Treffen mit Thiele: Scholz verteidigt Lufthansa-Rettungspaket

Die Bundesregierung lobt das von Großaktionär Thiele scharf kritisierte Lufthansa-Rettungspaket. Nach einem Treffen ist zudem offen, ob sich Konzern und Arbeitnehmer noch vor der entscheidenden Hauptversammlung einigen können.

Finanzminister Olaf Scholz im Bundestag. © Deutscher Bundestag

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Vertreter der Lufthansa sind am Montagvormittag mit dem kritischen Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele zusammengetroffen, um über das Rettungspaket für die Airline zu sprechen. Das verlautete am Montag aus Kreisen in Berlin.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur "Reuters" nahm an dem rund eineinhalbstündigen Treffen am Vormittag auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr teil. Alle Seiten hätten ihre Positionen dargelegt, sagte ein Insider. "Wir hatten ein freundliches Gespräch", sagte Scholz.

Bundesregierung, Lufthansa und Thiele wollte das Treffen nicht weiter kommentieren; ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, zu laufenden Verfahren gebe es keine Stellungnahme. Finanzminister Scholz habe jedoch deutlich gemacht, dass der Bund ein "gutes Angebot" vorgelegt habe.

Altmaier sagte, über das Gespräch sei Vertraulichkeit vereinbart worden, das sei aktienrechtlich auch notwendig. Der Bund habe ein "gutes Konzept" erarbeitet, das dazu beitragen könne, viele zehntausend Arbeitsplätze zu erhalten. "Alles andere ist Sache der Hauptversammlung."

Thiele, der nach jüngsten Angaben gut 15 Prozent der Anteile an Deutschlands größter Fluggesellschaft hält, sieht vor allem die vorgesehene Beteiligung des Bundes an der Fluggesellschaft mit bis zu 20 Prozent kritisch und hatte Nachverhandlungen gefordert.

Furcht vor Insolvenz

Bereits vor dem Treffen hatte Scholz das staatliche Rettungspaket für die Lufthansa gegen Kritik verteidigt. "Wir hatten eine sehr gute Diskussion mit dem Lufthansa-Management und haben einen sehr guten Plan entwickelt, über den es auch Einigung mit Brüssel gibt", sagte Scholz bei einer Konferenz in Frankfurt, zu der sich der Minister per Video aus Berlin zuschaltete. "Der Plan ist wohlüberlegt."

Angesichts von Thieles Einfluss ist aber weiterhin unsicher, ob der milliardenschwere Rettungsplan an diesem Donnerstag (25.6.) bei der außerordentlichen Lufthansa-Hauptversammlung die erforderliche Mehrheit bekommt. Die Lufthansa fürchtet wegen einer niedrigen Aktionärspräsenz einen ungewissen Ausgang bis hin zu einer Insolvenzlösung.

Die Aktien der Lufthansa sind am Montag wegen Zweifeln an einer erfolgreichen Rettung der Airline wieder stark unter Druck geraten. Sorgen um das Rettungspaket drückten die Anteile des Dax-Absteigers um fast neun Prozent auf 9,28 Euro - erholte sich aber zum Abend hin wieder leicht.

Heftige Verluste während des Corona-Crashs hatten dazu geführt, dass die Papiere ihren Platz im deutschen Leitindex räumen mussten und seit diesem Montag dem MDax der mittelgroßen Werte angehören.

© Adobe Stock, Lukas Wunderlich Lesen Sie auch: Woche der Entscheidung für Lufthansa

"Die Lufthansa ist vor der Krise ein sehr erfolgreiches Unternehmen gewesen", sagte Scholz. Es gehe nun darum, dass die Fluggesellschaft die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise überlebe, um danach wieder eine erfolgreiche Airline zu sein.

11.000 Stellen in Deustchland sollen wegfallen

Unterdessen geht das Ringen um Einsparungen beim Personal weiter. Unternehmen und Gewerkschaftsvertreter bestätigten in Frankfurt die Fortsetzung der Verhandlungen, wollten aber keinen Zeitpunkt für eine mögliche Einigung mehr nennen. Ursprünglich war dieser Montag als Termin avisiert worden, um die Ergebnisse noch vor der für Donnerstag angesetzten außerordentlichen Hauptversammlung (25. Juni) präsentieren zu können.

Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern hatte wegen der dauerhaft sinkenden Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle und der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen. Beteiligt sind die Gewerkschaften Verdi, Ufo und Vereinigung Cockpit, die bereits verschiedene Sparvorschläge unterbreitet haben.

Der Konzernumbau trifft auch die Töchter im In- und Ausland. Der Flugbetrieb von Germanwings wird nicht wiederaufgenommen, wie Lufthansa bereits mitgeteilt hatte. Eurowings verringert den Angaben zufolge die Personalkapazität in der Verwaltung um 30 Prozent und streicht dafür 300 Stellen. Bei Austrian Airlines gibt es aufgrund der Flottenverkleinerung einen Personalüberhang von 1100 Stellen. Brussels Airlines wird ihre Kapazitäten um 1000 Stellen reduzieren, bei Lufthansa Cargo sind es 500 Stellen.

Von: dk, dh mit dpa, AFP

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