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Boeing 737 MAX-9 © AirTeamImages.com / Matthieu Douhaire

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Die europäische Flugsicherheitsbehörde Easa hat das Flugverbot für die Boeing 737 Max aufgehoben. Nach einer "eingehenden Prüfung" sei entschieden worden, dass die Maschine wieder grünes Licht bekomme und sicher fliegen könne, erklärte Easa-Chef Patrick Ky am Mittwoch.

Voraussetzung für den Neustart sind technische Verbesserungen an Hard- und Software sowie zusätzliche Trainings für die Piloten. Nach Ansicht der Behörde erfüllen die geplanten Verbesserungen die Anforderungen an die Flugsicherheit.

Piloten loben "Return To Service"-Prozess

Auch die European Cockpit Associaton (ECA) begrüßt den Schritt der Easa und verweist auf die gute Zusammenarbeit der europäischen Zulassungsbehörde. Die ECA begrüßte, dass die Piloten an dem Zulassungsprozess beteiligt. "Die erteilte Lufttüchtigkeitsanweisung bildet den Abschluss eines sinnvollen und gründlichen "Return To Service"-Prozesses", teilten die Piloten mit.

So muss ab sofort jeder Pilot der Boeing 737 Max vor seinem Einsatz ein spezielles Trainingsmodul absolvieren. Dieses beinhaltet Wissensanforderungen in Bezug auf Änderungen im Flughandbuch sowie ein praktisches Training in einem Max Full Flight Simulator.

Um grünes Licht für eine Wiederaufnahme des Flugverkehrs zu bekommen, hatte Boeing eine Reihe technischer Veränderungen vorgenommen. Unter anderem wurde die Software des Stabilisierungssystems überarbeitet. Außerdem musste jede Fluggesellschaft ihr Trainingsprogramm für Piloten der 737 Max überarbeiten.

Dritter Sensor soll nachgerüstet werden

Die Easa hatte zudem den Einbau eines dritten Sensors gefordert. Dieser soll ein sogenannter synthetischer Sensor sein, der erst noch entwickelt werden muss. In der noch gar nicht zugelassenen Langversion des Jets, der 737 Max 10, soll er von Anfang an vorgeschrieben sein. Bei den übrigen Varianten soll er später nachgerüstet werden.

Die Untersuchung durch die Flugsicherheitsbehörde sei "in vollkommener Unabhängigkeit" von Boeing oder der US-Luftfahrtaufsicht FAA sowie "ohne wirtschaftlichen oder politischen Druck" erfolgt, versicherte die Behörde. Die FAA in den USA hatte das Flugverbot für die 737 Max bereits Mitte November aufgehoben; Anfang Dezember startete in Brasilien eine Maschine des Typs wieder zu einem kommerziellen Flug.

In Europa haben unter anderem der Reisekonzern Tui und der Billigflieger Ryanair die 737 Max bestellt. Tui-Airlines im europäischen Ausland haben die "Max" in der Version 737-Max-8 bereits in der Flotte, mussten sie aber seit fast zwei Jahren am Boden lassen. Der deutsche Ferienflieger Tuifly wartet noch auf seine erste Maschine der Reihe.

Max-Einsatz bei Tui wird noch einige Zeit dauern

Der Reisekonzern zeigt nach der europäischen Startfreigabe für den Boeing-Krisenjet 737 Max erleichtert - genaue Pläne für den Einsatz der Maschinen sind auch wegen der anhaltenden Corona-Lage aber noch nicht möglich. Es seien zwar "alle Voraussetzungen für eine sichere und erfolgreiche Wiederaufnahme des Betriebs gegeben", hieß es. Weil der Flugverkehr weiter stark eingeschränkt und der Markt schwach sei, dauere es jedoch wohl etwas, bis die 737 Max ins laufende Geschäft eingeführt werde.

Zudem seien weitere Vorbereitungen nötig, erklärte das Unternehmen in Hannover: "Bei unseren ausländischen Fluggesellschaften sind wir in der abschließenden Phase, um alle geforderten Modifikationen und Updates umzusetzen und die Pilotinnen und Piloten auf die Änderungen zu schulen." In Deutschland brauche man dafür vermutlich noch einige Monate, hier flog das Modell bislang nicht. Überdies seien die Märkte in Großbritannien oder den Niederlanden gerade "praktisch auf Null".

Das Ausweichen auf angemietete Ersatzmaschinen für die gegroundete Max hatte die Tui-Finanzen 2019 stark belastet, der Gewinn sank um 43 Prozent. Das Flugverbot in Europa zog sich dann 2020 weiter hin. Der Konzern hatte zunächst mehr als 70 Maschinen des Typs bis zum Jahr 2023 bestellt - im Juni einigte man sich mit Boeing, weniger als die Hälfte der ursprünglich vereinbarten Einheiten abzunehmen. Außerdem wurde der Zeitraum dafür gestreckt, und Tui erhielt Schadenersatz für die Mehrbelastungen.

Das weltweite Flugverbot für die 737 Max war im März 2019 verhängt worden. Grund waren die Abstürze von zwei Maschinen des Typs in Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Todesopfern.

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