Easyjet-Gründer droht, Corona-Staatshilfen zu blockieren

Der Streit um die Ausrichtung von Easyjet nach der Corona-Krise eskaliert weiter. Erneut will Großaktionär Stelios Haji-Ioannou Mitglieder aus dem Aufsichtsrat entfernen und verweigert nun sogar wichtige Finanzhilfen. Hintergrund ist eine Airbus-Großbestellung.

Der Begründer der Easyjet, Stelios Haji-Ioannou, vor einem Airbus A319. © dpa / Soeren Stache

Dem Easyjet-Gründer und Großaktionär Stelios Haji-Ioannou ist es Ernst mit seiner Drohung, Mitglieder aus dem Aufsichtsrat (Board of Directors) der Airline zu entfernen, sollte dieser nicht auf seine finanziellen und strategischen Forderungen eingehen.

Aus einer aktuellen Pflichtmitteilung Easyjets geht hervor, dass die "EasyGroup", über die der Grieche als größter Einzelaktionär rund 34 Prozent der Aktien des Unternehmens hält, eine Generalversammlung der Anteilseigner fordert, um die beiden Manager Andreas Bierwirth und Andrew Findlay abzusetzen. In der Vorwoche hatte die Airline ein ähnliches Anliegen Haji-Ioannous noch aus formalen Gründen abgelehnt.

Zuvor war ein Streit über eine Großbestellung von 107 Flugzeugen bei Airbus im Wert von rund fünf Milliarden Euro eskaliert, deren Stornierung Haji-Ioannou fordert. Easyjet brauche die Flugzeuge nicht und könne sie sich nach Corona auch nicht leisten. Als Zielgröße für die derzeit aus über 330 Flugzeugen bestehende Flotte stellt sich der Gründer angesichts der zu erwartenden langfristigen Auswirkungen der aktuellen Krise rund 250 Maschinen vor.

Haji-Ioannaou will staatliche Corona-Hilfen blockieren

Sollte das Easyjet-Management trotzdem auf dem Großeinkauf bestehen, werde er alle sieben Wochen für die Abwahl eines Aufsichtsratsmitglieds sorgen, teilte Haji-Ioannaou mit. Auch sei er dann nicht bereit, der Fluggesellschaft unter diesen Umständen frisches Eigenkapital zur Verfügung zu stellen.

Eine solche Beteiligung von Anteilseignern hat die britische Regierung jedoch zu Voraussetzung gemacht, bevor Unternehmen in der Corona-Krise mit einem individuellen staatlichen Hilfsprogramm rechnen können. Sonst bleibt nur die Inanspruchnahme allgemeiner Hilfsprogramme für die Wirtschaft, was Easyjet mit der Aufnahme eines Kredits über 600 Millionen Pfund über die staatliche britische "Covid Corporate Finance Facility" bereits getan hat.

© Easyjet, Lesen Sie auch: Easyjet-Gründer will Flotte um ein Viertel schrumpfen

Haji-Ioannou hat angekündigt, die Rückzahlung sämtlicher Kredite aus der Krise genau zu überwachen. Diese ginge auf jeden Fall vor neue Flugzeuge. "Wenn ein Penny der Gelder von Easyjet an Airbus geht, während Easyjet mit anderen zukünftigen finanziellen Verpflichtungen wie der Rückzahlung des Darlehens der britischen Regierung im März 2021 in Verzug gerät, werde ich persönlich dafür sorgen, dass alle verantwortlichen Schurken wegen Verletzung ihrer treuhänderischen Pflichten ins Gefängnis kommen", zitiert die "New York Times" den angriffslustigen Großaktionär. Auch werde er nicht auf eine Dividende verzichten, die dann bei Airbus lande.

Easygroup sieht sich im Recht, Hauptversammlung einzuberufen

Nach britischem Unternehmensrecht besteht die einzige Möglichkeit für Haji-Ioannous Easygroup, die verhassten "Directors" Bierwirth und Findlay abzuberufen, darin, eine Aktionärsversammlung einzuberufen und dort eine Mehrheit für einen entsprechenden Antrag zu erhalten.

Easyjet sagte dazu bereits in der vergangenen Woche, dass die Abhaltung einer Hauptversammlung zum jetzigen Zeitpunkt eine wenig hilfreiche Ablenkung sei. Ein Sprecher der Easygroup stellte jedoch klar, dass diese bei einem formalen Antrag zeitnah stattfinde müsse. "Wir erwarten, dass Easyjet die Bestimmungen des Companies Act 2006 einhalten und innerhalb von drei Wochen eine Versammlung einberufen wird", so der Sprecher.

Von: dk

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