) betonte am Freitag, Klimaschutzziele im Verkehr seien nicht allein durch Elektromobilität und Verkehrsverlagerung erreichbar. Solange die E-Mobilität noch kein Massenphänomen geworden sei, brauche es eine Vervierfachung der heutigen Mengen an CO2-neutralen Kraftstoffen.

Alternative Kraftstoffe seien als "künstliche Lebenserhaltungsmaßnahme" für den Verbrennungsmotor ungeeignet findet hingegen der Umweltverband BUND. "Diese Kraftstoffe sind zu kostbar, um sie im normalen Pkw-Motor zu verbrennen", sagte der BUND-Vertreter in der Arbeitsgruppe, Ernst-Christoph Stolper. Die Energieeffizienz ihres Einsatzes im Verkehr sei deshalb im Verhältnis zum batterieelektrischen Antrieb fünf bis acht Mal geringer. Ihr Einsatz komme somit nur in Bereichen in Betracht, in denen eine direkte Elektrifizierung nicht möglich sei, wie im Flug- und Seeverkehr.

"Langfristig keine Knappheit erneuerbarer Energien"

Der Expertenbericht kommt zu dem Schluss, dass die Kosten alternativer Kraftstoffe signifikant höher ausfallen würden als die fossiler Kraftstoffe. Nach jetziger Einschätzung der technologischen Machbarkeit und der Dauer von Planungsverfahren sei erst ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts mit einem industriellen Hochlauf zu rechnen. Zu alternativen Kraftstoffen gehören strombasierte Kraftstoffe, die auf erneuerbarem Strom sowie auf "grünem" Wasserstoff basieren.

Auch sogenannte Bio-Fuels auf der Basis von Biomasse kämen als CO-2neutraler Kraftstoffe infrage, die Experten sind sich jedoch einig, dass diese nur beschränkt Anwendung finden können, zu groß sind die benötigten Anbauflächen. Der Fokus liegt auf der Umwandlung von erneuerbaren Energien in Kraftstoff. Die benötigten Strommengen sind groß, denn ein großer Teil geht bei der Umwandlung verloren. Deutschland kann die eigene Versorgung kaum stemmen.

Ein Teil der Mitglieder der Kommission gehe davon, dass sich die Frage der Knappheit erneuerbarer Energien mittel- und langfristig "durch die technische und wirtschaftliche Erschließung der vorhandenen physikalischen Potenziale erneuerbarer Energien weltweit" nicht mehr stellt, heißt es in dem Bericht. Doch andere würden eine deutlich unterschiedliche Position vertreten: Für sie bleibe die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien sowohl in Deutschland als auch weltweit mittel- und langfristig ein knappes Gut. Die direkte Stromnutzung sei, wo möglich, daher die prioritäre technische Klimaschutzoption. Zudem sei davon auszugehen, dass relevante Mengen alternativer Kraftstoffe erst dann zur Verfügung stünden, wenn im Straßenverkehr die Transformation zu elektrischen Antrieben bereits sehr weit fortgeschritten sei.

Ein entscheidendes Kriterium ist der künftige Preis nachhaltiger Kraftstoffe, der derzeit, oftmals produziert in einzelnen Pilotanlagen, noch deutlich über dem fossiler Energieträger liegt. Die Industrievertreter sprechen sich in dem Bericht daher für eine umfangreiche Subventionierung aus, bis ein "level playing field" erreicht sei. Eine große - staatlich unterstützte - Nachfrage soll den Preis zügig drücken, wofür sich der Straßenverkehr gut eigne. Bestehende Regulierungen wie die Energiesteuer müssten auf klimafreundliche Kraftstoffe ausgerichtet werden.

Die Umweltexperten hingegen verweisen auf die einerseits grundsätzlich beschränkte Menge nachhaltiger Biomasse und klimafreundlichen Wasserstoffs, die auch für die Klimaziele anderer Sektoren wie der chemischen gebraucht würden. "Der umfangreiche Einsatz alternativer Kraftstoffe im (Straßenverkehr) würde im Vergleich zur Elektrifizierung zu einer deutlichen Verteuerung der Mobilität führen und eine Verstetigung des Einsatzes des ineffizienten Verbrennungsmotors bewirken."