EU erlaubt Flüge nach Lelystad, aber kassiert Regeln zur Verkehrsverteilung

Der Flughafen Amsterdam-Schiphol braucht dingend Entlastung. Eine Zwangsverlagerung von Verkehr scheiterte jedoch bisher an der EU-Kommission. Jetzt kommt ein Vorrangmodell und neue Slots in Schiphol gibts nur für Flüge mit Umsteigern.

So soll das Terminal am Amsterdamer Ausweichflughafen Lelystad aussehen. © Caspar Schwarz Architects

Die Europäische Kommission gibt grünes Licht für Linienflüge zum 30 Kilometer nordöstlich von Amsterdam gelegenen Flughafen Lelystad. Das geht aus einem Schreiben der Kommission an die Transport Attachés der Mitgliedstaaten hervor. Damit ist eine wichtige Hürde für eine Eröffnung des Flughafens, die eigentlich für das kommende Frühjahr angekündigt war, genommen.

Die Entscheidungsvorlage wurde allen Mitgliedstaaten vorgelegt und von diesen einstimmig beschlossen. Laut dem niederländischen Nachrichtenkanal NOS wird die förmliche Entscheidung der Kommission vor Ende September veröffentlicht.

Lelystad Airport mit seiner 2700 Meter langen Landebahn ist gegenwärtig bereits der meistgenutzte Platz für die allgemeine Fliegerei in Holland. Künftig soll er zusätzlich, mit einer Verkehrskapazität von bis zu 25.000 Slots für kommerzielle Linienflüge im Jahr, die dringend benötigte Entlastung für das Drehkreuz Amsterdam Schiphol ermöglichen. Für die ersten Jahre bis 2023 wird mit einem Flugaufkommen von 10.000 Slots pro Jahr gerechnet.

Ursprünglich hatte die niederländische Infrastruktur-Ministerin Van Nieuwenhuizen für den neuen Flughafen eine "Verkehrsverteilungsregel" vorgeschlagen, die Anbieter von Ferienflügen im Point-to-Point-Verkehr zwingen sollte, ihre Flüge von Schiphol nach Lelystad zu verlegen. Die frei werdenden Slots in Schiphol sollten im Gegenzug für Flüge mit Geschäftsreiseaufkommen zur Verfügung stehen. Fluggesellschaften, die bisher keine Slots in Schiphol hatten, sollten keinen Zugang zu dem neuen Ausweichflughafen bekommen. Zu diesem Vorhaben bestanden jedoch schnell wettbewerbsrechtliche Bedenken, sodass die Entscheidungsvorlage der Kommission ein neues Regelwerk aufgestellt hat.

Für neue Flüge ab Schiphol sind künftig 10 Prozent Umsteiger Pflicht

So wird es keine Handhabe geben, bestimmt Airlines zum Umzug von Schiphol nach Lelystad zu zwingen oder von dessen Nutzung auszuschließen. Auch sind keine Beschränkungen oder festen Vorgaben mehr vorgesehen, welche Destinationen vom neuen Flughafen aus angeflogen werden. Um die Funktion eines Entlastungsflughafens dennoch zu gewährleisten, werden alle Slots in Lelystad vorrangig an Point-to-Point-Flüge vergeben, die zuvor von Schiphol aus durchgeführt wurden. Die Fluggesellschaften sollen dabei freiwillig zum Umzug bewegt werden.

Alle Slots, die so in Schiphol frei werden, müssen künftig für Flüge genutzt werden, die einen Umsteigeranteil über zehn Prozent unter ihren Passagieren haben (sogenannte "Transferflüge"), was alle zwei Jahre überprüft werden soll. Die Fluggesellschaften verlieren ihre Slots in Schiphol jedoch nicht wie bisher vorgesehen automatisch, sondern haben einen Vorgriffsrecht, dort selbst Transferflüge durchzuführen. Nur bei einer freiwilligen Rückgabe der Slots an die zuständige Koordinationsstelle, können diese auf dem üblichen Weg an andere Fluggesellschaften übergehen.

KLM profitiert

Der neue Flughafen soll vor allem Homecarrier KLM weiteres Wachstum in Schiphol ermöglichen, was Teile der Koalitionsregierung auch offen sagen. Sie sind gegen die Öffnung Lelystads für Flüge, die zuvor nicht aus Amsterdam gestartet sind, wurden jedoch von der EU-Kommission jetzt überstimmt. Bisher hat nur die KLM-Tochter Transavia einen Umzug nach Lelystad angekündigt. Ihre Slots in Schiphol dürften größtenteils schnell an KLM gehen, die auf nahezu allen Flügen das geforderte Aufkommen an Transferpassagieren hat.

Neben Transavia hat Corendon Airlines einen Umzug nach Lelysatd angedeutet. Tuifly und EasyJet hingegen als größere Point-to-Point-Airlines in Schiphol, haben einem Umzug nach Lelystad hingegen schon eine Absage erteilt. In den Niederlanden selbst, stehen Teile der Öffentlichkeit der Aufnahme kommerzieller Flüge am Flughafen Lelystad wegen der zu erwartenden Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung kritisch gegenüber. Insbesondere sehr tiefe Flugrouten für den neuen Platz sorgen für Ärger und könnten den geplanten Eröffnungstermin im ersten Halbjahr 2020 platzen lassen.

Der Flughafen gehört, wie alle größeren Airports in den Niederlanden der Königlichen Schiphol Group und wird von ihr betrieben.

© dpa, Marcel Antonisse Lesen Sie auch: Amsterdam darf Airlines nicht zum Umzug zwingen

Von: dk

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