airliners.de Logo
EU Verkehrskommissar Siim Kallas © dpa

EU-Verkehrskommissar Siim Kallas hat erneut gefordert, den einheitlichen europäischen Luftraum (Single European Sky - SES) endlich in die Realität umzusetzen. "Es ist Zeit zu handeln, und es ist schon überfällig", sagte Kallas jetzt im litauischen Vilnius während einer Rede vor den Verkehrsministern der 28 EU-Mitgliedstaaten, wie die EU-Kommission weiter mitteilte. Hintergrund sind Prognosen, dass sich die Zahl der Flüge bis 2035 im europäischen Luftraum Jahr verdoppeln wird. Die europäischen Fluglotsen kritisieren die SES-Vorgaben und fordern Nachbesserungen an den geplanten Regeln.

"Wir müssen jetzt liefern", forderte der Verkehrskommissar und kritisierte, dass das europäische Luftverkehrsmanagement immer noch zersplittert und ineffizient sei. Verbindliche Deadlines würden nicht eingehalten. Als Beispiel nannte er die Schaffung der regionalen Luftraumblöcke, die bis 2012 voll operationsfähig sein sollten, jedoch derzeit nur auf dem Papier existieren. Ende vergangenen Jahres war die geplante Einteilung in neun funktionellen Luftraumblöcke vorerst gescheitert.

Der Luftraum über Europa sei dem erwarteten Anstieg des Verkehrsaufkommens nicht gewachsen. "Wenn wir die Dinge so belassen, wie sie sind, dann wird auf den europäischen Luftraum eine immense Belastung und Chaos zukommen."

Im Juni hatte die Kommission die Zusammenführung der vier Verordnungen zur Schaffung des SES in einer einzigen Verordnung und die Änderung der Vorschriften für die Europäische Agentur für Flugsicherheit vorgeschlagen, den sogenannten SES 2+. Ziele des einheitlichen europäischen Luftraums sind, die Luftraumkapazität zu verdreifachen, die Kosten des Flugverkehrsmanagement zu halbieren, die Umweltauswirkungen zu verringern und die Sicherheit zu erhöhen.

Gegen die geplanten Umstrukturierungen hatten Mitte des Jahres französische Fluglotsen protestiert. Sie befürchten durch eine europäische Reform der Luftraumüberwachung schlechtere Arbeitsbedingungen und Stellenstreichungen.

Auch von der deutschen Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF) kommt Kritik. Wie die Vorgaben der zweiten Regulierungsperiode, in der von 2015 bis 2019 die Vorgaben des SES2+ umgesetzt werden soll, erfüllt werden sollen, ist aus GdF-Sicht völlig unverständlich. Es widerspreche sich, wenn bei halbierten Kosten die Sicherheit verzehnfacht werden soll.

Mit einem Aktionstag wollen am 10. Oktober Fluglotsen in ganz Europa gegen die EU-Pläne protestieren. Dazu aufgerufen hat die Air Traffic Controllers European Unions Coordination (ATCEUC), Dachorganisation von 28 europäischen Flugsicherungsgewerkschaften und Verbänden. Während des Aktionstages könnte es zu massiven Einschränkungen im europäischen Luftverkehr kommen.