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EU stellt überarbeitete Pläne für einheitlichen Euro-Luftraum vor

Der Single European Sky (SES) kommt wieder mit Priorität auf die Europa-Agenda. Der Umbau ist Teil der der EU-Green-Deal-Strategie. Künftig soll es flexiblere Kontrollzonen geben. Die SES-Umsetzung scheitert seit Jahren.

Kondensstreifen am Himmel © dpa / Patrick Pleul

Mit überarbeiteten Plänen für eine bessere Zusammenarbeit im Luftverkehr will die EU-Kommission Kosten sparen, Verspätungen verringern und den Ausstoß von Treibhausgasen senken.

"Das Ziel ist, die Überwachung des europäischen Luftraums zu modernisieren sowie nachhaltigere und effizientere Flugrouten einzurichten", teilte die Brüsseler Behörde mit. Dadurch könnten die Emissionen um zehn Prozent verringert werden, sagte EU-Transportkommissarin Adina Valean.

"Flugzeuge kreuzen manchmal zwischen verschiedenen Lufträumen, dadurch gibt es mehr Verspätungen und höheren Treibstoffverbrauch", sagte Valean. "Ein effizientes Management für den Luftverkehr bedeutet direktere Routen und niedrigere Energienutzung, das führt zu weniger Emissionen und geringeren Kosten für unsere Airlines."

Ziel sei ein flexibleres System anstelle starr vorgeschriebener Luftraumblöcke, so Valean bei der Vorstellung der im Vergleich zum bereits 2004 verabschiedeten nur leicht angepassten Vorschlag "SES 2+". Eurocontrol solle die Zusammenarbeit zwischen den Flugsicherungsdienstleistern dabei zunächst koordinieren.

"Mit den neuen vorgeschlagenen Regeln unterstützen wir unseren Luftverkehrssektor dabei, den dualen grünen und digitalen Übergang voranzutreiben", sagte Kommissarin Valean. So soll der Markt für Datendienste geöffnet werden. Der SES ist ein wichtiger Bestandteil des Klimaprogramms von Kommissionschefin Ursula von der Leyen, dem sogenannten Green Deal.

Die Kommission betonte, manche Fluggesellschaften wählten nicht die direkte Route, um Lufträume mit höheren Gebühren zu vermeiden. Allein 2019 hätten Verspätungen rund sechs Milliarden Euro gekostet und zu Millionen Tonnen überflüssigem CO2-Ausstoß geführt.

Verbände begrüßen Neuanfang

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) begrüßte die Pläne. "Jetzt geht es darum, dass die EU-Mitgliedsstaaten den Absichtserklärungen Taten folgen lassen", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.

Die EU-Staaten müssen wie auch das Europäische Parlament den Plänen der Kommission noch zustimmen, bevor diese in Kraft treten können. Auch der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber nahm die Staaten in die Pflicht. "Das Europäische Parlament ist bereit, schnell zu handeln", sagte er.

Zustimmung kam auch aus der FDP-Bundestagsfraktion. Deren Berichterstatter für Luftverkehr, Bernd Reuther, betonte aber, die EU-Kommission müsse in ihrem Konzept auch neuen Mobilitätskonzepten wie Drohnen oder Flugtaxis genügend Platz einräumen.

© Adobe Stock, Lesen Sie auch: Verkehrsminister lösen Blockade beim Thema Single European Sky auf

Neun statt 60 Kontrollzonen

Die neun Functional Airspace Blocks (FAB) für den SES wurden bereits eingerichtet, noch hapert es aber an der Umsetzung. Die EU bezeichnet die Umsetzung selbst als "noch immer viel zu langsam". Verzögerungen bei der Bereitstellung operationeller FABs in den einzelnen Ländern würden die Umsetzung in erheblichem Maße behindern, was wiederum zu Ineffizienzen im gesamten europäischen Flugverkehrsmanagementsystem führe. Mehrfach mahnte die EU die Länder dazu an, unter anderem auch Deutschland.

Die neun Functional Airspace Blocks (FAB)

UK-Irland FAB
Dänisch-Schwedisch FAB
Baltische FAB (Litauen, Polen)
BLUE MED FAB (Zypern, Griechenland, Italien und Malta)
Donau FAB (Bulgarien, Rumänien)
FAB CE (Österreich, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Tschechische Republik, Ungarn, Slowakische Republik, Slowenien)
FABEC (Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz)
Nordeuropäische FAB (Estland, Finnland, Lettland und Norwegen)
Südwestlicher FAB (Portugal, Spanien)

Mit dem Single European Sky (SES) sollen seit Jahren die Flugrouten in Europa optimiert werden, anstatt sie von einem Flickenteppich an nationalen Kontrollstellen organisieren zu lassen. Derzeit gibt es für den 10,8 Millionen Quadratkilometer großen Luftraum insgesamt 60 Kontrollzonen, in Deutschland die Deutsche Flugsicherung.

Von: dpa-AFX, br, dh

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