Reportage Die Luxus-Jets der VIPs

Lufthansa Technik bietet neben Dienstleistungen im Bereich MRO auch Umbauten an, durch die ein Jet zur VIP-Maschine wird. airliners.de bietet einen Einblick in die Wünsche der Superreichen.

Eine Animation eines Airbus A320 in Ausstattung. © Lufthansa Technik

"Wir sind die Kirsche auf der Sahne", sagt Wieland Timm. Der 54-jährige ist Senior Director Sales im Bereich "VIP & Special Mission Aircraft". Rund 300 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet dieser Bereich jährlich und trägt damit nur wenig zu den sieben Milliarden Euro Gesamtumsatz im Lufthansa-Technik-Konzern bei. Der ideelle Wert dieses Bereiches ist allerdings hoch, so Timm im Gespräch mit airliners.de.

Badewanne, Whirlpool oder auch ein offener Kamin sind einige der wenigen Wünsche, die Lufthansa Technik ihren superreichen Kunden nicht erfüllen kann. Denn offenes Wasser und Feuer sind an Bord aus Sicherheitsgründen strengstens verboten. Auch wenn sich Kunden auf ganz bestimmte Materialien festlegen, kann dies schwierig werden: "Manche Kunden zeigen uns die Handtasche ihrer Frau und wollen, dass wir dieses eine bestimmte Leder nehmen. Aber weil wir das Material zertifizieren lassen müssen und es hierfür besondere Eigenschaften wie Feuerfestigkeit erfüllen muss, klappt das nicht immer. Wir können allerdings ein Material herstellen lassen, dass optisch dem Original sehr nahekommt."

Auch wenn ein Kunde beispielsweise genau dieselbe Lackfarbe von seinem Rolls-Royce auch fürs Flugzeug haben möchte, muss Timm seinen Kunden sagen, dass dies leider nicht klappt. Die Originalfarbe würde aufgrund der hohen Temperatur- und Druckunterschiede reißen. Doch sehr vieles ist möglich, auch wenn die Realisierung des Wunsches vielleicht erstmal als unwahrscheinlich gilt.

Eine teure Angelegenheit

Wenn sich Kunden ein Flugzeug zum VIP-Jet umbauen lassen möchten, funktioniert das ein bisschen wie beim Hausbau, sagt Timm: "Mein Team und ich wissen, wie wir mit unseren Kunden am besten umgehen. Denn das, was die sich wünschen, geht per se oft nicht. Bei unserem Job geht es erstmal ums Zuhören. Darum, die Bedürfnisse und Erwartungen zu ermitteln, und dann zu schauen, wie wir diese am besten erfüllen können." Das VIP-Geschäft ist eine sehr verschwiegene Angelegenheit. Namen von Kunden werden geheim gehalten. Selbst einige der Lufthansa-Technik-Mitarbeiter, die mit dem Projekt betraut sind, wissen nicht, wer hinter dem Auftrag steckt.

"Einfach reich zu sein, ist nicht reich genug. Um bei uns Kunde zu werden, muss man steinreich sein." Wer sich beispielsweise einen neuen A320 als VIP-Jet leisten will, muss dafür locker 150 Millionen Dollar ausgeben. Und wer es richtig exklusiv haben will, muss circa eine halbe Milliarde Dollar investieren: Rund 250 Millionen für den Kauf einer Boeing 747 und nochmal dieselbe Summe für den Umbau des Fliegers – das sind allerdings grobe Schätzwerte, die je nach Kundenanforderungen variieren können. Und die Kosten für den Betrieb des Flugzeugs sind da ja noch gar nicht eingerechnet. "Wir bedienen hier das absolute High-End-Segment", betont Timm.

Innovationskraft im VIP-Bereich

Dass Geld hier oftmals keine Rolle spielt, hat für Lufthansa Technik einen unschätzbaren Wert: "Viele Innovationen werden häufig in VIP-Flugzeugen zuerst eingebaut, weil die Kunden sich eben etwas Spezielles wünschen." Als ein Beispiel nennt Timm hier Internet an Bord. Immer mehr Airlines rüsten mittlerweile ihre Maschinen mit WiFi nach. Dass die technische Realisierung eigentlich durch den Wunsch eines Kunden nach einer weltweit verfügbaren Breitbandverbindung in Angriff genommen wurde, wissen die wenigsten. Auch moderne Sitze, die sich per Knopfdruck zu komfortablen Betten umwandeln lassen, wurden aufgrund eines VIP-Kundenwunsches entwickelt. Einige der Innovationen finden anschließend Einzug in die Passagiermaschinen. "Diese Innovationskraft ist der eigentliche Wert dieses Bereichs", so Timm.

Momentan arbeitet Lufthansa Technik daran, eine Kochstelle in die Flugzeug-Pantry zu integrieren. Eigentlich wird an Bord ja nur aufgewärmtes Essen serviert. Weil ein Kunde sich aber ein frisch zubereitetes Omelette mit Bacon wünscht, tüfteln die Lufthansa-Ingenieure an einer flugsicheren Koch-Lösung, die von der EASA zertifiziert werden kann. Reales Kochen wie zuhause soll möglich werden. Und es ist durchaus denkbar, dass eine solche Showcooking-Lösung später auch in einigen First-Class-Kabinen Einzug hält.

Boeing 747 als Dauerbrenner

Es gibt kaum ein Muster von Airbus oder Boeing, das noch nicht bei Lufthansa Technik zum VIP-Jet umgebaut worden wäre. Sehr häufig stehen Maschinen vom Typ Boeing 747 in den Werkshallen. "Die, die zeigen wollen, dass sie Geld haben und sehr großen Platzbedarf, haben eigentlich alle eine 747", sagt Timm. Wer nicht ganz so viel Geld für ein Flugzeug ausgeben kann oder möchte, nutzt einen Airbus ACJ vom Typ A320 bzw. einen Boeing BBJ vom Typ 737, die ja trotz ihrer geringeren Größe durch integrierte Zusatztanks eine hohe Reichweite haben.

Die meisten Kunden kommen aus dem arabischen Raum, aber auch Russland und China sind aufstrebende Märkte. Namen von deutschen Milliardären finden sich übrigens keine in der VIP-Kundenliste von Lufthansa Technik.

Ähnliche Raumaufteilung in der VIP-Kabine

Mit der Größe des Jets variiert auch die Anzahl der Räume, in die die Kabine unterteilt wird. Auch wenn sich die Auswahl der Materialien und das grundlegende Design voneinander unterscheiden, ist der Aufbau etwa einer Boeing 747 doch relativ ähnlich: Es gibt ein Wohnzimmer, ein Speisezimmer, ein Fernseh- beziehungsweise Kinozimmer, Badezimmer, Ankleidezimmer, Schlafzimmer sowie ein Gästezimmer. Gerade für jüngere Kunden ist mittlerweile ein Gaming-Zimmer unerlässlich. Manche Flugzeugeigner wünschen sich auch ein separates Büro.

Ein Schlafzimmer in einem VIP-Jet. Foto: © Lufthansa Technik

Darüber hinaus gibt es Bereiche für das Personal, denn Butler, Nannys und Bodyguards sind stets dabei. Insbesondere wenn einige Familienmitglieder älter oder krank sind, sind die Maschinen auch mit einer Patienten-Transport- und Versorgungseinheit ausgestattet. Kranke können auf diesem Wege ohne Umbetten aus der Wohnung bzw. dem Krankenhaus in den Flieger und anschließend zur Weiterbehandlung in ein anderes Krankenhaus gebracht werden.

Schwer zu erfüllende Kundenwünsche

Viele Kundenwünsche klingen gar nicht so exklusiv, sind aber dennoch nicht leicht zu erfüllen: Ein Kunde wollte im Bad unbedingt ein Glaswaschbecken installiert bekommen. Da Glas aufgrund der Bruchgefahr nicht ohne Weiteres in einem Flugzeug verbaut werden darf, haben die Lufthansa-Technik-Ingenieure ein Spezialverfahren entwickelt, mit dem sie das Glas vor dem Einbau behandelt haben.

Einige Kunden aus dem arabischen Raum möchten eine der dort sehr beliebten Pferde-Skulpturen eingebaut bekommen. Dies ist allerdings nur durch spezielle Verankerungs- und Fangvorrichtungen möglich. Ein weiterer Kunde wollte unbedingt mit Fischhaut bezogene Stühle in seinem Flugzeug haben. Das Material musste dahingehend bearbeitet werden, dass die Brandvorschriften eingehalten werden.

Schon in der Akquisitionsphase sind die Mitarbeiter von Lufthansa Technik im engen Kontakt zur EASA, die alle Extra-Einbauten genehmigen muss. So wird schon frühzeitig klar, welche Wünsche auf gar keinen Fall erfüllt werden können bzw. welche Widerstände der Realisierung noch im Weg stehen und wofür die Ingenieure eine Lösung finden müssen. Fast ein Drittel aller aufgewendeten Engineering-Stunden werden dazu benutzt, eine EASA-Zulassung zu erwerben. Hierfür sind zahlreiche Tests und Abnahmen erforderlich.

Wunsch nach Individualität und Natürlichkeit

Der Trend beim VIP-Kabinendesign geht in Richtung Natürlichkeit, so Timm: "Viele gerade jüngere Kunden möchten nicht wie früher eine pompöse Ausstattung, die sich an Luxusmarken wie Hermès oder Prada anlehnt. Sondern es gibt einen wahnsinnigen Trend hin zur Natur im Kabinendesign. Dies beinhaltet die Verwendung natürlich wirkender Farben und das Kreieren einer Atmosphäre, die an einen Garten erinnert."

Technische Unterhaltungsangebote unterstützen diesen Trend hin zur Natürlichkeit: So können Oled-Monitore an der Decke das Bild ziehender Wolken simulieren. Riesige Bildschirme zeigen das Echtzeitbild einer an der Außenseite des Flugzeugs angebrachten Panoramakamera, sodass man das Gefühl hat, durch große Fenster nach draußen zu schauen.

Das jüngere Kundensegment macht sich frei von den Gewohnheiten älterer Kunden: So legen einige gar keinen großen Wert mehr darauf, beispielsweise in einem BBJ vom Typ 737 einen eigenen Schlafbereich zu haben. Ihnen ist es wichtiger, mit Freunden an Bord Spaß zu haben und Party zu machen. "Sie wollen sich fühlen wie im Nikki Beach Club an der Côte D’Azur. Wer müde wird, baut das loungige Sofa per Knopfdruck dann einfach zum komfortablen Schlafsofa um."

Technischer Fortschritt als Herausforderung für den VIP-Bereich

Der 3D-Druck hält – wie in vielen Bereichen des Flugzeugbaus – auch beim VIP-Kabinen-Umbau Einzug. Werden momentan noch die meisten Möbel aus Honeycomb-Sandwich-Platten gebaut, die gesägt, furniert und zusammengeklebt werden müssen, so kommen Teile der VIP-Kabinen der Zukunft per Knopfdruck aus dem Drucker. Problematisch, zumindest für den VIP-Bereich, ist der Trend hin zu mehr effizienteren Triebwerken und Materialien.

Timm: "Flugzeuge werden total darauf getrimmt, möglichst effizient Leute von A nach B zu fliegen. Da kommt es auf jeden Liter Kraftstoff an. Wenn unser Kunde sich eine Disco mit aufwändiger Sound- und Lichtanlage an Bord wünscht, reicht der Strom dafür aber nicht mehr, weil die Generatoren an den Triebwerken einfach zu wenig Energie produzieren. Das ist dann schon echt eine Herausforderung, hierfür eine Lösung zu finden."

Auch die zunehmende Verwendung von Karbon anstatt Metall ist für den Umbau von Maschinen eher herausfordernd, weil die Mechaniker jetzt nicht ohne weiteres Befestigungen von Kabinenelementen an den Rumpfverstärkungen vornehmen können. Stattdessen müssen Klemmvorrichtungen eingesetzt werden, was einen Nachteil gegenüber der bisherigen Methode darstellt.

Wenig Konkurrenzdruck für Lufthansa Technik

Den Wettbewerb fürchtet Wieland Timm nicht. "Nur wir bieten Kunden das Komplettpaket, von der Auswahl, dem Kauf der Flugzeuge, über den Umbau bis hin zur lebenslangen Wartung an." Die Zukunft wird zeigen, welche weiteren Innovationen aus dem VIP-Bereich ihren Weg in die Linienflieger finden. Das Glaswaschbecken und die mit Fischhaut bezogenen Stühle werden es mit größter Wahrscheinlichkeit nicht sein.

Von: Fabian Kühne für airliners.de

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