Eurowings verkauft Umsteigeverbindungen zu anderen Airlines

Eurowings nimmt den nächsten Schritt auf dem angekündigten Weg zur Digital-Plattform. Jetzt verkauft der Billigflieger auf seiner Webseite erstmalig auch Flüge in Kombination mit Tickets von Fluggesellschaften, die nicht zum Lufthansa-Konzern gehören.

Eurowings-Passagiere mit Smartphone © Eurowings

Eurowings kommt auf dem Weg zur digitalen Plattform ihrem Ziel einen Schritt näher. Die Lufthansa-Billigtochter hat jetzt angekündigt, auf ihrer Webseite erstmalig auch Tickets von Airlines zu verkaufen, mit denen es keinen weitergehenden Kooperationsvertrag gibt.

Verfügbar sind nun "virtuellen Interlining"-Verbindungen, also Flugkombinationen von Eurowings-Flügen mit Angeboten der anderen Airlines. Mit Norwegian und Sun Express sind bereits die ersten Fluggesellschaften integriert worden. Damit gibt es jetzt auch Umsteigeverbindungen etwa von Skandinavien über Deutschland nach Mexiko oder von der Türkei über Düsseldorf in die USA.

Im Laufe des Jahres sollen schnell weitere Fluggesellschaften integriert werden, denn Eurowings-Chef Thorsten Dirks sieht "großes Potenzial" für derartige Umsteigeverbindungen. „Keine Airline kann die Suchanfragen der Kunden zu 100 Prozent über das eigene Streckennetz abdecken", so der Airline-Chef. Virtuelles Interlining biete daher eine gute Möglichkeit, den Kunden ihre Wunschverbindungen zu bieten.

"Überlappungen wird es nicht geben"

Ausgenommen sind im neuen Eurowings-Angebot entsprechend diejenigen Verbindungen, auf denen Eurowings selbst fliegt. "Überlappungen wird es nicht geben, sondern nur Erweiterungen", teilte ein Eurowings-Sprecher auf Anfrage von airliners.de mit.

Laut dem Eurowings-Sprecher berechnet man bei den Umsteigern zwischen den Airlines eine Minimum-Connecting-Time von 150 Minuten zwischen den Flügen. Denn einen Nachteil hat das virtuelle Verknüpfen von Flügen, die nicht Teil eines gemeinsamen Netzwerks sind: Reisende müssen für den Weiterflug erneut einchecken.

Auch das Gepäck muss beim Umstieg zunächst selbst am Gepäckband abgeholt werden. Die virtuell verknüpften Flüge beinhalten allerdings auch eine "integrierte Reiseversicherung" für den Fall, dass ein Anschluss nicht klappen sollte, sagte Dirks kürzlich bereits im Focus.

Nicht das erste "Virtuelle Interlining"-Angebot in Deutschland

Entwickelt wurde die Plattform vom Lufthansa Innovation Hub in Berlin und Eurowings Digital in Köln. Zwar ist Eurowings wirklich die erste deutsche Fluggesellschaft, die ein solches Angebot entwickelt hat, aber neu auf dem deutschen Markt ist "virtuelles Interlining" nicht.

Easyjet bietet seit rund eineinhalb Jahren mit "Wordwide by Easyjet" ein ähnliches Konzept an. Rund ein Dutzend Airlines nehmen aktuell an dem Programm teil – neben kleinen Regional-Airlines auch Global Player, wie Emirates und Scoot. Auch Norwegian ist Teil des Programms. Einziger Unterschied zum Eurowings-Interlining ist, dass das Umsteigen nur an bestimmten Airports möglich ist. Aber auch bei Easyjet wird das Gepäck nicht durchgecheckt.

Verkehrsexperte sieht überschaubaren Erfolg

Verkehrsexperte Manfred Kuhne bezeichnet die Erfolgsaussichten derartiger Konzepte als überschaubar. So habe es bereits in der Vergangenheit eine Reihe Versuche gegeben, wobei nicht alle Versuche den erhofften Erfolg gebracht haben.

"Der Passagier will, wenn er kann, non-stop fliegen. Wo das nicht geht, vereinfacht Interlining ohne Zweifel den Buchungs- und Reisevorgang. Eventuell kann man sogar einen günstigeren Tarif ergattern", so der Experte. Grundsätzlich bleibe aber abzuwarten, was sich da am Markt durchsetzen werde.

© Manfred Nerlich, Lesen Sie auch: Digitalisierung und Disruptive Innovation in der Airline-Industrie Aviation Management

Eurowings will komplette Reisebegleitung bieten und hatte daher vor einem Jahr mitgeteilt, Eurowings.com zum "digitalen Reisebegleiter" auszubauen, der alle Bedürfnisse rund um die Reise erfüllt. Die Weiterentwicklung lässt sich der Konzern mehrere Millionen Euro kosten.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Eurowings gründet Digital-Tochter

So hat Eurowings mittlerweile Kooperationen mit verschiedenen Mietwagen- und Taxi-Anbietern und dem Fernbusanbieter Flixbus verkündet. Dass jetzt noch andere Airlines dazukommen, bezeichnet Eurowings-Digital-Geschäftsführer Oliver Schmitt als konsequenten Schritt. Ziel sei "die nahtlose Vernetzung von Transportanbietern am Boden und in der Luft".

Ryanair will "Amazon of Travel" werden

Auch hier ist Eurowings nicht allein Unterwegs. Man möchte das "Amazon of Travel" werden, kündigte Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs bereits vor zwei Jahren im Interview mit airliners.de an. Dabei gehe es um das Vermieten von Autos, von Hotelzimmern, den Verkauf von Gesamtreisen zu Konzerten oder Fußballspielen und von Reiseversicherungen – und zwar unabhängig davon, ob der Kunde gleichzeitig einen Flug bucht. Das Verknüpfen vo Ryanair-Flügen mit Langstrecken der Air Europa gab der Billigflieger zwischenzeitlich allerdings schon wieder auf.

© dpa, Armin Weigel Lesen Sie auch: Tickets kauft man heute bei Airlines - und morgen? Aviation Management

Ohnehin sind die Airlines bei weitem nicht allein, wenn es um virtuelles Interlining im Internet geht. So verknüpfen etliche Flugbuchungsportale bereits seit langem Tickets verschiedenster Airlines miteinander. Kiwi beispielsweise bietet weltweite Flugverbindungen an, wobei als "billigste Verbindung" häufig eine Zusammenstellung von Tickets mehrerer Airlines angeboten wird, die von ihrem Zusammenwirken gar nichts wissen müssen.

Von: br

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