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Eurowings-Geschäftsführer Michael Knitter: "Wir werden unsere Wachstumsziele weiterverfolgen." Foto: © Eurowings

Für Billigflieger Eurowings scheint kurz vor Weihnachten alles wie am Schnürchen zu klappen: Erst einigt man sich mit Verdi und der Vereinigung auf den "Tarifvertrag Wachstum" und dann gibt die EU-Kommission auch noch die Freigabe für den LGW-Deal. Damit kann der Lufthansa-Konzern die ehemalige Air-Berlin-Tochter übernehmen und in ihre Billigplattform Eurowings integrieren. Einen dementsprechend erleichterten Operations-Chef Michael Knitter erlebt airliners.de beim Interview.

airliners.de: Herr Knitter, die EU-Kommission hat grünes Licht für den Kauf der LGW gegeben – legen Sie jetzt die Beine hoch?
Nein, natürlich nicht, die Arbeit geht weiter. Die Dienstleistungen für die LGW, die bislang Air Berlin erbracht hat, werden ab Januar wir leisten. Das beinhaltet beispielsweise die Dienstpläne, die Gehaltsabrechnungen, die Flugpläne und so weiter. Wenn man einen Flugbetrieb integriert, gibt es im Hintergrund eine Menge zu tun, damit vorn für den Kunden alles reibungslos läuft.

Trotzdem können Sie an Weihnachten kurz mal durchschnaufen …
Na klar, jetzt sind wir alle ziemlich happy. Denn mit dem LGW-Team werden wir unsere Wachstumsziele weiterverfolgen können und Kunden mehr Reisemöglichkeiten in Deutschland und Europa bieten.

Und dann ist da ja noch der Tariffrieden …
Die wichtigste Botschaft ist, dass wir nun über unseren Wachstumskurs Einigkeit mit allen Gewerkschaften haben - mit der Ufo, mit der VC und mit Verdi. Es ist zuletzt ja immer wieder das Gerücht in die Welt gesetzt worden, dass ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter bei uns 40 Prozent weniger verdienten. Das ist totaler Quatsch! Wir erkennen berufliche Vorerfahrung natürlich an. Das haben wir bisher bereits einseitig gemacht, also ohne die Zustimmung der Gewerkschaften. Jetzt haben wir Tarifverträge, die von Sozialpartnern unterschrieben sind. Das wird allen Bewerbern mehr Sicherheit geben.

Michael Knitter und Eurowings

Der Manager: Michael Knitter ist seit der Gründung des Vorstandsbereichs bei Eurowings im Januar 2015 Geschäftsführer des Bereichs Operations bei dem Kranich-Billigflieger. Während des Pilotenstreiks bei Germanwings 2010 leitete er als Senior Vice President Operations den Krisenstab und stieg ausnahmsweise selbst ins Cockpit.

Das Unternehmen: Eurowings einigte sich in dieser Woche mit der Pilotengewerkschaft VC auf die Bedingungen für weiteres Wachstum - unter anderem aufgrund der Übernahme von Air-Berlin-Teilen. Für die Integration der LGW in die Lufthansa-Billigplattform gab die EU-Kommission ebenfalls aktuell die Genehmigung. Im kommenden Jahr soll die Flotte um rund ein Drittel auf 210 Flugzeuge anwachsen.

© Air Berlin, Lesen Sie auch: EU genehmigt Lufthansa/LGW-Deal

Sie haben selbst gerade die 40 Prozent angesprochen, der ja "totaler Quatsch" sei. Können Sie uns einen realistischen Prozentkorridor geben?
Wir haben von Beginn an gesagt, dass das frühere Gehalt eines Air-Berlin-Piloten im Durchschnitt acht bis zwölf Prozent vom Tarifsystem der Eurowings abweichen kann. Niki-Mitarbeiter würden bei Eurowings in aller Regel sogar deutlich mehr verdienen als vorher.

Bedeutet der Tariffrieden eigentlich, dass Sie die ehemaligen Air Berliner, die bei Ihnen unterkommen, zukünftig bei Eurowings Deutschland anstellen?
Wir haben nahezu an allen Stationen Stellen ausgeschrieben - in Deutschland, in Österreich, in Spanien. In Deutschland gibt es - wie bisher auch - die deutschen Tarifbedingungen, in Österreich die österreichischen Tarifbedingungen und in Spanien die spanischen. Das ist in der Luftfahrt nicht anders als in der Autoindustrie oder in vielen anderen Industrien.

Das war ja nicht meine Frage - ich wollte eigentlich wissen, ob Sie die Piloten von Air Berlin, die Sie in Deutschland stationieren, jetzt trotzdem bei der Eurowings Europe in Österreich anstellen oder nun auch in Deutschland?
Natürlich stellen wir ab sofort viele Piloten auch bei Eurowings Deutschland ein. Eurowings Europe hat in München und Stuttgart zwei deutsche Betriebsstätten, und auch hier stellen wir weiter ein. Aber immer zu deutschen Tarifbedingungen, weil die Menschen ja in Deutschland arbeiten und leben.

Die Übernahme der Niki hat die Lufthansa nun erst einmal abgeblasen, da wurde ja immer von 210 Flugzeugen bei Eurowings im kommenden Jahr gesprochen. Wie sehen die Pläne nun für 2018 aus?
An unseren Wachstumszielen halten wir unverändert fest, lediglich der Zeitplan wird ein wenig angepasst. Wir werden jetzt die Bereederung eigener Flugbetriebe forcieren. Wahrscheinlich werden wir nicht schon direkt im Sommer diese 210 Flugzeuge in der Eurowings-Flotte haben. Das wird etwas länger dauern, weil wir Crews neu rekrutieren müssen.

Wenn sich doch noch ein Käufer für Niki findet, müssen Sie ja laut EU-Auflagen die Maschinen der Niki an den neuen Eigentümer verleasen …
Die Lufthansa Group hat eine große Anzahl von Flugzeugen gekauft oder Leasing-Verträge unterzeichnet, das stimmt. Dazu gehören vier Flugzeuge der Niki, die wir gegebenenfalls an einen Niki-Investor verkaufen müssten, sollte es die Kommission fordern.

Nicht insolvent, aber von der Bildfläche verschwunden ist Germanwings. Zuletzt wurde der Flugcode gestrichen. Was passiert eigentlich mit den dortigen Crews?
Tarifrechtlich haben viele Piloten von Germanwings einen Wechselanspruch, zur Lufthansa zu gehen. Dadurch werden bei Germanwings Stellen frei, die wir jetzt durch neue Crews ersetzen wollen.

Können Sie Zahlen nennen?
Alles in allem sind es 700 Kapitäne und Co-Piloten, die wir einstellen. Diese Menge an Mitarbeitern erfordert zurzeit bei uns den kompletten Einsatz an Schulungsressourcen. In den vergangenen Wochen haben wir bereits mehr als 500 Mitarbeiter eingestellt, darunter zahlreiche Piloten und Flugbegleiter.

Ein anderer Wachstumsbaustein in der Eurowings-Pyramide ist Brussels Airlines. Die Airline soll ja ab kommendem Sommer laut Medienberichten ein paar Langstrecken für Eurowings fliegen …
Das kann ich bestätigen. Brussels Airlines wird zum Sommerflugplan mit drei Flugzeugen auf der Langstrecke ab Düsseldorf eingesetzt. Voraussichtlich werden das eine A330 von Brussels und zwei A340 der Lufthansa Group.

Und auf der A330 steht dann noch Brussels drauf?
Nein, in Düsseldorf startet die Eurowings: mit Eurowings-Flugzeugen, der Eurowings-Marke und auch erstmalig mit der "BIZclass“ - unserer neuen Business Class.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Knitter.

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