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"Emotional Support Animals" müssen auf US-Flügen nicht mehr akzeptiert werden

Eine Neuregelung des US-Verkehrsministeriums ermöglicht es Fluggesellschaften, sogenannte "Service Animals" genauer zu definieren. Tiere zur reinen "emotionalen Unterstützung" können damit aus den Kabinen verbannt werden. Fluggesellschaften wie American Airlines hatten zuvor Missbrauch bemängelt.

Ein Hund in einem Flugzeug. © dpa / Julio Cortez/AP

Ein Affe, eine Katze oder auch ein Schwein als emotionale Unterstützung für einen Passagier in der Flugzeugkabine? Die Mitnahme solcher Tiere an Bord war auf Flügen in die USA bislang nach gesetzlichen Bestimmungen kostenfrei möglich - damit ist nach einer Neuregelung des Verkehrsministeriums aber nun Schluss.

Das Ministerium veröffentlichte dazu im Dezember neue Richtlinien, nach deren Inkrafttreten zum Jahresanfang Fluggesellschaften nur noch speziell ausgebildete Hunde als sogenannte "Diensttiere" akzeptieren müssen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Blindenhunde.

"Diese endgültige Regelung definiert ein Diensttier als einen Hund, unabhängig von Rasse oder Art, der individuell ausgebildet wurde, um Arbeiten oder Aufgaben zum Nutzen einer berechtigten Person mit einer Behinderung auszuführen", heißt es in der Mitteilung des Ministeriums.

Andere Tiere, die von Passagieren zur "emotionalen Unterstützung" mit an Bord genommen würden, dürften von den Fluggesellschaften künftig als "Haustiere" eingestuft werden. Damit wird die Mitnahme dieser Tiere kostenpflichtig.

Erste Fluggesellschaften passen Regeln zur Mitnahme an

Als erste große US-Fluggesellschaft wird American Airlines "Service Animals" aus den Kabinen verbannen, schreibt jetzt "CNN". Ab dem 1. Februar können Amerikaner nur noch Hunde als Begleittiere bei der Airline registrieren und autorisieren lassen. Dabei erfasst American die Ausbildung und den gesundheitlichen Nutzen. Zudem werden die Impfungen des Tieres abgefragt. Die Zulassung gilt den Angaben nach für ein Jahr oder bis zum Ablauf vorgeschriebener Impfungen. Zuvor hatte bereits Alaska Airlines angekündigt, "Service Animals" entsprechend der neuen Verordnung einzustufen.

Die im weltweiten Vergleich doch recht seltsamen US-Regelungen zur kostenfreien Beförderung von Begleittieren an Bord hatten zuvor auch in Europa zu Problemen geführt. Schon vor der Neuregelung in den USA war es innerhalb Europas verboten, diese Tiere in der Kabine mitzuführen, etwa auf Umsteigerflügen. Stattdessen galten auf für Anschlussflüge die Regelungen und Gebühren der Fluggesellschaften nach den PETC- oder AVIH/L Standards. Erlaubt waren die Tiere aber auf den Flügen von Europa in die USA und umgekehrt.

Hintergrund ist eine umstrittene Regelung des Verkehrsministeriums aus dem Jahr 2003. Das Ministerium stellte damals klar, dass zu den Diensttieren (Service Animals) auch Tiere gehören, die nicht für eine besondere Aufgabe ausgebildet sind: sogenannte "Emotional Support Animals". Sie sollen ihre Besitzer, die beispielsweise unter Angstattacken oder Depressionen leiden, durch ihre Anwesenheit in der Kabine emotional stützen. Voraussetzung ist bislang die Bescheinigung eines Arztes oder Psychologen, dass der oder die Betroffene aus psychologischen Gründen auf das Tier angewiesen ist.

Betrugsverdacht rund um "Emotional Support Animals"

Fluggesellschaften prangerten jedoch Missbrauch an und äußerten den Verdacht, dass Halter Haustiere umdeklarierten, um sie kostenlos an Bord mitnehmen zu können. Welche Arten zu den Emotional Support Animals zählen, wurde 2003 nicht definiert. Das Verkehrsministerium legte damals nur fest, dass "unübliche Service Animals", die ein Sicherheits- oder Gesundheitsrisiko darstellten, nicht transportiert werden müssen.

"Schlangen und andere Reptilien, Frettchen, Nagetiere und Spinnen fallen sicherlich in diese Kategorie von Tieren", hieß es. Ansonsten müsse im Einzelfall entschieden werden - auch unter Berücksichtigung von Gewicht und Größe des Tieres. Immer wieder machten danach skurrile Vorfälle mit Tieren in den USA Schlagzeilen, die man gemeinhin nicht mit auf Reisen nimmt. So verweigerte beispielsweise die Fluglinie United im Februar 2018 einem Pfau das Boarding, weil die Airline ihn für zu schwer und zu groß befand.

Auch Miniaturpferde sind künftig nicht mehr an Bord zugelassen. Sie könnten sich anders als beispielsweise Hunde nicht im Fußraum zusammenrollen, heißt es in der Neuregelung unter anderem. Als Assistenztiere kommen Miniaturpferde etwa bei sehbehinderten Menschen zum Einsatz, die Hunde aus religiösen Gründen ablehnen oder gegen sie allergisch sind.

Von: dh mit dpa

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