Gastautor werden

Die Born-Ansage 123 Ein unmoralisches Angebot

Eurowings lädt Klima-Ikone Greta Thunberg medienwirksam auf einen Flug von New York nach Düsseldorf ein und begibt sich damit auf dünnes PR-Glatteis, meint unser Kolumnist Karl Born. Die Airline sollte erstmal ihre Hausaufgaben machen.

Montage: airliners.de © dpa; Flughafen München; Privat

Eurowings und PR, das passt irgendwie nicht zusammen. Und dann noch Twitter-Schnellschuss, anstatt vorher kurz zu reflektieren, ob da ein Minimum Sinn in der Nachricht steckt. Das kann nur peinlich enden. Deshalb sollte es Eurowings auch grundsätzlich lassen.

Als Greta Thunberg zwar spektakulär, aber als Vorbild eher arm, in einem Spezial-Segelboot in die USA lossegelte, habe ich mich von Anfang an gefragt, ob sie auch darüber nachgedacht hat, wie sie wieder nach Europa zurückkommen will? Nochmal die gleiche Tour mit dem Segelboot ergäbe ja Null-Aufmerksamkeit. Mit dem Flugzeug zurück? Dann hätte man sich die Tortur hin ersparen können. Im Kreuzfahrtschiff zurück? Das wäre ein totaler Imageschaden. Mit einem Frachtschiff zurück? Umweltmäßig geht es nicht schlimmer.

Es ist zwar unglaublich, aber so richtig hat sich Greta Thunberg und ihr Management-Anhang dazu wohl keine Gedanken gemacht. Plötzlich kommt Entscheidungsdruck auf, weil die nächste Klimakonferenz (Beginn 2. Dezember) sehr kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt wurde. Für die Masse der Teilnehmer, die gewohnt im Flugzeug quer über die Kontinente reisen, kein Problem.

Außer für Greta Thunberg. Sie braucht Hilfe und bittet um solche.

Ausgerechnet Eurowings bringt sich ins Spiel

Wenn man mich in diesem Moment gefragt hätte, wer könnte für Hilfe in Frage kommen, ehrlich, ich wäre auch nach tagelangem Nachdenken nicht auf Eurowings gekommen.

Das war die Eurowings Twitter-Nachricht an Greta Thunberg: "Wir können helfen". Schon bei diesem Satz hatten Tausend Eurowings-Kunden, die in den letzten Monaten nach all dem Chaos vergeblich "auf Hilfe" von Eurowings gehofft hatten, nur einen Gedanken: "How dare you?"

Und Eurowings schrieb weiter "wir laden Dich auf einen Eurowings-Flug von New York nach Düsseldorf ein". Mal abgesehen, dass zwischen Düsseldorf und Madrid mal schlappe 1500 Kilometer liegen (oder sollte eine außerplanmäßige Zwischenlandung in Madrid stattfinden?), hat Eurowings ernsthaft eine Sekunde geglaubt, dass die "Anti-Flug-Ikone" dieses Angebot annehmen würde?

Angenommen, nur mal angenommen, Greta wäre auf das Angebot eingegangen. Und dann käme ein auch auf Eurowings ausgeweiteter Streik von Ufo dazwischen. Eurowings müsste Greta schreiben, "sorry, Eurowings-Flug fällt aus wegen Ufo". Und dann antwortet Greta: "Oh, Ufo… might be an option".

Beweggründe bleiben unklar

Also was war der geplante Effekt des vergifteten "Umsonst-Fluges"? War es nur der Wunsch nach den legendären "15 Minuten Ruhm" wie es Andy Warhol mal formulierte? Oder gnadenlose Selbstüberschätzung? Billige PR?

Von den Twitter-Reaktionen zitiere ich mal nur eine: "Leider wird Greta die Konferenz wegen der Verspätungen, Flugabsagen und Zwischenfälle verpassen".

Tja, liebe Eurowings, das ist Euer Image.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

Lesen Sie jetzt
Themen
Die Born-Ansage Gastbeitrag Eurowings Umwelt Marketing Management