Eurowings-Belegschaft spürt Druck auf Arbeitsplätze

Eurowings wird in einigen Jahren deutlich weniger Menschen beschäftigen als derzeit. Airline-Chef Thosten Dirks kündigt Einschnitte an, die Gewerkschaften beklagen Unsicherheit und Druck im Konzern.

Flugbegleiter der Eurowings. © Eurowings

Eine der wichtigsten Maßnahmen, mit denen bei Eurowings das Ruder bis 2022 rumgerissen werden soll, ist die Erhöhung der Produktivität der Mitarbeiter, um so die Kosten zu senken.

So soll zum einen die Arbeitszeit steigen. Bei den Piloten beispielsweise von derzeit 530 auf 750 so genannte "block hours", womit die tatsächlich geflogene Zeit gemeint ist. Laut Lufthansa-Vorstand würde dies der Arbeitszeit bei Konkurrenten wie Easyjet und Ryanair entsprechen.

Zudem soll die Verteilung der Crews in Cockpit und Kabine künftig wesentlich effizienter ablaufen. Die Crews sollen von einer festen Homebase fliegen und sowohl die jährlichen Pflicht-Tage als auch die täglichen Flugstunden sollen steigen. Gleichzeitig soll die Eurowings-Flotte bis 2022 um 20 Prozent auf circa 110 Kurzstreckenflugzeuge schrumpfen.

© Lufthansa Investor Relations Website (Screenshot), Lesen Sie auch: Lufthansa kann Kapitalmärkte nicht überzeugen

Der Bedarf an Crews wird sinken, während deren Arbeitszeit steigen soll. Und in der Verwaltung liegt das Ziel bei einem Kostenrückgang von 30 Prozent in den kommenden drei Jahren. Die Zeichen stehen also auf Arbeitsplatzabbau bei Eurowings, was der Lufthansa-Vorstand auch nicht verschweigt, wobei natürlich keine genauen Zahlen genannt werden. Man werde die Reduzierung der Mitarbeiterzahl zunächst "über die natürliche Fluktuation" versuchen, wenn nötig aber auch über Sozialpläne, so Eurowings-Chef Thorsten Dirks beim Investorentreffen "Capital Markets Day" der Lufthansa.

Damit einhergehen soll die Schließung von defizitären Strecken und Basen. Künftig will sich der Low-Cost-Carrier vor allem auf Kernmärkte konzentrieren und nennt in einer Präsentation Hamburg, Köln, Stuttgart und Düsseldorf. In welchem Umfang es dabei zu Neustationierungen von Mitarbeitern kommt, ist offen.

Verdi sieht "Management in der Pflicht" um Produktivität zu steigern

Für Volker Nüsse, "Tarifsekretär Kabine" bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, ist klar, dass die Gewerkschaften den Umbauprozess bei Eurowings intensiv begleiten müssen, um eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bei Eurowings möglichst zu unterbinden. So sehe man beim Ziel deutlicher Produktivitätssteigerungen vor allem das Management in der Pflicht, seine Hausaufgaben zu machen. Dies dürfe nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter stattfinden.

Ein wichtiges Ziel sei nun, mit Eurowings möglichst schnell eine bindende Neuregelung der betrieblichen Personalvertretung zu erarbeiten. Diese soll von fünf auf fünfzehn Personen anwachsen und wesentlich mehr Möglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung haben als bisher. Anders sei der komplexe Prozess der Reduzierung auf ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC), wie ihn Eurowings anstrebt, aus Sicht der tariflichen Mitbestimmung nicht zu bewältigen, so Nüsse.

Ufo beklagt Unsicherheit durch konzernweiten Druck auf Arbeitsplätze

Aus Gewerkschaftskreisen heißt es, dass Dirks die Eurowings-Belegschaft in internen Kommunikationsrunden bereits auf harte Einschnitte vorbereite, da es so wie bisher nicht weitergehen könne. Im Raum steht anscheinend auch eine Ausgründung, falls der Turnaround mit den bisher kommunizierten Maßnahmen nicht gelingt. Man könnte dann eine neue GmbH gründen, auf die das AOC und die Flugzeuge übertragen würden. Das Personal könnte man dann zu neuen Konditionen einstellen.

Ein Ufo-Sprecher kritisierte gegenüber airliners.de, dass sich der Lufthansa-Konzern erst Air Berlin einverleibt habe, um nun festzustellen, dass man die Mitarbeiter doch nicht mehr brauche. Der plötzliche Strategieschwenk im Rahmen eines Investorentreffens, ohne das neben den Zielen wirkliche Details zum Vorgehen publiziert würden, würde den von den meisten Mitarbeitern gefühlten Druck auf die Arbeitsplätze im Konzern zusätzlich verstärken und mache insgesamt einen eher verzweifelten Eindruck.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Ufo kündigt Streiks bei Lufthansa-Airlines ab Juli an

Von: dk

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