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Der Blick der Branche: Gemeinsam für ein besseres Klima

Die Interessenvertreter der deutschen Luftfahrtbranche lassen die aus ihrer Sicht wichtigsten Themen 2019 auf airliners.de noch einmal Revue passieren und zeigen ihre Vorhaben und Wünsche zu Beginn des neuen Jahrzehnts auf.

Für viele eine entscheidende Frage: Was kommt in Zukunft in die Tanks? © Adobe Stock Nr.: 256231884

2019 war ein bewegendes Jahr für die deutsche Luftfahrt. Boeing-Krise, Brexit-Unsicherheit und die Pleiten von Germania und Thomas Cook haben ihre Spuren hinterlassen. Doch vor allem die Grundsatzdebatte um Klima- und Umweltauswirkungen der Fliegerei und die im Klimapaket beschlossenen gesetzlichen Vorhaben haben die Gemüter bewegt. Das sieht man auch in den Statements, die die wichtigsten Interessenvertreter der Branche für airliners.de zum Jahresende abgegeben haben.

Mathias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)

Matthias von Randow. Foto: © BDL

"Angesichts der weltweit wachsenden Nachfrage nach Luftverkehr ist es die gemeinsame Zukunftsaufgabe von Politik und Wirtschaft, das Fliegen besser in Einklang mit Klimaschutz zu bringen. Auf der 1. Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig haben Bund und Länder zugesagt, gemeinsam mit der Luftverkehrswirtschaft den Ersatz des fossilen Kraftstoffs durch alternative Kraftstoffe auf Basis von erneuerbaren Energien zu fördern.

Im kommenden Jahr sollten alle Beteiligten diese Zusage mit Leben füllen: Um langfristig CO2-neutral fliegen zu können, brauchen wir eine entsprechende energiepolitische Weichenstellung in Europa und die staatliche Unterstützung beim Bau von Anlagen für die Gewinnung von Kraftstoff aus dem Power-to-Liquid-Verfahren. Nur so kann es gelingen, im Interesse des Klimaschutzes diese alternativen Kraftstoffe dann auch in den Markt zu bringen. Darüber hinaus setzen wir darauf, dass die Bundesregierung die deutsche EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte nutzen wird, damit wirkungsvolle Fortschritte zu mehr Effizienz bei der Flugsicherung in Europa erreicht werden können.“

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Michael Engel, Geschäftsführender Vorstand, Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften e.V. (BDF)

Michael Engel Foto: © BDF

"2019 haben sich die Rahmenbedingungen für die deutschen Fluggesellschaften weiter verschlechtert. Nicht nur, dass die Bundesregierung im Zuge der Klimadebatte eine drastische Erhöhung der Luftverkehrsteuer beschlossen hat; auch die Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sind 2019 kaum vorangekommen. Der Marktanteil der deutschen Fluggesellschaften am Luftverkehr in Deutschland ist zum siebten Mal in Folge zurückgegangen und auf 50 Prozent gesunken. Das sollte ein Alarmsignal für die Politiker sein, die sich um die Konnektivität und die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandortes Deutschland sorgen.

Wir brauchen deshalb 2020 dringend eine Trendumkehr dieser Entwicklung, auch wenn dies im Moment in der Diskussion um Flugscham und Klima wenig populär erscheint. Wir setzen für das neue Jahr auf eine schnelle Umsetzung der Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag, beispielsweise bei der Reorganisation und der Kostenentlastung bei Luftsicherheitskontrollen. Der Luftverkehrsstandort Deutschland verträgt keine weiteren regulatorischen Kostenbelastungen mehr.“

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Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen)

Ralph Beisel Foto: © ADV

"Eines der Hauptthemen ist und bleibt zweifellos der Klimaschutz. Die deutschen Flughäfen haben sich dieser wichtigen Thematik erfolgreich angenommen und ein klares Ziel formuliert: bis 2050 "Zero Emission“. Ich freue mich, dass die Flughäfen hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Umso bedauerlicher ist es, dass von der Politik die Erhöhung der Luftverkehrsteuer beschlossen wurde. Die schwierige Lage vieler Flughäfen wird sich verschärfen. Streckenstreichungen und ein Rückgang der Passagiere wirken sich auf die Betriebsergebnisse und Beschäftigung aus. Mit Kostenentlastungen für die Luftverkehrsbranche muss hierzulande nachgezogen werden, wenn das deutsche Luftverkehrssystem langfristig wettbewerbsfähig bleiben soll. Ich erinnere an die im Koalitionsvertrag in Aussicht gestellte Übernahme der Kosten für Luftsicherheit.

Die Stabilisierung des Flugbetriebs steht nach wie vor hoch auf der Agenda. Alle Systempartner sind die Umsetzung des beim Luftfahrtgipfel am 05. Oktober 2018 verabschiedeten Maßnahmenkatalogs entschlossen angegangen. Zuverlässigkeit und Qualität im Luftverkehr haben sich gegenüber 2018 signifikant erhöht. Um diesen Weg konsequent weiterzugehen, brauchen wir die klare Unterstützung der Politik: Es ist jetzt an der Zeit, den Weg für die im Koalitionsvertrag festgehaltene Neuregelung der Luftsicherheitskontrollen freizumachen. Gleichzeitig ist eine effiziente Organisation des europäischen Luftraums dringend geboten und damit eine Reform des Single European Sky. Dieses Vorhaben ist nicht nur ein Gewinn für die Pünktlichkeit im Luftverkehr, sondern ein beachtlicher Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen.

Die Kapazitätsengpässe an den größeren Flughäfen werden sich weiter verschärfen. Für 2030 erwarten die deutschen ADV-Flughäfen über 300 Mio. Passagiere – das sind über 50 Mio. mehr als 2019. Auch hier ist die Politik gefragt: Notwendige Erweiterungsprojekte müssen aufgegriffen und schnell umgesetzt werden. Tourismus und Wirtschaft verlangen eine verlässliche Konnektivität. Dafür sind leistungsfähige Flughäfen unverzichtbar. Ich bin überzeugt, dass die enge Verflechtung von Drehkreuzen und kleineren Flughäfen mit ihren unterschiedlichen Funktionen die wirtschaftliche Prosperität in Deutschland fördert.

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Ralf Schmid, Vorstand IDRF - Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze e.V.

Ralf Schmid, Vorsitzender der IDRF e.V. Foto: © IDRF e.V.

„Die Erhöhung der deutschen Luftverkehrssteuer sorgt nicht für eine Reduzierung von CO², sondern nur für heiße Luft. Würden die Mehreinnahmen in neue Antriebskonzepte und die Entwicklung von eFuel fließen, könnte die Luftfahrt noch mehr zum Klimaschutz beitragen und weiterhin für Mobilität sorgen.“

Von: dk

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