Experten fordern Quote und staatliche Anschubfinanzierung für PTL

Bei einer Konferenz zu nachhaltigen Treibstoffen fordern Vertreter großer Konzerne die schnellstmögliche Einführung einer Quote auf nachhaltiges Kerosin im Luftverkehr. Für Experten macht der Markt größere Schwierigkeiten als die Technik.

Treibstofftanks und Flugzeuge am Frankfurter Flughafen © Fraport

Für den Klimaschutz braucht die Luftfahrt aus Sicht einer Industrie-Initiative feste Vorgaben für den Einsatz von nachhaltigem Treibstoff. Neben einer Quote seien Subventionen und eine staatlich finanzierte Pilotanlage für synthetische Kraftstoffe notwendig, teilte der Verband Aireg bei einer Pressekonferenz im Rahmen der "Sutainable Aviation Fuel Conference 2019" in Berlin mit. Der Aireg ("Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany") gehören neben dem Flugzeugbauer Airbus Mineralöl- und Logistikkonzerne wie Shell und DHL sowie Forschungseinrichtungen an.

"Die Zeit für die Skalierung von PtL-Kraftstoffen hin zur industriellen Produktion war noch nie so gut wie jetzt, aufgrund technologischer Verfügbarkeit und der Zeitgeist ist auch der richtige," sagte Thomas Oglivie, der bei der Post-Tochter DHL - ebenfalls Aireg-Mitgleid - im Bereich "corporate incubations" für die erfolgreichen elektrisch betriebenen Street Scooter zuständig ist.

Nur mit den bisherigen Programmen wie dem freiwilligen Kompensationsprogramm "Corsia" könnte der Luftverkehr nicht CO2-neutral wachsen, sagte Aireg-Beiratsmitglied Jürgen Ringbeck. "Die bisher beschlossenen Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die Klimaziele im Luftverkehr zu erreichen. Ohne erneuerbare Kraftstoffe wird es nicht gehen."

© Raffinerie Heide, Lesen Sie auch: Der lange Weg zum CO2-neutralen Kerosin

Als größte Hindernisse für die flächendeckende Einführung von PTL nannte Ringbeck die zumindest zu Beginn kaum zu vermeidenden hohen Preise im Vergleich zu fossilem Kerosin. Sie würden aufgrund des volatilen Ölpreises ein hohes Risiko für den business case möglicher Produzenten darstellen und entsprechend abschrecken. Die Markteinführungsprobleme überwögen für Aireg längst die technischen Herausforderungen, weshalb eine Quote der richtige Weg sei, so Ringbeck.

PtL-Kerosin ist derzeit noch 20-mal teuer als herkömmliches

Aireg fordert, dass Airlines in Deutschland 2021 verpflichtend 2 Prozent Bio- oder synthetisches Kerosin (PtL) beimischen sollen, 2030 dann 20 Prozent. Das entspräche etwa 120 000 Tonnen - heute seien weltweit etwa 70 000 Tonnen verfügbar. Biokerosin kostet den Angaben zufolge heute zwei bis drei Mal so viel wie herkömmliches Flugbenzin, sogenannte E-Fuels auf Basis von Ökostrom, Wasser und CO2 sogar fünf bis zwanzig mal so viel.

Auch hier sei der Gesetzgeber gefordert, im Zweifel müsse die Preisschere zwischen erneuerbaren und fossilen Treibstoffen auch durch eine künstliche Verteuerung ebendieser geschlossen werden, so der allgemeine Tenor auf der Pressekonferenz der Aireg-Spitze.

BDL wehrt sich ein weiteres Mal gegen nationale oder europäische Alleingänge

Kritik an einer festen Quote kam vom Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft. Dessen Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow sagte in einem Statement gegenüber airliners.de, dass die Branche hinter dem Ziel stehe, erneuerbare Kraftstoffe möglichst flächendeckend zu nutzen. Jedoch dürften die notwendigen Investitionen nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung führen.

"Eine Quote als Anreizinstrument ist nur international realisierbar," so von Randow. Der Kraftstoffeinsatz im Luftverkehr mache rund ein Viertel der gesamten operativen Kosten einer Airline aus. Eine nationale Quote für PTL würde angesichts der deutlich höheren Kosten für PtL zwangsläufig zur Zahlungsunfähigkeit einer Airline führen. Das ist bekannt und deswegen würde über solche Quoten sinnvoller Weise derzeit auch auf internationaler Ebene beraten und auch nur auf internationaler Ebene ein Fortschritt zu erzielen sein.

Beim Blick auf die Zahlen wird die Herausforderung klar

Für Aireg drängt jedoch die Zeit. Prof. Martin Kaltschmitt, Vize Chairman bei dem Verband, sieht selbst bei maximalen Anstrengungen von Politik und Industrie 2030 als frühsten Zeitpunkt für eine signifikante, industrielle Produktion von PTL. Im globalen Maßstab seien heute circa 70.000 Tonnen synthetischen Kraftstoffs verfügbar. Heutige Prognosen würden für das Jahr 2030 eine globale Verfügbarkeit von etwa 7 Millionen Tonnen nachhaltigen Kerosins prognostizieren. Setze man diese Menge in Relation zum weltweiten Kerosinmarkt von nahezu 300 Millionen Tonnen, werde die große Herausforderung deutlich, vor der Politik, Luftfahrt, Forschung und Minderalölindustrie stünden.

Kay Kratky, Aireg-Präsident Industrie und Luftfahrt, pflichtete bei: "Ich bin davon überzeugt, dass nur eine konsequente europäische Quotenregelung den notwendigen Anreiz für den einsatz synthetischer Kraftstoffe schafft." Für die Produzenten sorge eine Quote für notwendige Investitionssicherheit und den airlines ebne sie den Weg, die ambitionierten Klimaziele bis 2050 erreichen zu können.

Aireg kündigte für Mitte November die Veröffentlichung einer Produktions- und Kommerzialisierungs-Roadmap für nachhaltiges synthetisches Kerosin an.

© Adobe Stock Nr. 102406725, Lesen Sie auch: Cottbus wird Forschungszentrum für synthetische Kraftstoffe

Von: dk mit dpa

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