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LCC, Charter, Network Europas Airlines vor Fusionen - Geschäftsmodelle nähern sich an

Berlin (dpa) - Im Himmel über Europa verschwimmen die Konturen. Billigflieger und klassische Charter-Airlines nähern sich an und auch Linienflieger wie Lufthansa locken inzwischen mit Schnäppchenpreisen. Die Fusionsbestrebungen in der Branche laufen auf Hochtouren. Damit könnten die Grenzen zwischen den Segmenten noch weiter verwischen, sagen Experten auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin.

m Vergleich zu den USA ist Europas Luftverkehrsmarkt extrem zersplittert. «In den USA kommen die Top 5 der Fluggesellschaften auf einen Marktanteil von 67 Prozent, in Europa decken die hiesigen Top 5 nur 31 Prozent des Marktes ab», sagt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. «In diesem und im nächsten Jahr wird sich die Phase der Konsolidierung verstärken, und aus dem Wachstumsmarkt wird ein Verdrängungsmarkt», ist er überzeugt.

Viele Airlines stehen zum Verkauf: LTU-Mehrheitseigner Hans Rudolf Wöhrl hat als Käufer für seinen seit Jahren kränkelnden Ferienflieger die Thomas-Cook-Tochter Condor im Auge. Italiens Regierung will ihre 49,9-Prozent-Beteiligung an Alitalia loswerden, und Ryanair lässt bei der irischen Staatslinie Aer Lingus nicht locker. Für den irischen Billigflieger könnte die Aer-Lingus-Übernahme den Einstieg ins Langstreckengeschäft über den Atlantik bedeuten - bei Europas Billigfliegern bislang undenkbar. «Wir werden die Routen beibehalten, wenn sie sich rechnen», sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary der «WirtschaftsWoche».

Längst haben Billig-Airlines und traditionelle Gesellschaften voneinander gelernt. Ryanair - bislang auf Flughäfen außerhalb der Ballungsräume spezialisiert - will künftig auch Großstadt-Airports anfliegen, wie O'Leary jetzt ankündigte. Die Lufthansa bietet in begrenzter Zahl Flüge ab 99 Euro an und erhöht damit die Auslastung ihrer Flugzeuge. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sieht sein Geschäftskonzept als dritten Weg zwischen klassischen Carriern und der Billigflieger-Variante von easyJet und Ryanair. Und Germanwings, die indirekt von Lufthansa kontrolliert wird, hat nun auch einen Tarif für Geschäftskunden eingeführt, der auch Umbuchungen und Stornierungen ermöglicht. «Dem Kunden ist ohnehin egal, mit was für einem Typ von Airline er fliegt», sagt Germanwings-Chef Winkelmann. Qualität zum niedrigen Preis - das sei das entscheidende Kriterium.

Der Verdrängungswettbewerb trifft auf den ersten Blick die Ferienflieger wie Condor und LTU. Ihre Flugzeuge wurden traditionell vor allem von den Reiseveranstaltern gefüllt, die Tickets für ihre Urlaubsgäste gleich in großen Mengen kaufen. Nach Ansicht Winkelmanns wird der Markt für Charterflüge weiter schrumpfen. Was allerdings nicht heißen muss, dass die Flugzeuge leer bleiben. Die übrigen Plätze werden als Einzeltickets angeboten. «Charter und Low-Cost waren im Grundsatz schon immer dasselbe Geschäftsmodell», sagt DZ- Bank-Analyst Raimon Kaufeld. In beiden Fällen gehe es ausschließlich um Direktflüge ohne die aufwendige Logistik für das Umsteigen. Der Unterschied liege vor allem im Vertriebsweg.

Ungeachtet des Wandels bei den Vermarktungsstrategien gehen die Spekulationen um den Ferienflieger LTU weiter. Condor schweigt bislang zu den Heiratsavancen des LTU-Mehrheitseigners Wöhrl. «Hervorragend ergänzen würden sich vielmehr Air Berlin und LTU», sagt Michael Garvens, Chef des Flughafens Köln-Bonn. Air Berlin verfügt über ein gut ausgebautes Streckennetz in Europa und mit der Übernahme von dba auch ein innerdeutsches Netz. LTU böte da die Ergänzung für die Langstrecke. Air-Berlin-Chef Hunold hält sich bedeckt: «Ich würde es nicht sagen, wenn ich Interesse hätte.»

Von: Von Steffen Weyer, dpa-AFX

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