Literaturtipp Ein Insider gewährt Einblicke hinter die Kulissen des Hauptstadtflughafens

In seinem Buch "Der Hauptstadtflughafen" blickt Autor Matthias Roth auf seine Zeit bei der Betreibergesellschaft des BER zurück. 18 Monate war er für das Unternehmen tätig, ehe er das Handtuch warf.

\"Der Hauptstadtflughafen\" von Matthias Roth ist jetzt im Verlag zu Klampen erschienen. Verlag

„Ich stehe im Schneeregen, es ist dunkel, es ist kalt, es ist feucht. Es ist großartig.“ Mit diesen Worten endet „Der Hauptstadtflughafen“ von Matthias Roth. Es ist ein Fazit und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft gleichermaßen. 18 Monate war der Autor im Controlling der Berliner Flughafenbetreibergesellschaft in Berlin-Schönefeld tätig. Auf diese Zeit blickt er nun in seinem Buch zurück. Tagebuchartig chronologisch aufgeschrieben lässt er den Leser an seinen Erinnerungen teilhaben. Und was er erlebt hat, wirft ein Licht auf die Abläufe hinter den Kulissen des Airports: es geht um geschönte Berichte, unterforderte und gelangweilte Mitarbeiter, folgenlose Meetings und nicht eingehaltene Termine, für die sich niemand so recht interessiert.

„Die Aufzeichnungen habe ich meistens abends geschrieben, aber nicht um daraus ein Buch zu schreiben, sondern um die Arbeitstage für mich abzuschließen und die Ereignisse begreifbarer zu machen“, erklärte Matthias Roth gegenüber airliners.de. Die Idee mit dem Buch sei ihm gekommen, als er nach der der kurzfristigen Verschiebung der BER-Eröffnung diese Aufzeichnungen durchgesehen habe. „Insbesondere weil damals die Frage gestellt wurde, wie eine so kurzfristige Absage bei einem so großen Projekt und in einem so weit entwickeltem Land überhaupt möglich ist.“

„Politik und Missmanagement. Ein Insider berichtet“, lautet der Untertitel des knapp 170-seitigen Erfahrungsberichts, in lakonischer Art erzählt Roth in Ich-Form von seinen Erlebnissen. Spektakulär ist das selten, spannend aber allemal. Denn das Buch ist auch ein Lehrstück darüber, was bei Großvorhaben wie eben dem neuen Hauptstadtflughafen durch abgeschobene Verantwortlichkeiten, aufgebauschte Kleinigkeiten und mangelnde Mitarbeitermotivation alles falsch laufen kann.

Diese Interpretation ist aus Sicht des Autors zwar erlaubt, aber nicht gewollt. Er könne nicht für die anderen im Zusammenhang mit dem BER oft genannten Projekte sprechen, so Matthias Roth. „Ich glaube aber, dass in der politischen Ausrichtung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH einige Probleme ihren Ursprung haben. Das beginnt sicher bei der Frage, ob Politiker die Zeit und die Kompetenz haben, große Unternehmen zu überwachen.“

Eines gelte aber: Beim Thema "Boreout" – hervorgerufen durch dauerhafte Unterforderung im Job - sei das Buch gut übertragbar. „Ich bekomme viele Rückmeldungen von Menschen, die beruflich nicht ausgelastet sind, unter der Situation leiden, mit niemandem darüber sprechen mögen und sich in dem Buch wiedererkennen.“

Im Buch wiederzuerkennen sind indirekt einige der für den BER Verantwortlichen. Auch wenn ein Hinweis betont, dass die beschriebenen Personen so nicht existieren, ist leicht herauszufinden, wer sich hinter dem „Nummer 1“ genannten Geschäftsführer verbirgt. Allerdings können sie damit offensichtlich leben: Bislang habe sich noch niemand bei ihm gemeldet, so Roth.

Er selbst würde die Stelle beim BER - oder anderenorts - heute nicht mehr annehmen, wenn er wissen würde, dass es nichts zu tun gibt. Doch es gehe immer auch um mehr, „um die Summe aller Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken.“ Diese Dinge hätten keinen Einfluss darauf, sich für oder gegen eine Stelle zu entscheiden - hätten aber später das meiste Gewicht: „Ohne den Flughafen wäre ich heute ein anderer Mensch an einem anderen Ort.“

Matthias Roth
Der Hauptstadtflughafen: Politik und Missmanagement. Ein Insider berichtet

Hardcover, 176 Seiten
zu Klampen Verlag

13,99 Euro
Bei Amazon unter: Der Hauptstadtflughafen: Politik und Missmanagement. Ein Insider berichtet (Affiliate-Link)

Über den Autor

Matthias Roth, Jahrgang 1974, studierte nach dem Abitur und einer Bankausbildung Wirtschaftsingenieur- wesen und arbeitete anschließend insgesamt sieben Jahre bei einem Transportunternehmen und einem Energieversorger im Bereich Finanzen als Controller und Risikomanager. Im Juli 2010 trat er eine Stelle als Controller bei der Betreibergesellschaft der Berliner Flughäfen an, wo er 18 Monate blieb. Er verließ das Unternehmen im Dezember 2011, sechs Monate vor der geplatzten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER. Seit Januar 2012 lebt Roth in den USA und arbeitet in einem Unternehmen, dass er selbst vor etwas über einem Jahr gegruendet hat. Die Entwicklungen am BER verfolgt er weiter über Presseberichte im Internet - aus reinem Privatinteresse. 

Von: airliners.de

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