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So performte die Eurowings-Langstrecke im Winter, © Eurowings
Bislang betreibt Sun Express die Langstreckenflotte von Eurowings. © Eurowings

Die Pünktlichkeit der Eurowings-Langstrecke im abgelaufenen Winter ist besser gewesen als in vielen Berichten dargestellt. Dies ist das Ergebnis einer Auswertung von Flugplandaten, die airliners.de durchgeführt hat. Werden in Medien oft lediglich jene Verspätungen erwähnt, die viele Stunden lang sind, soll diese Analyse die Performance differenzierter betrachten.

Demnach waren im abgelaufenen Winterflugplan rund ein Drittel der rund 1000 Eurowings-Langstreckenflüge bei der Ankunft am Zielort verspätet. Insgesamt kamen rund vier Prozent der Flüge mit mehr als drei Stunden Verspätung an. Die Rückflüge nach Köln waren dabei im Schnitt öfter deutlich zu spät als die Flüge aus Köln heraus:

Die Eurowings-Langstrecke im Winter
über drei Stunden verspätet verspätet pünktlich annulliert
ab Köln 17 143 381 4
an Köln 28 169 334 3

Die Grafik zeigt die Pünktlichkeit der im Winter 2017/18 von Eurowings durchgeführten Langstrecken-Flüge.Quelle: Flightradar24.com

Die Auswertung

Methodik: airliners.de hat auf Grundlage von Daten des Dienstes "Flightradar24.com" die Pünktlichkeit von Eurowings-Langstreckenflügen ab Deutschland (Flughafen Köln/Bonn) im Winterflugplan 2017/18 betrachtet. Verspätet ist ein Flug nach internationalen Maßstäben, sobald er mehr als 15 Minuten nach der geplanten Abflugzeit abhebt. Unterschieden wird zwischen Verspätung bei Abflug und Ankunft.

Datenbasis: "Flightradar24.com" weist mit Hilfe von privatbetriebenen Transpondern Positionsdaten von Flugzeugen weltweit aus. Durch sogenanntes Radarspotting werden die von ADS-B-Sendern ausgestrahlten Signale von am Boden befindlichen ADS-B-Empfängern aufgefangen und via Internet in das Netzwerk von Flightradar24 übertragen. Das bringt Limitationen bei der Datenbasis mit sich, vor allem beim Tracking der ausgefallenen Flüge.

Luftfahrt-Professor Christoph Brützel weist daraufhin, besonderes Augenmerk auf die deutlichen Verspätungen bzu legen: "Hat eine Airline bei Ankunft mehr als drei Stunden Verspätung, wird es wegen der pauschalen Entschädigung von 600 Euro je Passagier bei der Langstrecke richtig teuer."

Bei Eurowings liegt der Wert der Verspätungen von mehr als drei Stunden bei drei Prozent in der ganzen Flugplanperiode. Hierfür gibt Brützel Entwarnung, denn: "Wenn solche Langzeit-Delays mehr als fünf Prozent ausmachen, ist das ein echtes wirtschaftliches Problem für die Airline."

Ankunftspünktlichkeit je Flughafen
verspätet pünktlich annulliert
Orlando 50 50 0
Puerto Plata 39.5 60.5 0
Mauritius 38.1 61.9 0
Köln 36.9 62.5 0.6
Phuket 36.4 63.6 0
Havanna 33.3 66.7 0
Bangkok 32.6 65.1 2.3
Salalah 31 69 0
Varadero 30.4 69.6 0
Windhoek 30.4 69.6 0
Miami 29.3 65.8 4.9
La Romana 22.4 77.6 0
Kapstadt 20 80 0
Cancun 14.3 83.3 2.4
Bridgetown 11.8 88.2 0
Montego Bay 11.1 88.9 0
Punta Cana 7.0 93.0 0

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung von Eurowings-Langstreckenflügen im Winter 2017/18 hinsichtlich ihrer Pünktlichkeit. Quelle: Flightradar24.com

Um die Werte von Eurowings sauber einordnen zu können, lohnt ein Vergleich, meint Brützel. Er schlägt hierfür das Winter-Langstreckenprogramm der Condor ab Frankfurt vor. Denn die deutsche Thomas-Cook-Tochter bediente ab dem Main im Winter ein ähnliches Programm wie die Lufthansa-Low-Cost-Tochter.

Bei Condor ab Frankfurt sind zwar gut 90 Prozent der abfliegenden Flüge verspätet, allerdings verringert sich dieser Wert während der Flugzeit auf schmale 23 Prozent Verspätungen bei der Landung. Bei Eurowings hingegen verspäteten sich lediglich knapp die Hälfte der Abflüge in Köln/Bonn - bei der Ankunft noch rund 30 Prozent.

Das ist angesichts eines erschwerenden Faktors beachtlich, findet Karl-Friedrich Müller, der fast 20 Jahre lang bei Lufthansa unter anderem in der Planung gearbeitet hat: "Condor hat die Langstrecken-Ops mittlerweile perfektioniert - und das trotz der Infrastruktur in Frankfurt und vielen Mehrpunktverbindungen."

So fliegen die Maschinen, die von Frankfurt zu einem Interkontinental-Ziel abgehoben sind, nicht immer wieder direkt dorthin zurück. Mehr als 20 Prozent der Langstreckenflüge in der Woche führen "im Dreieck" erst zu einem anderen Ziel und anschließend zurück nach Deutschland.

Von Köln/Bonn aus flog Sun Express im Winter für Eurowings zu 16 Zielen:

Langstreckenflüge von Eurowings im Winter 2017/18
Durchgeführte Flüge
Bangkok 43
Bridgetown 17
Cancun 42
Havanna 21
Kapstadt 20
La Romana 49
Mauritius 21
Miami 41
Montego Bay 27
Orlando 14
Phuket 33
Puerto Plata 43
Punta Cana 63
Salalah 42
Varadero 46
Windhoek 23

Die Grafik zeigt die Verteilung der von Eurowings im Winter 2017/18 angebotenen Langstreckenflüge ab dem Airport Köln/Bonn.Quelle: Flightradar24.com

Eindrucksvoll lässt sich die Langstrecken-Expertise der Condor auch an den Gesamtminuten der Verspätungen ablesen. Insgesamt haben die Condor-Langstreckenflüge aus Frankfurt bei Abflug über 700 Stunden Verspätung und verringern dies auf nicht einmal 200 Stunden bei Ankunft - ein Minus von fast einem Drittel. Eurowings hingegen kommt mit fast 45 Prozent weniger Flügen im Durchschnitt auf annähernd dieselben Werte.

"Ausreißer" verzerren den Durchschnitt

Ein Umstand, der aber auch zeigt, wie schnell einzelne extreme Werte den Durchschnitt beeinflussen können. Verkehrsexperte Manfred Kuhne plädiert daher dafür, sich die "Ausreißer" von Eurowings einmal genauer anzuschauen.

Ein Flug, der in die Kategorie "Ausreißer" fällt, ist EW106 vom 16. März. Er sollte von Köln nach Bangkok abheben. Wegen eines "technischen Problems" musste der Flug erst um 24 Stunden verschoben werden, so Eurowings-Operations-Chef Michael Knitter zu airliners.de. Weil der Ersatzteilzulauf länger gedauert hat, "als uns zugesichert wurde", ist der Flug schließlich annulliert worden - die Passagiere wurden auf andere Airlines umgebucht.

Annullierungen kamen auf der Eurowings-Langstrecke zwar doppelt so häufig vor wie bei den Condor-Langstrecken ab Frankfurt, doch beide Werte bewegen sich auf den gesamten Flugplan hochgerechnet unter einem Prozent. Doch: Langstrecke ist nicht zu unterschätzen, sagt auch Knitter: "Kleine Probleme haben schnell einen großen Impact."

Dazu gehören AOGs (Aircraft on ground) wegen technischer Probleme oder gar einem Unfall; Crew-Ausfälle, beispielsweise wegen Krankheit; Slot-Engpässe, sei es zum Beispiel durch kurzfristige Airway-Slots; oder gar Wetter-Probleme, die vor allem im Winter vermehrt auftreten können. All diese Probleme verursachen dann erneut Flugverspätungen bedingt durch Flugdienstbeschränkungen. Anschließend daran ist womöglich die Maschine nicht rechtzeitig für den nächsten Umlauf wieder am deutschen Abflug-Airport.

Probleme durch Destination und Flotten-Mix

Varadero, das im Winter sowohl von Condor aus Frankfurt als auch von Eurowings aus Köln angeflogen wurde, zeigt exemplarisch ein Langstrecken-Problem: Viele Probleme liegen auch an der Destination.

"Wegen eines Embargos darf ich beispielsweise keinen Wet-Lease aus den USA nach Kuba fliegen. Also müssen wir von Deutschland eine Ersatzmaschine schicken", so Knitter. Eine Maschine aktivieren und sie bis in die Karibik fliegen, könne schon einmal 24 Stunden dauern - Wegzeiten, die eine Airline bei einem AOG auf der Kurz- oder Mittelstrecke nicht einplanen muss.

Die Langstrecke von Eurowings im Winter 2017/18

Aktuell betreibt Sun Express sieben A330-200-Flugzeuge für die Eurowings-Langstrecke. Das Durchschnittsalter der Flotte beträgt 14,2 Jahre:

  • D-AXGA, C/N 530, 14,8 Jahre
  • D-AXGB, 684, 12,7 Jahre
  • D-AXGC, 555, 14,8 Jahre
  • D-AXGD, 573, 14,2 Jahre
  • D-AXGE, 612, 13,7 Jahre
  • D-AXGF, 616, 13,8 Jahre
  • D-AXGG, 504, 15,4 Jahre

Quelle: ch-aviation

Doch Probleme bei Eurowings verursacht auch der Maschinen-Mix auf der Langstrecke, ist sich Berater Müller sicher. Neben dem Sun-Express-Dienst setzte Eurowings im Winter noch auf die Dienste von beispielsweise Air Tanker und Private Air: "Zum Teil mit komplett anderem Muster als die von Sun Express durchgeführten Langstreckenflüge, vor allem aber auch mit eigenen Crews, die nur dort eingesetzt werden können", stellt Experte Müller fest.

Kompatibilität sehe auch hinsichtlich Ersatzteilen anders aus, und dies mache eine Tauschbarkeit bei Irregularitäten "höchst kompliziert", was zu weiteren Folge-Irregularitäten führt, "da man ja bedenken muss, dass in der Zieldestination immer eine Crew für das spezifische Ersatzflugzeug vorgehalten werden muss". Das ist vor allem dort ein Problem, wo nur wenige Flüge im Plan stehen.

Eine Problematik, die Condor weniger stören sollte. Denn der Langstrecken-Flugplan sei deutlich besser an operative Erfordernisse angepasst: Betrachte man die Winter-Verbindungen von Frankfurt und München zusammen, zeige sich, dass beispielsweise Cancun nahezu täglich angeflogen wird. Ähnlich verhalte es sich mit Havanna.

Bei Eurowings gäbe es wahrscheinlich operativ bessere Lösungen als beispielsweise Punta Cana von drei Airlines (Sun Express, Air Tanker, Private Air) bedienen zu lassen, merkt Müller an.

Brussels-Expertise soll Eurowings unterstützen

Ab dem Sommer verschwinden die Boeing-Maschinen (Private Air) aus der Eurowings-Langstrecken-Flotte. Allerdings werden mit der Aufnahme von Interkontinental-Flügen ab Düsseldorf auch zwei neue Maschinentypen (A330-300, A340-300) inklusive eines neuen AOC in den Langstrecken-Dienst der Lufthansa-Airline eintreten.

Brussels Airlines wird für Eurowings erstmals Interkontinental-Verbindungen durchführen. Die Belgier betreiben an ihrem Hub in der Hauptstadt Brussels bereits zehn A330-Flugzeuge. In Zukunft soll Brussels sogar die Langstrecken-Aktivitäten der Eurowings koordinieren. Ein gutes Zeichen, findet Müller.

Letztlich erscheine es nur sinnig, auf die jahrzehntelange Kompetenz von Brussels zu setzen, denn: "Wer das zersplitterte Afrika-Netz von Brussels in den Griff bekommt, der dürfte auch mit dem Eurowings-Netz fertig werden."

Komplizierter wird die Herausforderung der Steuerung für Brussels dadurch, dass künftig auch Sun Express in München für Eurowings zu Interkontinental-Zielen abhebt.

Darstellung: © airliners.de | Quelle: Eurowings

Experte Kuhne sieht die Langstrecke von Eurowings trotz aller Komplexität und Widrigkeiten auf einem guten Weg:

Das Interkontinental-Geschäft wurde in kurzer Zeit aufgebaut, da muss man zwangsläufig Lehrgeld zahlen. Später macht man es dann besser.

Das sagt die Airline selbst

Bei Eurowings ist man mit der Performance der Langstrecke im zurückliegenden Winter durchaus zufrieden und kommt auf andere Zahlen: "Wir sind im ganzen Winter mit 87 Prozent Pünktlichkeit unterwegs gewesen", so Knitter im Gespräch mit airliners.de. Natürlich hake es hier und da - "im Winter eben auch bedingt durch das Wetter" -, aber man habe aus den Problemen vor zwei Jahren gelernt.

Anfang 2016 hatte der Lufthansa-Billigflieger die Interkontinental-Verbindungen mit Sun Express als Partner aufgenommen. Damals waren massenhaft waren Flieger verspätet, Urlauber warteten mitunter mehrere Tage auf die gebuchten Verbindungen. "Nach den Anlaufschwierigkeiten vor zwei Jahren bieten wir jetzt mit deutlich vergrößerter Flotte eine hohe Stabilität."

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