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Easyjet und Wizz Air kämpfen mit Pilotenüberschuss

Über 700 Piloten zu viel zählt Easyjet für die kommenden Jahre in Großbritannien. Mit Saison-Kontrakten soll gegengesteuert werden. Wizz Air streicht derweil die Gehaltstabellen zum Teil drastisch zusammen.

Flugzeuge von Wizz Air und Easyjet. © AirTeamImages.com / Derek Pedley

Die mit einer deutlichen Verringerung des Flugaufkommens planende Easyjet hat ihren britischen Piloten ein umfangreiches Teilzeit-Angebot vorgelegt, nach eigenen Angaben, um möglichst viele der 727 zur Disposition stehenden Cockpit-Arbeitsplätze in Großbritannien zu erhalten.

In einem Schreiben an die Arbeitnehmer werden diesen "Saison-Verträge" angeboten, die entweder nur sechs Monate "full-time" in der Sommerflugplanperiode oder sechs Monate im Sommer mit "half time" im Winter vorsehen. Wer einer fünfzig-prozentigen Reduzierung seiner Arbeitszeit zustimmt, soll auf 60 Prozent des bisherigen Vollzeitlohns kommen. Bei 25 Prozent Arbeitszeit weniger sollen es 80 Prozent werden.

Nach Angaben des "Sunday Telegraph" gibt es weitere Optionen: zwei Wochen arbeiten und dann zwei Wochen frei haben, vier Tage von ihrem normalen Muster von 13 festen Tagen abweichen, drei Wochen arbeiten und dann eine Woche frei haben oder unbezahlten Urlaub von sechs bis 18 Monaten.

Wizz Air reduziert Pilotengehälter deutlich

Einen anderen Weg geht derweil Wizz Air. Der ungarische Billigflieger hat laut "Aerotimes" die Gehälter deutlich reduziert. Ein Erster Offizier verdiene nun statt zuvor rund 21.000 Euro nur noch zwischen 15.700 und 17.000 Euro im Grundgehalt.

Auch die Gehaltszuschläge wurden den Angaben nach extrem reduziert. So führe die neue Gehaltsstruktur zu erheblichen Kürzungen bei den Prämien, die Wizz Air je nach Dienstzugehörigkeit ausschüttet. Ein Pilot mit mehr als 12.000 Flugstunden bei der Airline bekomme nun statt rund 36.000 Euro Bonus nur noch 10.000 Euro im Jahr. Auch tiefere Stufen der Senioritäts-Gehaltstabelle seien deutlich angepasst worden.

Die neuen Gehaltstabellen soll zunächst bis April 2021 gelten. Neu eingestellte Piloten werden den Angaben zufolge allerdings erheblich schlechter gestellt. Besonders pikant: Die neue Regelung soll laut Mitteilung sowohl für Neueinstellungen als auch für diejenigen gelten, die aktuell die Firma verlassen müssen und sich später neu bewerben.

Wizz Air hatte während Corona zum Teil deutlich mehr Flüge durchgeführt als andere Fluggesellschaften. Zudem übernimmt die Airline weiterhin Flugzeuge und hat große Expansionspläne. In Deutschland eröffnete sie zuletzt mit Dortmund eine erste Basis.

© AirTeamImages.com, Chris Jilli Lesen Sie auch: Wizz Air zieht Auslieferung von A321 Neo vor

Neueinstellungen gibt es bei Easyjet absehbar nicht mehr

Die Teilzeit-Angebote bei Easyjet sehen dem Schreiben zufolge auch vor, dass die Piloten im Winter für andere Fluggesellschaften fliegen dürfen. Die Airline deutet zudem an, dass Piloten, die das Angebot zügig annehmen, einen Vorteil bei der Besetzung künftiger Vollzeitstellen haben, wenn sich das Flugaufkommen wieder steigert. Jeder Pilot, der ein Angebot annehme, leiste einen Beitrag für die Arbeitsplatzsicherheit aller, so das Schreiben.

In diesem wird auch bestätigt, dass Easyjet für die Dauer des Angebots darauf verzichtet, an Basen in Großbritannien Piloten von außerhalb des Unternehmens anzuheuern. Das gelte auch für den Transfer von nicht-britischen Piloten innerhalb der Airline.

© AirTeam Images, Simone Ciaralli Lesen Sie auch: Easyjet mit weniger Verlust als befürchtet und höherer Nachfrage als erhofft

Ein Sprecher von Easyjet kommentierte: "Im Rahmen der laufenden Gespräche mit den britischen Piloten von Balpa wurden den Piloten von Easyjet im Vereinigten Königreich eine Reihe alternativer Vertragsoptionen angeboten, um die Zahl der Zwangsentlassungen und Arbeitsplatzverluste insgesamt einzudämmen."

Auch in Deutschland stehen schwierige Verhandlungen über die Zukunft von 800 Piloten-Arbeitsplätzen im Lufthansa-Konzern an. Grundsätzlich seien Teilzeitmodelle denkbar, wenn damit Arbeitsplätze gerettet werden könnten, sagte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit gegenüber airliners.de. Entsprechende Modelle gebe es auch schon an einigen Stellen im Konzern.

Von: dk

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