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Eurowings-Chef sieht "sprunghaften Buchungsanstieg" für den Sommer

"Deutschland sitzt auf gepackten Koffern" verkündet Eurowings-Chef Jens Bischoff anlässlich der ITB und hofft auf das Balearen-Geschäft. 2022 soll eine auf effizienten Point-To-Point-Verkehr getrimmte Eurowings eine Flotte aus 100 Single-Aisle-Maschinen wieder voll betreiben.

Eurowings-Mitarbeiter während der Eröffnung der Mallorca-Basis 2017 © Eurowings

Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings stellt sich nach dem Geschäftseinbruch durch die Corona-Pandemie auf kräftige Zuwächse in den nächsten Monaten ein. "Ich sehe einen sprunghaften Anstieg der Buchungen, der uns jetzt für den Frühsommer und Sommer ins Haus steht", sagte Eurowings-Chef Jens Bischof in einer Videokonferenz anlässlich der Tourismusmesse ITB, die in diesem Jahr nur online stattfindet. "Deutschland sitzt auf gepackten Koffern."

Zu Ostern will Eurowings das Flugangebot im Vergleich zu jetzt mehr als verdoppeln. In der heißen Jahreszeit sollen voraussichtlich wieder 80 der noch 100 Flugzeuge wieder eingesetzt werden.

Bischof baut darauf, dass die Politik die Quarantänepflicht nach Urlaub in Risikoländern durch eine Testpflicht ersetzt - und das Robert-Koch-Institut die Balearen und andere wichtige Reiseziele von der Liste der Risikogebiete nimmt. Dann könnte möglicherweise schon zu Ostern Urlaub auf Mallorca oder Teilen der Kanarischen Inseln wieder interessant werden, weil sich die Menschen nach ihrer Rückkehr nicht mehr zehn Tage in Quarantäne begeben müssten. "Alle wollen wieder weg in den Urlaub - unabhängig davon, welcher Test verlangt wird", sagte Bischof. Im Sommer sollte zudem ein großer Teil der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft sein.

Zu Ostern 45 Flugzeuge im Einsatz

Derzeit ist Eurowings wegen der Pandemie und der internationalen Reisebeschränkungen laut Bischof nur mit 20 Maschinen unterwegs. Zu Ostern sollen es schon 45 sein - "und die werden intensiver fliegen als die 20 derzeit". Das Sitzplatzangebot werde sich deutlich mehr als verdoppeln. Für 2022 plant der Manager mit der künftigen Flotte von 100 Flugzeugen. Bis das Geschäft wieder das Niveau aus dem Vorkrisenjahr 2019 erreicht, dürfte es aus heutiger Sicht aber noch ein bis zwei Jahre dauern, sagte er.

Eurowings hat die eingesetzte Flugzeugflotte im Zuge der Pandemie deutlich verkleinert. Mit dem nachhaltigen Rückbau der Flotte auf 80 bis 100 Maschinen der A320-Familie ist laut Bischof auch eine klare Fokussierung des Geschäftsmodells verbunden. "Noch vor nicht allzu langer Zeit haben wir alles gemacht: Kurz- und Langstrecke, mit Sunexpress und Brussels kooperiert, Marktanteile von Air Berlin übernommen, das war zu komplex." Nun sei man wesentlich effizienter aufgestellt. Der Fokus liege klar auf dem Privatreisegeschäft im Point-To-Point-Verkehr, vor allem touristische Ziele sollen gestärkt werden.

Ein weiteres Standbein sei der von Bischof so benannte "Familien- und Heimflugverkehr". Dieser zeige sich insgesamt deutlich krisenresistenter und mitunter "margenstärker." Klassische Destinationen dafür liegen in Ost-Europa und Vorderasien. Und auch den vielfach mit Abgesängen konfrontierten Geschäftsreiseverkehr will die Lufthansa-Tochter nicht aus den Augen verlieren. Vielmehr kann sich Bischof vorstellen, dass für dessen Reste der Point-To-Point-Verkehr nach der Krise interessanter wird.

Die Schwestergesellschaft Germanwings und die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW), die beide über Jahre hinweg im Auftrag von Eurowings geflogen waren, mussten ihren Betrieb einstellen. Deren Mitarbeiter suchen nun nach neuen Jobs - genau wie diejenigen des ebenfalls geschlossenen Lufthansa-Ablegers Sunexpress Deutschland.

Bischof erwartet, dass Eurowings all ihre Beschäftigten im Sommer aus der Kurzarbeit holen kann. "Ich gehe davon aus, dass wir mit dem jetzigen Personalbestand der Eurowings Mitte des Jahres wieder im Volleinsatz sind." Dann böten sich auch Perspektiven für Teile der bisherigen Crews von Germanwings und Sunexpress. Durch Neueinstellungen werde die Zahl der Eurowings-Beschäftigten voraussichtlich von knapp 3000 auf dann gut 3000 steigen, sagte Bischof.

Von: dk mit dpa

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