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A320 von Niki. © Niki

Bis Mitternacht können Interessenten an der Air-Berlin-Tochter ein Angebot bei der österreichischen Insolvenzverwalterin Ulla Reisch abgeben. Neben dem spanischen IAG-Billigflieger Vueling werden auch Offerten von anderen Interessenten erwartet. airliners.de gibt einen Überblick.

Als Erster hat beim neuerlichen Bieterverfahren Gründer Andreas Nikolaus "Niki" Lauda seinen Hut in den Ring geworfen. Dies tat er bereits, kurz nachdem das Landgericht Korneuburg in der vergangenen Woche ein Hauptverfahren eröffnet hatte.

Am Freitag bestätigte er gegenüber airliners.de: "Ich werde heute noch die Unterlagen einreichen." Details zum Kaufpreis oder andere Einzelheiten der Offerte wollte er auf Nachfrage nicht nennen.

In dieser Woche wurde ein Brief an die Niki-Mitarbeiter öffentlich, in dem Lauda allen noch rund 1200 Angestellten einen neuen Job verspricht. Nicht nur der Flugbetrieb werde übernommen, sondern auch die Verwaltung und Technik. Die Niki-Belegschaft am Flughafen Wien sprach sich allerdings bereits gegen Lauda aus.

© airliners.de, Karl Born%2

Ebenfalls als Interessent gehandelt wird Tourismus-Carrier Tuifly. Denn über Jahre hinweg hat Tuifly zu sehr attraktiven Konditionen 14 Boeing-Flugzeuge samt Crews an Air Berlin vermietet. Im Zuge der Umstrukturierung in der Air Berlin Group gingen die Verträge komplett an Niki über. Dort hoben zwischen dem Insolvenzantrag der Air Berlin im August 2017 und dem von Niki selbst im Dezember noch sieben Maschinen im Wet-Lease ab.

Da zunächst eine Komplettübernahme von Niki durch Lufthansa inklusive Integration in Eurowings vorgesehen war, dann aber am offensichtlichen Widerstand der EU-Kommission scheiterte, betonte Tuifly-Chef Roland Keppler, dass seine Airline auch ohne Niki für die Kranich-Low-Cost-Plattform abheben werde.

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© AirTeamImages.com, Alun Morris Jones Lesen Sie auch: Tuifly wird auch ohne Niki für Eurowings fliegen

Unklar ist bis zum späten Freitagnachmittag noch, ob Billigflieger Ryanair ein Gebot für Niki abgegeben hat. Auf erneute Anfrage von airliners.de teilte Sprecher Robin Kiely lediglich mit: "Ryanair hat am 15. Januar bestätigt, dass sie Interesse an der Teilnahme am Insolvenzverfahren sowie einem möglichen Kauf von verbleibenden Niki-Vermögenswerten bekundet hat."

Branchenkenner zweifeln aber daran, dass die Iren die Ankündigung wirklich ernst meinen. Immerhin hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary auch gesagt, er wolle Air Berlin komplett kaufen. Später zog er sich aufgrund des laut ihm "unfairen Insolvenzverfahrens" vom Kauf zurück.

Interesse an Niki wird auch der deutschen Thomas-Cook-Tochter Condor nachgesagt. Dort hieß es auf Nachfrage nur: "Keinen Kommentar."

Vueling noch ganz vorn dabei

Die aussichtsreichste Position nimmt nach wie vor Vueling ein. Die IAG-Tochter hatte Ende Dezember angekündigt, dass ihre österreichische Tochter Anisec für 20 Millionen Euro Niki kaufen wolle. Noch einmal 16,5 Millionen Euro sollen in die Sicherung des aktuellen Betriebs fließen. Derzeit fliegt Niki nicht mehr.

Vueling teilte am Freitag mit, dass man nach wie vor an dem Kauf festhalte und bereits mit dem deutschen, vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther und seiner österreichischen Kollegin Ulla Reisch Kontakt aufgenommen habe.

Ursprünglich hatte sich IAG/Vueling aus dem Rennen um Niki zurückgezogen - Experten zufolge aufgrund des anhängigen Tuifly-Deals. Lufthansa bekam den Zuschlag, trat jedoch Mitte Dezember zurück. Niki meldete daraufhin Insolvenz an, und Flöther rief einen "Fire Sale" aus, den Vueling für sich entschied. Auf Antrag des Fluggastrechteportals "Fairplane" hat das österreichische Landgericht Korneuburg vergangene Woche ein Hauptinsolvenzverfahren für Niki eröffnet und Reisch zur Abwicklerin erklärt.

Bereits kommenden Montag (22. Januar) soll der österreichische Gläubigerausschuss nach einer Vorauswahl durch Reisch über die aussichtsreichsten Offerten entscheiden. Ausschlaggebend ist neben der Höhe des Kaufpreises auch, wie viele Arbeitsplätze bei Niki gesichert werden sollen.

Sollte das österreichische Verfahren mit einem anderen Käufer als Vueling (Anisec) enden, wird es kompliziert, denn rein rechtlich gibt es für diesen Fall keine klaren Vorgaben, so der Insolvenzrechtler Jörn Weitzmann im Gespräch mit airliners.de: "Bei Zuständigkeitsstreitigkeiten gilt der Grundsatz der Priorität." Da zuerst ein Vorverfahren in Deutschland eröffnet wurde, ist die Bundesrepublik im Recht. Allerdings, schränkt Weitzmann ein, spreche einiges für Österreich, weil Niki dort nun mal den Mittelpunkt seiner hauptsächlichen Interessen (Comi) hat.

© AirTeam Images, Christian Galliker Lesen Sie auch: "Der Niki-Verkauf an Vueling ist unwirksam" Interview

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