EU prüft Boeing-Embraer-Deal auf Wettbewerbsverzerrung

Die EU-Kommission überprüft den Zusammenschluss von Boeing und Embraers Verkehrsflugzeugsparte. Die Wettbewerbshüter befürchten Verzerrungen durch den Wegfall des drittgrößten Herstellers im Markt.

Embraer E 195-E2 © Embraer

Die EU-Wettbewerbshüter haben Bedenken gegen den geplanten Zusammenschluss zwischen dem US-Flugzeugbauer Boeing und dem brasilianischen Hersteller Embraer angemeldet. Sie habe eine "gründliche Prüfung" eingeleitet, teilte die EU-Kommission am Freitag mit. Der Schritt könnte die Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA weiter verschärfen.

Die EU-Kommission äußerte sich vor allem besorgt darüber, dass mit dem Joint Venture "Embraer als drittgrößter Anbieter im ohnehin schon stark konzentrierten Markt für Verkehrsflugzeuge wegfällt".

Boeing plant, für umgerechnet 4,2 Milliarden Euro den größten Teil der Verkehrsflugzeug-Sparte von Embraer zu übernehmen. Das US-Unternehmen könnte damit Flugzeuge mit einer Kapazität von bis zu 150 Sitzen anbieten. Ein weiteres, kleineres Joint-Venture betrifft den Vertrieb für das Militärtransportflugzeug KC-390 von Embraer.

Ihre Prüfung solle sicherstellen, dass der "Preiswettbewerb und die Produktentwicklung" auf dem Markt für Verkehrsflugzeuge durch den Zusammenschluss nicht vermindert werde, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. "Verkehrsflugzeugmärkte müssen gut funktionieren, damit den Kunden innovative und effiziente Produkte zu einem fairen Preis angeboten werden"

Die EU-Kommission wies darauf hin, dass Embraer weltweit führender Hersteller von Regionalflugzeugen sei und in den kommenden fünf bis zehn Jahren niemand in der Lage sein werde, dieselbe Rolle zu übernehmen.

Ergebnis kommt spätestens am 20. Februar

Die Pläne für das Joint-Venture waren bereits im Juli vergangenen Jahres verkündet worden. Allgemein werden sie als Antwort auf eine ähnliche strategische Partnerschaft zwischen Airbus und dem kanadischen Hersteller Bombardier angesehen, die im Oktober 2017 verkündet worden war. Die EU-Kommission hat nun nach eigenen Angaben bis 20. Februar Zeit, um den Zusammenschluss zu prüfen. Die betroffenen Unternehmen können eventuell mit Zugeständnissen die Bedenken ausräumen.

© Embraer, Lesen Sie auch: Embraer-Chef sieht Übernahme durch Boeing auf gutem Kurs

Die USA hatten am Mittwoch im Streit um europäische Staatshilfen für den Flugzeugbauer Airbus Strafzölle auf EU-Importe in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar angekündigt. Zuvor hatte die Welthandelsorganisation (WTO) Washington die Verhängung der Strafzölle genehmigt.

Hintergrund ist der seit rund 15 Jahren andauernde Streit um Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer sowie dessen US-Wettbewerber Boeing. Die WTO dürfte bald auch den Europäern grünes Licht für Strafzölle gegen die USA geben. Die EU bereitet bereits ihre Antwort auf die angekündigten Strafzölle vor.

Von: hr, afp, dpa

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