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Euro-Airlines weiter unter Druck

Zuletzt gesunkene Ölpreise haben Europas Fluggesellschaften eine Atempause verschafft. Ihr traditionelles Geschäftsmodell steht weiter unter starkem Konkurrenzdruck. Lufthansa nutzt die Krise zum Umbau.

Boeing 737-800 landet bei stürmischem Wetter © AirTeamImages.com

Auf den jüngst gesunkenen Ölpreis will sich Simone Menne nicht verlassen. Er hat ihr zwar geholfen, dass sie bei ihrer Premiere als Lufthansa-Finanzvorstand am Donnerstag erstmals seit langem wieder positive Nachrichten unter das Anlegervolk streuen konnte: 361 Millionen Euro hat der Kranich im zweiten Quartal 2012 operativ verdient, und die Aussichten auf einen starken Sommer sind ebenfalls nicht schlecht. Doch nachhaltig muss das nicht sein, denn ein Wiederanstieg des Ölpreises auf alte Höhen könnte schnell ein neues Loch in die Bilanz von Europas größter Fluggesellschaft reißen.

Im Kampf gegen die Doppel-Konkurrenz erfolgreicher Billigflieger im Europa-Geschäft und der aggressiven Golf-Carrier auf der Langstrecke ist die Route der Lufthansa inzwischen klar erkennbar. Unter der Führung des 2011 ernannten Chefs Christoph Franz hat sich der Konzern von Dauerverlustbringern wie der chinesischen Frachtbeteiligung Jade oder der British Midland (bmi) getrennt und ein ehrgeiziges Sparprogramm namens «Score» aufgelegt, das bis Ende 2014 ein jährliches Plus von 1,5 Milliarden Euro bringen soll.

Für den deutschsprachigen Konzernkern mit den Marken Lufthansa, Swiss und Austrian sollen das Flugprogramm gestrafft, die Flotten vereinheitlicht und etliche Funktionen wie Vertrieb oder Einkauf zusammengefasst werden. Die nicht direkt zum Flugbetrieb gehörenden Service-Töchter für Catering, IT und Technik stützen derzeit den Konzern, könnten aber schnell zur Disposition stehen. Lufthansa sieht sich zudem zu einem gigantischen Investitionsprogramm gezwungen, um ihr Business- und Luxussegment endlich auf das Niveau der Wettbewerber zu bringen. Dafür schnellt allerdings die im europäischen Wettbewerb noch geringe Verschuldung hoch.

Das alles wird nicht reichen, um die Kostenvorteile von Easyjet, Ryanair oder den staatlich gestützten Golf-Airlines auszugleichen, erklärt der Lufthansa-Vorstand fortlaufend. Neben den kaum beeinflussbaren Treibstoffkosten und Gebühren bildet das Personal mit einem Anteil von gut 23 Prozent den mit Abstand größten Kostenblock bei Lufthansa, im Vergleich zu 14 bei Emirates oder gut 10 Prozent bei Ryanair, doch die Verhandlungen über neue Tarifstrukturen gestalten sich zäh. Gerade lässt die Kabinen-Gewerkschaft UFO ihre Mitglieder über einen möglichen Streik abstimmen und wehrt sich vehement gegen den Einsatz von Leihstewardessen.

Die vorsichtigen Reden des Managements könnten daher Kalkül sein, worauf der Analyst Michael Kuhn von der Deutschen Bank hinweist: «Die Lufthansa verhandelt derzeit mit ihren Beschäftigten über Einsparungen. Aus unserer Sicht hat sie deshalb ein Interesse daran, auf ein schwieriges Geschäftsumfeld hinzuweisen.»

Und Einschnitte beim Personal könnte es nicht zu knapp geben: Derzeit arbeitet die Lufthansa unter dem Arbeitstitel «Direct4U» daran, einen großen Teil ihres Europageschäft mit ihrem Billigflieger Germanwings zusammenzulegen. Bisher verfolgte der Konzern mit Ausgliederungen typischerweise den Zweck, die Personalkosten zu drücken. Das jüngste Beispiel stammt aus Österreich: Piloten und Flugbegleiter der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines sind seit Juli bei der Regionaltochter Tyrolean angestellt, die Lufthansa erwartet dadurch Einsparungen von bis zu 25 Prozent. Bei der Profitperle Swiss war der Konzern einst ähnlich vorgegangen. Auch dort rumort es in der Belegschaft inzwischen vernehmbar.

Trotzdem führt am Sparkurs voraussichtlich kein Weg vorbei. Der streitbare Ryanair-Chef Michael O'Leary orakelt bereits über eine rollende Pleitewelle in der Luftfahrtbranche. Alleine in diesem Jahr hat es mit Spanair, der ungarischen Malev und der schwedischen Skyways schon mehrere erwischt. «Der Kampf gegen die Gulf Carrier und die Lowcoster macht es sicher für einige Airlines in Randbereichen schwierig zu überleben», räumt auch Lufthansa-Managerin Menne ein, sieht die Lufthansa aber gut aufgestellt.

Sein Sparprogramm wird sich auch Europas Branchenprimus einiges kosten lassen müssen. Allein in diesem Jahr soll «Score» mit 100 bis 200 Millionen Euro zu Buche schlagen, in den kommenden Jahren stehen 3500 Arbeitsplätze auf der Kippe. Die französische Air France will mit 5100 Stellen gut anderthalb Mal so viele Jobs streichen. Knapp 370 Millionen Euro hat sie dafür schon mal zur Seite gelegt.

Von: Christian Ebner, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX

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