airliners.de Logo
Zwei Boeing 737-700 der Germania Ende März 2019 am Flughafen Dresden. © AirTeamImages.com / Felix Gottwald

Germania hat vor rund einem Jahr den Flugverkehr eingestellt. Jetzt hat airliners.de angeschaut, was aus der zuletzt von 14 verschiedenen Leasingfirmen zusammengemietete Flotte des Berliner Ferienfliegers geworden ist. Basis dieser Recherche sind Daten von CH-Aviation, Flightradar und den jeweiligen Leasinggesellschaften.

Die Germania Fluggesellschaft, die Germania Technik und auch die Germania Flugdienste mit ihren insgesamt rund 1700 Mitarbeitern wurden abgewickelt. Zum Zeitpunkt der Pleite hatte Germania 16 Airbus A319, sieben A321 und vier Boeing 737-700 in der Flotte. Die Flugzeuge - zum Zeitpunkt der Insolvenz allesamt geleast - wurden von den Leasinggebern zurückgeholt.

Zehn Maschinen wurden mittlerweile verschrottet, darunter befinden sich neben allen 737 auch jeweils drei Airbus A319 und A321. Die zerlegten Maschinen gehörten dabei zu den ältesten Maschinen in der Germania-Flotte. So wurden die Boeing 737 beispielsweise zwischen 1998 und 1999 gebaut und auch die drei A321 waren bereits rund 20 Jahre alt.

Am Boden trotz Max-Krise

Luftfahrtexperte und Vorstand der Unternehmensberatung H&Z Michael Santo sieht im Alter der Maschinen auch den Grund dafür, dass die Eigentümer trotz der Max-Krise keine neuen Betreiber für die Jets finden konnten. Die Maschinen sind laut Santo "abgeflogen" und eigenen sich auch nicht mehr für den Drittmarkt.

Interessant ist, dass die drei verschrotteten A319 mit knapp zwölf Jahren eigentlich nicht zum "alten Eisen" zählen. Drei weitere Ex-Germania-A319 stehen nach wie vor auf verschieden Airports und warten noch auf eine mögliche Wiedereinflottung oder die Überführung zum Verwerter.

Die Flugzeuge haben trotz Max-Krise offensichtlich bislang noch keine neuen Abnehmer, möglicherweise weil anstehende größere Wartungsereignisse oder eine längere Mangelliste einen Weiterbetrieb als nicht lohnend erscheinen lassen. Dann kann es für Leasinggeber finanziell sinnvoller sein, die Flugzeuge auszuschlachten und beispielsweise die Triebwerke einzeln zu verleasen oder zu verkaufen, erläutert Matthias Rohnke von 360 Aircraft Finance.

Etliche Maschinen finden neue Betreiber

Für die anderen Maschinen haben die Leasingeber derweil schneller neue Betreiber gefunden. So hat sich Volotea einige Airbus A319 von Germania gesichert. Die spanische Fluggesellschaft fliegt bereits mit zwei A319 aus den Germania-Beständen das Airbus-Werksshuttle zwischen Hamburg und Toulouse. Eine dritte Maschine soll im März eingeflottet werden.

Ein weiterer A319 fliegt für Royal Jordanian und auch der portugiesische ACMI-Spezialist Hifly hat einen A319 aus den Germania-Beständen im Einsatz. Aktuell steht zudem der litauische ACMI-Anbieter Getjet kurz davor, drei Airbus A319 aus den Beständen der Germania einzuflotten. Die drei Flugzeuge sollen ab 1. April einsatzbereit sein.

Aus dem ehemaligen schweizerischen Germania-Ableger "Germania Flug" ist nach der Pleite die Chair Airlines hervorgegangen. Die auf ethnischen Verkehr zwischen der Schweiz und dem Kosovo spezialisierte Airline setzt weiter auf zwei A319, die einst in der Germania-Livery abhoben.

© Chair Airlines, Lesen Sie auch: Germania Flug behält ihr Konzept, heißt jetzt aber Chair Airlines

Zwei A321 heben für Condor ab

Zwei Ex-Germania-A321 sind derweil sogar weiterhin in Deutschland stationiert. Condor setzt die zwei Flugzeuge der trotz der Insolvenz der namensgebenden Mutter operierenden "Thomas Cook Aviation" ab Düsseldorf und Leipzig/Halle auf Flügen rund ums Mittelmeer ein. Die beiden Maschinen sind rund sechs Jahre alt.

Ein weiterer Airbus A321 ist zudem für die russische Red Wings Airlines unterwegs und bedient innerrussische Strecken ab Moskau sowie Charterverbindungen in die Türkei. Auch die kambodschanische Airline Sky Angkor Airlines hat einen Ex-Germania-A321 eingeflottet.

Die ehemalige Germania-Flotte in der Übersicht
Typ alte Kennung neue Kennung Airline Status
A319 D-ASTJ LZ-AWU Volotea aktiv
A319 D-ASTQ LZ-AWV Volotea aktiv
A319 D-ABGO 9H-XFW Hifly Malta aktiv
A319 HB-JOG HB-JOG Chair aktiv
A319 HB-JOH HB-JOH Chair aktiv
A321 D-AGMA VP-BAN Red Wings Airlines aktiv
A321 D-ASTE D-ATCG Thomas Cook Aviation aktiv
A321 HB-JOI D-ATCF Thomas Cook Aviation aktiv
A321 D-ASTM XU-723 Sky Angkor Airlines aktiv
A319 D-ASTO Y-AYC Royal Jordanian aktiv
A319 D-ASTK LZ-AWT geparkt
A319 LZ-AOC N870UB United Airlines geparkt
A319 D-ASTL E7-FBB  Fly Bosnia geparkt
A319 LZ-AOA LY-RAM Getjet kurz vor Einflottung
A319 D-ASTR LY-JAY Getjet kurz vor Einflottung
A319 D-ASTN LY-COD Getjet kurz vor Einflottung
A319 D-ASTC EC- Volotea kurz vor Einflottung
A319 D-ASTU verschrottet
A319 D-ASTT verschrottet
A319 D-ASTG verschrottet
A321 D-ASTW verschrottet
A321 D-ASTP verschrottet
A321 D-ASTV verschrottet
737-700 D-AGER verschrottet
737-700 D-AGEL verschrottet
737-700 D-AGEN verschrottet
737-700 D-AGEP verschrottet
Quelle: CH-Aviation, Flightradar. Leasinggeselleschaften