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Europäischer Flughafenverband fordert Reform der Slot-Regulierung

Der europäische Flughafenverband ACI Europe fordert eine Reform der Slot-Vergabe. Die aktuelle Regelung sei in Zeiten von zunehmenden Kapazitätsengpässen anachronistisch. So fordert der Verband unter anderem auch den Verkauf von Slots.

Flugzeugabfertigung am Airport München. © Flughafen München

Der Branchenverband der europäischen Flughäfen - Airports Council International Europe (ACI Europe) - hat eine grundlegende Reform der Slot-Vergabe an den Airports in Europa gefordert. In einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier heißt es, dass die aktuelle rund 27 Jahre alte Regelung nicht mehr geeignet sei, um eine effiziente Arbeitsweise und effektiven Wettbewerb in einer Zeit von zunehmenden Kapazitätsengpässen an Europas Airports zu ermöglichen.

Laut einer unabhängigen Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) würden aufgrund der derzeitig gültigen Regelungen rund zehn Prozent der Slots an koordinierten europäischen Flughäfen jedes Jahr "verfallen".

Billigflieger verstärken Kapazitätsengpässe

Diese Situation habe sich in den letzten Jahren verschärft seit auch Billigflieger an die großen Airports in Europa drängen. Zudem gebe es in Europa nur eine begrenzte Aussicht auf den Aufbau neuer Flughafeninfrastruktur.

"Eine Regelung auf der Grundlage des Luftverkehrsmarktes vor 27 Jahren ist nicht nur anachronistisch - sie schränkt auch die Möglichkeiten der Flughäfen ein, ihren Betrieb nachhaltiger zu gestalten", so Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI Europe. Laut Jankovec hätten die Flughäfen zudem derzeit kein Mitspracherecht, wie die von ihnen angebotene Infrastruktur von den Airlines genutzt werde.

Forderungen zur Verbesserung

So sollen die Mitgliedstaaten unter anderem die Möglichkeit erhalten, im sogenannten Sekundärhandel selber Slots verkaufen zu können. Bislang sieht die geltende EU-Verordnung lediglich die Möglichkeit des Tauschs und der Übertragung von Slots ("Sekundärallokation") zwischen verbundenen Unternehmen unter Aufsicht des Koordinators vor. In den USA ist der Slothandel längst üblich - begehrte Slots erzielen hier Preise von mehreren Millionen Dollar.

Neben einer erhöhten Transparenz über die Entscheidungen der Slot-Vergabe fordert der Verband auch, die strategischen Ziele bei der Zuweisung von Slots vermehrt zu berücksichtigen.

Zudem solle die Regelung für neue Marktteilnehmer "erweitert" werden. Wie das konkret aussehen soll, führt der ACI in seinem Positionspapier jedoch nicht aus. Bislang muss die Hälfte der zurückgegebenen Slots an einem Flughafen an Neubewerber vergeben werden.

Auch ein "Slot-Reservierungssystem" soll nach Willen des Verbandes installiert werden. Damit will der ACI Europe Fluggesellschaften Anreize bieten, nicht genutzte Slots rechtzeitig zurückzugeben, um der Verschwendung von Flughafenkapazität Einhalt zu gebieten.

An besonders stark überlasteten Flughäfen soll es spezielle Bewerbungsverfahren für Airlines gebe, die im Sinne des Wettbewerbs eine Maximierung des wirtschaftlichen und sozialen Nutzens widerspiegeln.

Der deutsche Flughafenverband teilte auf Anfrage mit, dass man mit den Forderungen

des ACI konform gehe. Auch die deutschen Flughäfen plädieren für einen grundsätzlichen Neubeginn der Slot-Verordnung. "Es gilt, neue Regeln, Instrumente und Anreize für eine effiziente und marktgerechte Slot-Vergabe zu erarbeiten. Eine erhöhte Verbindlichkeit in der Slotallokation soll die Planbarkeit im Betriebsablauf verbessern."

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Arten und Zuteilung von Slots Basiswissen Luftverkehr (11)

Von: br

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