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Easyjet-Aufsichtsrat stemmt sich gegen Abwahl - Hauptversammlung Ende Mai

Der Easyjet-Gründer macht von seinem Recht Gebrauch und beruft eine Hauptversammlung ein, um den Aufsichtsrat zu sprengen. Der wehrt sich in der Einladung zur Versammlung erbittert und erklärt, warum die Ideen des Großaktionärs falsch seien.

Flugzeug von Easyjet hebt ab. © dpa / Gareth Fuller/PA/dpa

Bei Easyjet kommt es bei einer Generalversammlung am 22. Mai zum Showdown um die Macht bei der Airline zwischen der aktuellen Unternehmensführung und ihrem Gründer und größten Anteilseigner, Stelios Haji-Ioannou. Mit einer Reihe von Anträgen hat der griechische Multi-Millionär die Versammlung der Anteilseigner erzwungen und möchte dort die Abwahl mehrer Mitglieder des Aufsichtsrates (Board of Directors) durchsetzen, darunter den Vorsitzenden John Barton, CEO Johan Lundgren und CFO Andrew Findlay.

Lundgren und Findlay sind auch die wichtigsten Mitglieder der Geschäftsführung (Airline Management Board). Dort dürften sie sich laut britischen Medien nach einer Abwahl aus dem Aufsichtsrat jedoch kaum halten können. Um seine Vorstellungen durchzusetzen, muss Haji-Ioannou eine Mehrheit der stimmberechtigten Anteile hinter sich versammeln.

Mit den Resolutionen zum Rauswurf der wichtigsten Aufsichtsratmitglieder macht Haji-Ioannou seine Drohung von Anfang März wahr, das Gremium umzubauen, sollte eine Bestellung über 107 Flugzeugen bei Airbus im Wert von rund fünf Milliarden Euro von der Fluggesellschaft nicht storniert werden. Easyjet brauche die Flugzeuge nicht und könne sie sich nach der Corona-Krise auch nicht leisten, argumentierte Besitzer von 34 Prozent der Easyjet-Aktien. Als Zielgröße für die derzeit aus über 330 Flugzeugen bestehende Flotte stellt er sich angesichts der zu erwartenden langfristigen Auswirkungen der aktuellen Krise rund 250 Maschinen vor.

Haji-Ioannou gibt nicht nach

Die Forderung wurde von Easyjet mit Verweis auf bestehende Verträge und Planungen abgelehnt - seitdem ist Haji-Ioannaou im Kampfmodus. Nachdem sein erster Antrag Ende März vom Easyjet-Aufsichtsrat noch mit Verweis auf formale Fehler abgelehnt wurde, musste das Gremium nun zähneknirschend dem gesetzlichen Recht des Großaktionärs, eine Generalversammlung einzuberufen, zustimmen. Jedoch nicht ohne sich in der entsprechenden Pflichtmitteilung erbittert zu wehren.

"Der Aufsichtsrat ist der festen Überzeugung, dass die Abhaltung einer Hauptversammlung eine unnötige Ablenkung in einer Zeit ist, in der die Luftfahrtindustrie vor einer beispiellosen Herausforderung steht," argumentiert der im Visier Haji-Ioannaous stehende Vorsitzende John Barton in der Ankündigung der Generalversammlung gegen selbige. Die Beschlüsse zur Abberufung der "Directors" seien ein Versuch, Easyjet zur Kündigung der Airbus-Großbestellung zu zwingen. Dies sei jedoch weder im besten Interesse des Unternehmens, noch seiner Aktionäre als Ganzes.

Ein kompletter Umbau des Aufsichtsrates, während dieser mitten in der Krise versuche, die Liquidität der weitgehend gegroundeten Airline zu erhalten, wäre derzeit äußerst destabilisierend. Die Aktionäre seien aufgerufen, gegen die Anträge Haji-Ioannous zu stimmen, so Barton.

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Sechs Gründe zählt die Mitteilung an die Aktionäre sodann auf, sich den Ideen des Gründers zu verweigern. Neben operativen Risiken durch die Sprengung der Unternehmensführung, stehen dabei die finanziellen Interessen der Anteilseigner im Fokus. Die Airbus-Bestellung sei Teil der gleichen Strategie, die den Aktionären von 2008 bis zum Ausbruch der Corona-Krise mehr als 640 Prozent Aktienrendite beschert hätten, fordert das Management Vertrauen ein. Die Bestellung sei integraler Bestandteil der künftigen Ausrichtung und die großen finanziellen Abschreibungen, die sich aus einer Stornierung des Vertrages ergeben würden, würden es erheblich schwieriger machen als Low-Cost-Airline zu operieren.

In diesem Jahr sollen keine neuen Flugzeuge mehr übernommen werden

Auch das Argument des griechischen Gründers, die neuen Flugzeuge wären im Zuge der Corona-Krise nicht zu bezahlen, will der Aufsichtsrat nicht gelten lassen. Man habe bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, damit das Unternehmen über ausreichend Liquidität verfügt, auch wenn das Flottengrounding noch länger anhalten sollte.

Dazu gehöre auch eine deutliche Reduzierung der Investitionsausgaben von über einer Milliarde Pfund in den kommenden drei Jahren, unter anderem durch die Verschiebung der Auslieferung von 24 Airbus-Flugzeugen, die für dieses Jahr vorgesehen war. Darüber hinaus beziehe sich ein Großteil der gesamten erwarteten Investitionsausgaben für die kommenden Jahre auf Ausgaben für Flugzeugleasing, so die Mitteilung. Wie hoch diese tatsächlich ausfielen, hänge davon ab, wann und in welchem Umfang der Flugverkehr nach der Corona-Krise aufgenommen werde.

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Wer sich bei der Generalversammlung durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Sollten sich der Aufsichtsrat in seiner aktuellen Besetzung halten können, macht er sich womöglich langfristig ein Drittel der Unternehmensanteile zum Feind, der kaum Ruhe geben dürfte. So hat Haji-Ioannaou bereits angekündigt, dass er nicht bereit sei, der Fluggesellschaft frisches Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, falls die Airbus-Bestellung nicht storniert werde. Eine solche Beteiligung von Anteilseignern hat die britische Regierung jedoch zu Voraussetzung gemacht, bevor Unternehmen in der Corona-Krise mit einem individuellen staatlichen Hilfsprogramm rechnen können.

Für die Argumente Easyjets gegen seine Anträge hat Haji-Ioannou derzeit nur Hohn übrig. Die Ankündigung der Hauptversammlung lese sich, als ob sie ein Marketing-Angestellter von Airbus verfasst habe. Er hoffe, dass dieser Zweitjob der zur Abwahl stehenden Manager besser bezahlt werde als die Anstellung bei Easyjet, weil sie diese bald verlieren würden. Sollte sich der Gründer bei der Generalversammlung durchsetzen, stehen die wichtigsten Köpfe bei der Airline vor dem Abgang und sämtliche Planungen auf dem Kopf.

Von: dk

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