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Easyjet mit erstem Jahresverlust in der Unternehmensgeschichte

Seit 1995 bietet Easyjet Flüge im Low-Cost-Segment an. Seitdem flog man jedes Jahr einen Gewinn ein. Doch die Corona-Krise beendet die Erfolgssträhne der Briten vorerst.

Schweiz, Basel: Flugzeuge der Easyjet stehen am Flughafen Euroairport. © dpa / Georgios Kefalas/KEYSTONE

Die von der Corona-Krise schwer getroffene britische Fluggesellschaft Easyjet muss erstmals in ihrer 25-jährigen Unternehmensgeschichte einen Jahresverlust verbuchen. Dieser werde vor Steuern bei 815 bis 845 Millionen Pfund (rund 930 Millionen Euro) liegen, teilte die Airline mit. Hinzu kämen weitere Belastungen etwa durch Abschreibungen, das eingeleitete Sanierungsprogramm und den Wertverlust bei Geschäften zur Treibstoffpreissicherung.

"Der Luftverkehr sieht sich nach wie vor mit der größten Bedrohung in seiner Geschichte konfrontiert", kommentierte Easyjet-Chef Johan Lundgren die Zahlen und forderte, dass die britische Regierung dringend ein maßgeschneidertes Maßnahmenpaket für die Fluggesellschaften auf den Weg bringen müsse.

Man werde weiter einen konservativen Ansatz bei den Kapazitäten verfolgen und habe damit im vergangenen Quartal erste Erfolge beim "Cash Burn" erreicht, so Lundgren. "Easyjet ist dank seiner starken Bilanz und beständigen Rentabilität in einer sehr starken Position in diese Krise hineingeraten."

Auch im ersten Quartal 2021 nur ein Viertel der Kapazität

Die Zahl der Passagiere sank im Ende September des abgelaufenen Geschäftsjahrs um 50 Prozent auf 48 Millionen, wie Easyjet weiter mitteilte. Wie andere Fluggesellschaften auch musste die Airline ihren Betrieb im Frühjahr wegen der coronabedingten Beschränkungen ganz einstellen. Sie legte ihre Flotte am 30. März still.

Seit dem 15. Juni fliegt Easyjet wieder, allerdings mit stark reduziertem Flugplan. Auch in den Monaten Oktober bis Dezember werde die Kapazität nur etwa 25 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen, teilte Easyjet am Donnerstag mit. Das Unternehmen hat bereits 4500 Stellen gestrichen, fast ein Drittel des Personals.

Zu einer Prognose für das neue Geschäftsjahr, das Anfang Oktober begonnen hat, sieht sich Lundgren angesichts der unsicheren Geschäftsaussichten und der schwachen Ticketnachfrage infolge der Pandemie nicht in der Lage. Im laufenden und auch im ersten Quartal 2021 dürfte das Unternehmen weiterhin nur rund ein Viertel seines üblichen Flugprogramms anbieten, hieß es.

Angesichts der angespannten Finanzlage rät der Verwaltungsrat davon ab, für das abgelaufene Jahr eine Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Ende September verfügte die Airline über Barreserven von rund 2,3 Milliarden Pfund und saß auf einem Schuldenberg von 1,1 Milliarden Pfund. Wenn notwendig, will das Management weitere Finanzmittel besorgen und möglicherweise noch mehr Flugzeuge verkaufen und zurückmieten.

Das Geld fließt allerdings immer noch schnell ab. Im abgelaufenen Quartal verbrannte das Unternehmen nach eigenen Angaben weniger als 700 Millionen Pfund. Im vorangegangenen Jahresviertel waren es allerdings noch 774 Millionen Pfund. Um die Kosten zu senken, hat Easyjet bereits den Abbau von bis zu 30 Prozent der Arbeitsplätze angekündigt.

Die Reisebeschränkungen und -verbote infolge der Pandemie haben Fluggesellschaften in aller Welt schwer getroffen. Viele können sich nur mithilfe staatlicher Hilfsgelder in der Luft halten. Deutschland stieg als Anteilseigner bei der Lufthansa ein, die jetzt mit Staatsgeldern von neun Milliarden Euro gestützt wird.

Nachdem das Geschäft mit Europaflügen im Sommer wieder angelaufen war, bremsten neue Infektionswellen und darauffolgende Reisewarnungen die Erholung wieder aus. Branchenvertreter erwarten, dass die Passagierzahlen erst in einigen Jahren wieder das Niveau von 2019 erreichen

Von: dk mit afp, dpa, dpa-AFX

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