EU will Strafzölle auf US-Produkte erheben

Der Handelsstreit mit den USA um Flugzeugsubventionen eskaliert. Nachdem Verhandlungen um Strafzölle der USA auf europäische Wirtschaftsgüter gescheitert sind, kündigt die EU nun ihrerseits Zollzuschläge für US-Produkte an. Die Folgen trägt nicht nur die Luftfahrtindustrie.

Das Modell eines Airbus A320neo vor einer US-Flagge © dpa / Dan Anderson

Nach der Verhängung von US-Strafzöllen auf EU-Produkte hat die Europäische Kommission am Freitag ihrerseits Strafzölle auf US-Produkte angekündigt.

"Wir bedauern die Entscheidung der USA, aber dieser Schritt lässt uns keine Alternative, als selbst Strafzölle zu verhängen", erklärte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström in Brüssel.

Gegenseitig Zölle zu erheben, sei in niemandes Interesse. Die Folgen hätten die Luftfahrtindustrie und viele weitere Branchen zu tragen, die bereits unter den Handelsstreitigkeiten litten.

Die Europäische Union hatte sich noch bis zuletzt darum bemüht, im Streit über Sanktionen für Flugzeugbauer eine Lösung auf dem Verhandlungsweg zu erzielen.

US-Strafzölle für EU-Produkte betreffen Flugzeuge

Washington hatte am Freitag wie angekündigt Strafzölle in Kraft gesetzt. Sie betreffen Produkte im Wert von 7,5 Milliarden Dollar. Die Welthandelsorganisation (WTO) hatte der US-Regierung wegen Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus Anfang Oktober grünes Licht dafür gegeben.

Auf Flugzeuge erheben die USA zusätzliche Abgaben in Höhe von zehn Prozent. Betroffen sind vor allem in Toulouse und in Hamburg montierte Maschinen des europäischen Herstellers Airbus. Laut Kieler Institut für Weltwirtschaft betrug der Wert der Flugzeugimporte von der EU in die USA 2018 rund 3,16 Milliarden Euro. Flugzeugteile sind nicht mit Strafzöllen belegt. In den USA gefertigte Airbus-Flugzeuge sind nicht betroffen.

Sollte die EU ihrerseits Strafzölle erheben und den Handelsstreit damit verschärfen, "haben wir am Ende zwei regionale Monopole, Boeing in Amerika und Airbus in Europa, weil die Flugzeuge für die jeweils andere Region zu teuer würden", heißt es warnend aus der Branche.

© dpa, Airwind Creative/Airbus Lesen Sie auch: US-Produktion von Airbus zunächst von Strafzöllen ausgenommen

Neben Flugzeugen sind auch Wein und Whisky, Käse und Oliven aus der EU von den US-Strafzöllen betroffen. Insgesamt führen die Länder der EU laut Statistikbehörde Eurostat jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von 320 Milliarden Euro in die USA aus.

Konflikt schwelt bereits seit langem

Hintergrund des Handelsstreits ist der seit rund 15 Jahren andauernde Streit um Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus sowie dessen US-Wettbewerber Boeing. Die WTO hat Staatshilfen sowohl für Airbus als auch für Boeing für unzulässig befunden. Die USA haben jedoch zuerst grünes Licht erhalten, mit Gegenmaßnahmen zu reagieren.

© Airbus, Lesen Sie auch: USA verhängt Strafzölle wegen Airbus-Subventionen

In wenigen Monaten wird nun eine weitere Entscheidung der WTO erwartet, in der es dann um mögliche EU-Strafzölle auf US-Produkte gehen wird. Es ist zu erwarten, dass auch diese Importaufschläge genehmigt werden. Die EU hat bei der WTO die Erlaubnis für Strafzölle von bis zu zwölf Milliarden Dollar beantragt.

Von: dh mit AFP, dpa

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