Eurowings-Ausbau drückt das Lufthansa-Ergebnis

Die Lufthansa Group stellt ihre Quartalszahlen vor: Die Netzwerk-Airlines entwickeln sich positiv, aber der Eurowings-Ausbau drückt das Gesamtergebnis. Am Ende steht der Konzern besser da als vor einem Jahr.

Nach fast 30 Jahren sollen die Lufthansa-Maschinen eine neue Lackierung bekommen. © AirTeamImages.com / Felix Gottwald

Die Lufthansa Group hat für das saisonbedingt reiseschwache erste Quartal ein besseres Ergebnis als vor einem Jahr vorgelegt. So weist der Konzern für den Zeitraum von Januar bis März einen Verlust von rund 57 Millionen Euro aus. Im ersten Quartal 2017 lag dieser noch bei 68 Millionen Euro. Das belegen die am Donnerstag vorgestellten Zahlen Quartalszahlen.

Vor allem gute Geschäfte der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian haben maßgeblich zum verbesserten Ergebnis beigetragen. Die Frachttochter Lufthansa Cargo konnte ihren operativen Gewinn auf 65 Millionen vor Steuern und Zinsen fast verdoppeln. So konnten die Belastungen aufgefangen werden, die durch die Integration übernommener Air-Berlin-Teile und dem damit verbundenen Ausbau der Billigtochter Eurowings entstanden.

Quartalsergebnisse der Lufthansa Group

Erstes Quartal Konzernergebnis
(in Mio. Euro)
2013 -458
2014 -252
2015 425
2016 -8
2017 -68
2018 -57

Quelle: Lufthansa Group

Das operative Geschäft entwickelte sich im ersten Quartal gut: So betrug das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) 27 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es 16 Millionen Euro. Der um Sonderfaktoren bereinigte operative Gewinn (Adjusted Ebit) ist nur leicht gestiegen - um eine Million Euro auf 26 Millionen Euro. Der Konzernumsatz sank allerdings leicht um 0,7 Prozent auf 7,64 Milliarden Euro. Der Umsatz stagnierte wegen einer veränderten Rechnungslegung. Ohne diese Neuregelung wäre laut Lufthansa Group der Konzernumsatz um 4,5 Prozent gestiegen.

Umsatzerlöse der Lufthansa Group in den ersten Quartalen 2013 bis 2018
Angaben in Milliarden Euro
2013 6.62
2014 6.46
2015 6.97
2016 6.92
2017 7.69
2018 7.64

Quelle: Lufthansa Group

Am Finanzmarkt lösten die Nachrichten einen Kursrutsch aus. Kurz nach Handelsbeginn verloren die Lufthansa-Aktien rund 4,6 Prozent auf 24,42 Euro. Schon seit ihrem Rekordhoch von 31,26 Euro im Januar war es für die Papiere deutlich abwärts gegangen. Allein am Mittwoch hatten sie mehr als drei Prozent verloren. Ein Analyst wertete die hohen Integrationskosten als negativ.

Netzwerk-Airlines entwickeln sich stark

Die Verbesserungen im operativen Geschäft verdankt der Konzern maßgeblich der guten Performance seiner Netzwerk-Airlines: Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines. So liegt das Adjusted Ebit mit 114 Millionen Euro um 154 Millionen Euro über dem des Vorjahres. Lufthansa hat die höchste Ergebnismarge im ersten Quartal der letzten zehn Jahre erreicht und mit einem bereinigten Betriebsergebnis von 83 Millionen einen Gewinn erzielt. Swiss ist mit einem bereinigten Betriebsergebnis von 99 Millionen Euro die profitabelste Marke innerhalb des Konzerns. Austrian Airlines verbesserte sich zwar um elf Millionen Euro, muss aber trotzdem ein negatives Ergebnis von minus 57 Millionen Euro ausweisen.

Eurowings-Ausbau drückt das Ergebnis

Die finanziellen Belastungen durch den schnellen Ausbau der Billigtochter Eurowings sind hoch. Das operative Minus der Eurowings Group liegt im ersten Quartal bei 203 Millionen Euro. Im vergangen Jahr wies der Low-Cost-Ableger einen Verlust von 132 Millionen Euro aus. Bei der Lufthansa spricht man von "signifikanten Einmalkosten", die Integration der übernommen Teile der Air Berlin mit sich bringe. Der Kranich hatte gut die Hälfte der 144 ehemaligen Air-Berlin-Maschinen übernommen und in die Eurowings integriert.

© Telefonica, Lesen Sie auch: Eurowings verteidigt Wet-Lease-Einsatz

Grade auf typischen Touristenstrecken weitet die Lufthansa ihr Angebot mithilfe von Eurowings kräftig aus. Doch der Ausbau stockt. Wollte der Konzern sein Flugangebot in diesem Jahr anfangs noch um zwölf Prozent ausbauen, strich er die Pläne im März schon auf 9,5 Prozent zusammen. Jetzt sollen es nur noch 8,5 Prozent werden. Auch deshalb sollen die Treibstoffkosten in diesem Jahr statt auf 5,9 Milliarden nur auf 5,8 Milliarden Euro steigen.

Die erneute Kappung der Wachstumspläne begründete der Konzern mit Flugausfällen wegen Wetterkapriolen und einer Betriebsversammlung bei Austrian Airlines sowie mit Lieferproblemen beim Flugzeugbauer Airbus. Neue Mittelstreckenjets der A320neo-Reihe würden mehrere Monate später ausgeliefert als geplant.

Ticketpreise bleiben stabil

Für die Entwicklung der Ticketpreise zeigte sich die Lufthansa-Führung ähnlich optimistisch wie zuletzt. Bis zur Jahresmitte sollten die Stückerlöse je angebotenem Sitzplatzkilometer weiter leicht steigen und im Gesamtjahr stabil bleiben. Im ersten Quartal legten sie um 1,2 Prozent zu.

Unterdessen dreht die Lufthansa wie geplant an der Kostenschraube. Die Stückkosten sollen in diesem Jahr abseits von Währungsschwankungen und Treibstoff wie geplant um 1 bis 2 Prozent sinken.

Für das laufende Jahr sieht Vorstandschef Carsten Spohr Europas größte Fluggesellschaft auf Kurs, einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) leicht unter dem Rekordergebnis von fast drei Milliarden Euro aus dem Vorjahr einzufliegen.

Von: br, dpa, dpa-AFX

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