DLR testet Multi-Remote-Tower-Projekt

Die Flugsicherungen wollen zukünftig gleich mehrere kleinere Flughäfen von einem Ort aus kontrollieren. Ein neues Multi-Remote-Tower-Verfahren soll das ermöglichen. Bei Tests in Ungarn ist das DLR jetzt einen wichtigen Schritt vorangekommen.

Der Fluglotse hat drei Flughäfen im Blick. DLR

Das auch vom Deutschen Zentrum von Luft- und Raumfahrt (DLR) vorangetriebene Multi-Remote-Tower-Verfahren hat einen wichtigen Meilenstein für den Einsatz erreicht. Ende April gelang eine sogenannte Schattenvalidierung. Mit dem System sollen in Zukunft mehrere Flughäfen gleichzeitig von einer entfernten Position verwaltet werden. Bisher geht das nur mit einem Flughafen.

Bereits seit Ende 2017 hatte das DLR das Multi-Remote-Tower-Verfahren auf Basis eines Simulators in Braunschweig getestet. Dabei setzten die Forscher ein Frequentis-System mit einer virtuellen Version der Flughäfen Budapest Airport, Pápa Military Airbase und Debrecen Airport ein. Ein einzelner Fluglotse konnte über das Multi-Remote-Tower-Modul diese drei Flughäfen kontrollieren.

Test in einem realen Szenario

Für die Schattenvalidierung wurde nun ebenfalls Ungarn ausgewählt. Zusammen mit weiteren Partnern fanden die Tests in der ungarischen Hauptstadt statt. Dazu wurden Kamerasysteme auf den drei Flughäfen installiert, die zuvor nur simuliert wurden. Ein Fluglotse bekommt laut Mitteilung zudem alle weiteren notwendigen Daten für die Kontrolle eingespeist und kann sich gleichzeitig per Videosignal ein Bild von der Lage des unmittelbaren Luftraums machen. Auch den Funkverkehr konnte der Testarbeitsplatz im Live-Betrieb abhören.

Mit diesem Verfahren konnte laut den Projektpartnern die prinzipielle sichere Funktion des Systems an einem Live-Szenario belegt werden. Tatsächlich genutzt wurde das Multi-Remote-Tower-Modul aber noch nicht. Der Fluglotse konnte nur entsprechend der realen Situationen seine Aufgaben nachspielen und schauen, ob er die Informationen bekommt, die für einen sicheren Betrieb notwendig sind. In verschiedenen Szenarien wurden zudem die unterschiedlichen Arbeitslasten auf den Mitarbeiter getestet.

Das Projekt, dass offiziell den Namen "PJ05 Remote Tower for Multiple Airports" trägt, soll nun noch bis November getestet werden. Dabei sollen notwendige Änderungen bei den Kontrollverfahren erkannt werden. Danach wird der Einsatz in der Praxis vorbereitet. Wann mit der Kommerzialisierung zu rechnen ist, ist noch nicht bekannt.

© Saab Sensis, Lesen Sie auch: Herausforderungen bei der Umsetzung von Remote-Tower-Konzepten Aviation Management

In Deutschland wird bereits Saarbrücken von der Deutschen Flugsicherung ferngesteuert kontrolliert - und zwar von Leipzig aus. Beim Multi-Remote-Tower-Verfahren übernimmt ein speziell ausgebildeter Lotse dagegen die Steuerung gleich mehrerer Flughäfen.

Von: as

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