Digital Passenger (33) Endlich ist Schluss mit Flugzeug-Steckdosen

Unser Digital Passenger hat sich neue Sitze angeschaut und stellt fest: USB-C-Steckdosen sind die bessere Universalstromversorgung im Flugzeug. Jetzt heißt es aber noch: Warten.

Wo ist die USB-C-Buchse? In dem schummrigen Licht war wenig zu erkennen ... © airliners.de / Andreas Sebayang
... Mit dem Blitz wird die Buchse erkennbar. Im Kniebereich ist sie zu finden ... © airliners.de / Andreas Sebayang
... Und da ist sie. 60 Watt per USB reicht für viele Geräte. © airliners.de / Andreas Sebayang

Fluggesellschaften... Da kündigen sie einen äußerst modernen Economy Sitz an, lassen dann aber auf der ITB fast alle technischen Details weg. Nun gut - dass die Luftfahrtbranche anders tickt als die IT habe ich als Digital Passenger schon mitbekommen. Doch was war passiert? Qatar Airways kündigte eine neue Economy-Klasse an.

Was mich in der Mitteilung hellhörig machte, war die Nennung von USB Typ C als USB-Anschluss. Gleichzeitig erfuhr ich von einem Leser, dass USB C auch bei Emirates schon im Einsatz sein soll. Das gefällt mir, fordere ich doch schon im Digital Passenger 3: "USB C für alle!" Die einzig vernünftige universelle Stromversorgung.

© Onair, Lesen Sie auch: Kein Flugzeugsitz ohne Stromanschluss Digital Passenger (3)

Ich ging also während der ITB und per Mail der Frage nach, was die neuen Sitze eigentlich können. Einen Praxis-Test war freilich noch nicht möglich, aber immerhin konnte man die Sitze auf dem Stand von Qatar Airways begutachten. Und was sehen meine Augen? USB Typ C mit einer 60 Watt-Angabe im Fußbereich! Erwähnt sei noch der USB-A-Anschluss direkt unter dem 13,3-Zoll-Display.

Das ist wirklich universell. Damit lassen sich größere Smartphones schnell aufladen, Nintendos Switch macht auch keine Probleme und für zahlreiche moderne Notebooks ist das auch mehr als genug. Man könnte sogar noch ein sekundäres USB-Display dazwischen schalten, sofern der Nachbarsitz frei bleibt. USB-C-Energieversorgungsketten sind durchaus erlaubt.

Bei Emirates sieht es ähnlich gut aus, auch wenn mir die Erfahrung im Sitz fehlt. Die technischen Daten sprechen jedenfalls dafür. Auf Nachfrage hieß es, auch die Emirates-USB-C-Buchsen können Power Delivery. Auf die Frage nach der Wattzahl habe ich allerdings einen Ampere-Wert bekommen. Drei Ampere schaffen die Buchsen. Nun erlaubt USB Power Delivery höhere Spannungen. Ich gehe also davon aus, dass hier auch 20 Volt zwischen einem Notebook und der Buchse ausgehandelt werden können. Da wären wir auch bei 60 Watt. Nur auf fünf Volt beschränkt wären es nur 15 Watt, was kein Power Delivery braucht, das kann USB Typ C ohne Aushandlung schon.

Jetzt heißt es erstmal: Warten...

Aber nun die schlechte Nachricht. Die Luftfahrtbranche ist nun einmal behäbig. Qatar Airways fängt zunächst nur mit der A321neo an. Über einen Zeitraum von fast einem Jahrzehnt wird die gesamte Economy-Flotte aktualisiert. Das ist nachvollziehbar, schließlich sollen aus nagelneuen A350-1000 nicht gleich die Economy-Sitze wieder ausgebaut werden. Das wäre eine unglaubliche Ressourcen-Verschwendung. USB C ist bei Qatar damit erst einmal ein Mittelstreckenthema.

Bei Emirates ist hingegen die Langstrecke im Fokus. Aber: es sind bisher nur neun Maschinen des Typ Boeing 777 mit USB Typ C ausgerüstet. Immerhin: Alle Neulieferungen sollen aber ebenfalls mit USB Typ C ausgestattet werden.

Bleiben aber immer noch offene Fragen: Halten die USB-C-Buchsen auch? Der Fußraum bei Qatar macht mir etwas Sorgen, vor allem bei der typisch engen Bestuhlung in der 777. Auf der anderen Seite sind diese Multinorm-Steckdosen in meinen Augen die schlechtere Wahl. Unsere Eurostecker wackeln darin sehr gerne. US-Typ-A-Stromstecker sind an sich unheimlich. Und die im vereinigten Königreich verwendeten Typ-G-Stecker gigantische Brocken. Das in einer Buchse - kann nur ausfallen und meiner Erfahrung nach fallen die Dinger ständig aus. Manchmal reicht auch eine Turbulenz und der Stecker fällt raus. Von Problemen mit unterschiedlichen Spannungen wollen wir gar nicht reden. Normale Stromanschlüsse waren nie für Weltreisen gedacht.

Immerhin: So langsam aber sicher ersetzt die USB-Steckdose als neue Universalstromversorgung diese lästigen, ständig kaputten Multinorm-Steckdosen. Da macht das Arbeiten im Flieger doch gleich noch mehr Spaß.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: as

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