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EU-Sanktionen treffen russische Luftfahrt, © AirTeamImages.com/Alex Filippopoulos
Ein Airbus A350 von Aeroflot auf einem nassen Vorfeld unter bewölktem Himmel. © AirTeamImages.com / Alex Filippopoulos

Nach der Invasion Russlands in die Ukraine hat die Europäische Union wie angekündigt Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Ein Teil dieser Sanktionen betrifft auch den Luftfahrtsektor.

So hat die EU beschlossen, dass vorerst keine westlichen Flugzeuge und Flugzeugteile mehr nach Russland exportiert werden dürfen, berichtet die "FAZ". So könne mit relativ kleinem Aufwand "riesige Wirkung" erzielt werden, hieß es am Donnerstag aus Brüssel. Auf Dauer könnte dies zum ernsthaften Problem für die russischen Airlines werden.

Russland hat damit allerdings offenbar bereits gerechnet: "Seit Wochen decken sich russische Airlines verstärkt mit OEM-Produkten ein", sagte ein Manager eines nicht genannten europäischen MRO-Dienstleisters gegenüber "aero.de". Auch im Business-Jet-Bereich sei dieser Trend zu verfolgen gewesen.

Allein die russische Staatsfluggesellschaft Aeroflot verfügt laut "CH-Aviation" inklusive einiger durch Aurora und die Aeroflot-Tochter Rossiya betriebene Flugzeuge über eine Flotte von 296 Flugzeugen. Darunter sind 153 Maschinen vom europäischen Flugzeughersteller Airbus und 67 US-amerikanische Boeing-Flugzeuge, insgesamt also 220 Maschinen westlicher Hersteller – 74 Prozent der Gesamtflotte. Zudem stehen 14 noch nicht ausgelieferte Airbus A350 an.

Die Aeroflot-Flotte
TypAnzahl
A31928
A32070
A32135
A33012
A3508
B73739
B77728
SSJ10076

Diese Grafik zeigt die Flotte der russischen Staats-Airline Aeroflot, Stand Februar 2022Quelle: CH-Aviation

Hinzu kommt, dass die EU sich darauf geeinigt hat, dass keine in Russland gemeldeten Maschinen mehr in Europa gewartet werden dürfen. Selbst wenn Aeroflot und Co. in Zukunft noch nach Europa fliegen dürfen, werden sie ihre Maschinen dort also nicht warten lassen können. Dieses Risiko werden die russischen Fluggesellschaften womöglich nicht eingehen wollen und von vornherein nicht mehr nach Europa fliegen.

Im Gegenzug könnte der Konflikt mit Russland für die westliche Luft- und Raumfahrtindustrie einen Titanmangel zur Folge haben, schreibt "Flight Global". Etliche Unternehmen würden "einen großen Anteil des Titans für den Bau von Verkehrsflugzeugen aus Russland bekommen".

Polen und Tschechien wollen Luftraum für russische Airlines sperren

Dabei bleiben die Sanktionen hinter den Erwartungen zurück. So hatten Beobachter unter anderem auch ein weitreichendes Einflugverbot für russische Flugzeuge in den EU-Luftraum erwartet. Dazu konnte sich die EU aber offenbar als Ganzes nicht durchringen. Dennoch wird es Einschränkungen für russische Airlines im Luftraum einiger EU-Länder geben.

Polen und Tschechien haben angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine ihren jeweiligen Luftraum für russische Fluggesellschaften gesperrt. Auch Bulgarien will nachziehen.

Die polnische Regierung teilte mit, der Bann trete um Mitternacht in Kraft. Die polnische Airline Lot teilte mit, sie habe ihre Flüge nach Moskau und St. Petersburg ausgesetzt.

Tschechien schließt sich dem polnischen Schritt an, wie Ministerpräsident Petr Fiala nach einer Kabinettssitzung am Freitag sagte. Das Verkehrsministerium in Prag teilte mit, dass russische Linien ihren Flugverkehr von und nach Tschechien einstellen müssen. Dies gelte bereits ab Mitternacht in der Nacht zu Samstag.

Aeroflot und S7 streichen Europa-Flüge

Die russische Fluggesellschaft Aeroflot streicht nach einem Einflugverbot alle Verbindungen nach London und Dublin. Die Flüge in die Hauptstädte Großbritanniens und Irlands würden bis zum 23. Mai ausgesetzt, teilte die Airline am Freitagabend in Moskau mit.

Die russische Fluggesellschaft S7 strich alle Verbindungen nach Europa. Dies gelte bis zum 13. März, zitierten russische Nachrichtenagenturen eine Erklärung des Unternehmens.

Aeroflot reagierte auf die Entscheidung Londons vom Donnerstag, die russische Airline aus dem britischen Luftraum zu verbannen. S7 bezog sich wiederum auf die Sperrung des polnischen und tschechischen Luftraums für russische Fluggesellschaften ab Mitternacht.

Die Luftraumsperren blieben nicht unbeantwortet. Als Reaktion auf die britischen Restriktionen verbannte Russland am Freitag alle britischen Fluggesellschaften aus seinem Luftraum. Das schließt auch Überflüge nach Asien ein. Statt über Russland zu fliegen, müssen die britischen Airlines nun einen Umweg über den Persischen Golf nehmen. Dagegen fliegen die europäischen Fluggesellschaften aktuell noch nach und über Russland, auch die Fluggesellschaften der Lufthansa Group.

Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine haben zahlreiche Fluggesellschaften, darunter auch die Lufthansa, ihre Ukraine-Verbindungen vorerst eingestellt. Bislang berührt die Sperrung des ukrainischen Luftraums den interkontinentalen Flugverkehr jedoch kaum.

Sperrung des russischen Luftraums wäre ein schwerer Schlag

Weitaus größere Konsequenzen für Airlines aus Europa könnte die Sperrung des russischen Luftraums haben. Damit fielen viele der schnellsten Routen zwischen Europa und Asien weg, sagt Michael Trinkwalder vom Tübinger Unternehmen A3M, einem Dienstleister für Krisen- und Frühwarninformationen für Reisen weltweit.

"Russland hat bereits in der Vergangenheit damit gedroht, seinen Luftraum für westliche Fluggesellschaften zu sperren", sagt Trinkwalder. "Als Reaktion auf neuerliche massive Sanktionen könnte diese Drohung diesmal in die Tat umgesetzt werden." Für die ohnehin gebeutelte europäische Luftfahrtbranche wäre das ein weiterer schwerer Schlag, so der Experte.

Sollte die EU ebenfalls ihren Luftraum für russische Maschinen sperren, ist also davon auszugehen, dass Russland mit derselben Maßnahme für europäische Flugzeuge reagieren wird. Somit müssten auch europäische Airlines den Umweg über den Golf nehmen und dadurch mehr Treibstoff tanken.

Nicht nur für Lufthansa, sondern speziell auch für die nordeuropäischen Carrier wie Finnair und SAS wäre ein gesperrter russischer Luftraum daher ein größeres Problem, auch wenn derzeit weniger nach Asien geflogen wird als vor Corona.

Eine solche Entwicklung könnte zum Vorteil der Golf-Airlines, wie Emirates, Qatar Airways und Etihad sein. Diese könnten ihr Streckennetz von Europa über Dubai, Doha und Abu Dhabi nach Asien und zurück weiterausbauen, ihre Auslastung wäre zudem höher und sie könnten die Preise extra senken, um den europäischen Fluggesellschaften neue Konkurrenz zu machen.

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