Erneuter Warnstreik bei Diehl Aviation in Hamburg

Die Mitarbeiter beim Zulieferer Diehl Aviation legen die Arbeit nieder, um gegen den geplanten Personalabbau am Standort Hamburg zu protestieren. Das Unternehmen will Teile der Produktion nach Ungarn auslagern.

Change Room von Diehl Aircabin GmbH © Diehl Aircabin GmbH

Im Streit um die Verlagerung von Arbeitsplätzen bei Diehl Aviation nach Ungarn sind die Fronten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern verhärtet. Für heute hat die Gewerkschaft IG Metall die Hamburger Beschäftigten zu einem Warnstreik aufgerufen. Bereits Ende April hatten Mitarbeiter deshalb die Arbeit zeitweise niedergelegt.

Nach Angaben der Gewerkschaft will Diehl in Hamburg 565 von rund 1100 Arbeitsplätze streichen. Die komplette Serienfertigung von Bordküchen und Waschräumen solle künftig in Ungarn stattfinden. Die Personalkosten liegen dort angeblich bei weniger als der Hälfte der momentanen Kosten.

Das Bekanntwerden dieser Pläne hatte die Hamburger Belegschaft im Oktober überrascht. Denn erst vor drei Jahren hatte Diehl einen Neubau in direkter Nachbarschaft zum Airbus-Werk in Finkenwerder bezogen, was als klares Bekenntnis zum Standort Hamburg gewertet wurde.

Diehl begründet Schritt mit A380-Aus

Diehl begründet den Sparzwang zum einen mit dem Aus für das A380-Programm, bei dem die Firma bisher als Zulieferer eingebunden war. Das wegbrechende Geschäft könne auch nicht durch den neuen Airbus-Langstreckenjet A350 ausgeglichen werden, da Diehl hier als Zulieferer nicht zum Zuge kam.

© Diehl Aircabin, Lesen Sie auch: IG Metall: Zulieferer Diehl will in Hamburg mehr als 500 Stellen streichen

Zum anderen setzt Airbus in seiner Einkaufspolitik auf mehrere Bezugsquellen für Zulieferungen, um sich nicht zu sehr von einem Zulieferer abhängig zu machen. Dies betrifft Diehl jetzt bereits bei der A330-Reihe und dürfte auch beim A320 bevorstehen.

Diehl Aviation ist ein Teilkonzern der Diehl-Gruppe und beschäftigt insgesamt rund 5400 Mitarbeiter, rund 600 im ungarischen Nyírbátor. Zu den Kunden zählt vor allem Airbus, aber ebenso andere Flugzeughersteller wie Boeing, Bombardier und Embraer sowie Fluggesellschaften. Für 2019 hat Diehl den Stellenabbau nun zunächst ausgesetzt. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Von: Fabian Kühne für airliners.de

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