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Einspruchsfrist gegen PFC-Lager für Terminal-3-Aushub in Frankfurt endet

Der Bau des Terminal 3 im Süden des Frankfurter Flughafens läuft nach Plan. Betreiber Fraport ist zufrieden, braucht aber für die belastete Erde ein Zwischenlager. Für das Genehmigungsverfahren endet jetzt die Einspruchsfrist.

Hier entsteht das neue Terminal 3 am Flughafen Frankfurt. © Fraport

Im Süden des Frankfurter Flughafens entsteht in einem riesigen Bauprojekt das Terminal 3 des größten deutschen Airports für bis zu 25 Millionen Passagiere jährlich. Während einige Parteien und die Unternehmerverbände den Ausbau des Flughafens als Wachstumsmotor begrüßen, sehen Gegner nicht nur die kommenden zusätzlichen Flugbewegungen und den Lärm kritisch.

Bei dem Bauvorhaben fallen immense Mengen von mit polyfluorierten Chemikalien (PFC) verseuchter Erde an. Der Flughafenbetreiber Fraport hat hierfür sicherheitshalber schon einmal ein zeitlich begrenztes Zwischenlager auf dem Areal beantragt. An diesem Freitag (6. März) endet im Genehmigungsverfahren die Einspruchsfrist für die Halde.

Das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt startete am Jahresanfang das Genehmigungsverfahren für den 5-jährigen Betrieb eines Lagers für rund 600 000 Kubikmeter PFC-haltiges Material. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung müsse hierfür nicht gemacht werden. Die PFC-Belastung kommt höchstwahrscheinlich vom Einsatz von Feuerlöschschäumen auf dem ehemaligen Gebiet der Rhein-Main-Air-Base. Deponien für derart belastetes Material seien in Deutschland stark limitiert. PFC sind im Boden nicht abbaubar, können Nahrung und Trinkwasser verunreinigen und gelten als gesundheitsschädlich.

"Wir sind weiter mit Hochdruck daran, dass wir Deponien finden", sagte die Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport, Iris Becker. Erste Verträge seien bereits unterzeichnet, allerdings sei es schwierig, freie Deponiekapazitäten zu finden. "Primäres Ziel ist, dass wir kein Zwischenlager benötigen." Der Bau des neuen Terminals sei im Plan. Der Erdaushub lagere derzeit in der Nähe der Baustelle. Fraport rechnet insgesamt mit rund 1,2 Millionen Kubikmetern, von denen die Hälfte PFC-belastet ist.

Gegner des Flughafenausbaus und der Deponie für den Erdaushub sehen allerdings die Gefahr, dass aus einem Zwischenlager ein Dauerlager wird. So legte der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) eine Einwendung gegen eine mögliche Genehmigung ein und forderte eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Nötig sei eine vollständige und rechtsverbindliche Lösung und nicht Stückwerk. Es müsse gewährleistet sein, dass künftig weder die Umwelt noch Menschen geschädigt werden könnten. Die PFC-Belastung der Böden hätte bereits im 2007 abgeschlossenen Planfeststellungsverfahren und im späteren Baugenehmigungsverfahren ermittelt werden können.

Das geplante Zwischenlager soll in unmittelbarer Nachbarschaft der Gemeinde Mörfelden-Walldorf im Kreis Groß-Gerau entstehen. Der Kreis zeigte Anfang Februar die Fraport AG wegen illegaler Ablagerung von Bodenaushub an. Das ausgehobene Material mit einer hohen Schadstoffbelastung werde derzeit in einer Weise gelagert, die formell und materiell nicht den Anforderungen des Grundwasserschutzes und des Abfallrechtes entspreche, teilte der Kreis damals mit. Eine ordnungsgemäße Zwischenlagerung sei auf dem Areal zwar geplant. Doch geht auch der Kreis davon aus, dass das Material ohne entschlossenes Handeln lange am Standort lagern wird. Bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt wird die Anzeige geprüft. Ein offizielles Ermittlungsverfahren gibt es nach Angaben der Sprecherin Nadja Niesen bislang nicht.

Die Landesregierung sieht indes keine Gefahr. "Von erheblichen Umweltauswirkungen ist demnach nicht auszugehen", heißt es in einer Antwort von Hessens Umweltministerin Priska Hinz( Grüne) auf eine Kleine Anfrage der AfD. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nach gesetzlichen Vorgaben nicht nötig. Fehler bei den Behörden sieht aber die Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf. "Wir vermissen da etliches, es ist nicht klar gesagt worden, was es da noch an Altlasten gibt", sagte Sprecherin Petra Schmidt. Auch sie befürchtet, dass im Zuge einer Genehmigung aus einem Zwischenlager schnell eine langfristigere Lagerung werden könnte. "Es ist einfach politisch nicht gewünscht, dass diesem Flughafen irgendetwas entgegengesetzt wird und dementsprechend reagieren auch die Behörden."

Dem Regierungspräsidium zufolge sind bislang rund 50 Einwendungen von Privatleuten eingegangen. Hinzu kommen Kommunen, Bürgerinitiativen und Umweltverbände. Sie würden sich alle vor allem um diese Aspekte Boden und Grundwasser drehen. Erörtert werden sollen sie für zwei Tage ab dem 29. April.

Von: dpa

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