Easyjet-Gründer will Flotte um ein Viertel schrumpfen

Schon lange kritisiert der größte Easyjet-Anteilseigner das Wachstum der Flotte. Lange konnte er sich nicht gegen die Aktienmehrheit durchsetzen. Doch seine Vorstellung von einer Flotte mit maximal 250 Flugzeugen wird in der Coronakrise wieder aktuell.

Flugzeuge von Easyjet am Flughafen London-Gatwick. © Easyjet

Der Easyjet-Gründer und größte Anteilseigner der Airline, Stelios Haji-Ioannou, hat gefordert, dass die Easyjet-Flotte aufgrund der Aussichten für den Luftverkehr nach der Corona-Krise um ein Viertel schrumpfen sollte. Das berichtet die britische "Financial Times".

Die Zeitung zitiert den Unternehmer mit pessimistischen Aussichten: "Wenn wir aus diesem effektiven Flugverbot herauskommen und in einer absehbaren finanziellen Rezession stecken - werden alle Fluggesellschaften ihre Geschäftspläne anpassen müssen, um viel kleinere Flotten als zuvor zu betreiben." Die Anzahl der Flugzeuge und die Anzahl der offenen Flugzeugbestellungen sei aus finanzieller Sicht entscheidend. Alles andere sei dagegen fast bedeutungslos.

Haji-Ioannou versucht schon seit Langem, beim Wachstum der Easyjet-Flotte auf die Bremse zu treten. Bei der bislang größten Auftragsplatzierung der Airline, einer Bestellung von 2013 über 35 A320 und 100 A320 Neo, trat der Gründer, der noch 33,7 Prozent der Easyjet-Anteile besitzt, als entschiedener Gegner des Milliarden-Deals auf. Er konnte sich jedoch nicht gegen die Mehrheit der Aktionäre durchsetzen. Die Flugzeuge werden noch bis 2022 ausgeliefert.

Derzeit hat Easyjet rund 335 Flugzeuge

Die Großbestellungen bezeichnete Haji-Ioannu in der Vergangenheit auch schonmal als "langfristig wertvernichtend" und argumentiert, dass die Spitzenprofitabilität von Easyjet 2015 mit einer Flotte von 250 Flugzeugen erreicht wurde. Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Aussichten im Zuge der Corona-Krise sei es unmöglich, dass die eigentlich geplanten, insgesamt 100 zusätzlichen Flugzeuge für eine Flottenstärke von 350 Maschinen, "in den nächsten fünf bis sieben Jahren" Geld verdienten.

Derzeit fliegen rund 335 Flugzeuge der A320-Familie für Easyjet und ihre Töchter Easyjet Europe und Easyjet Switzerland. Eine Verkleinerung um 25 Prozent würde derzeit also die Stilllegung von rund 84 Flugzeugen bedeuten. Luftfahrtanalysten sehen den Abbau von Überkapazitäten im innereuropäischen Luftverkehr im Zuge der Corona-Kise dringend geboten. Die Profitabilität pro Sitz müsse deutlich wachsen, damit die Geschäftsmodelle der Point-To-Point Airlines auch bei einem Konjunktureinbruch weiter funktionierten.

Stornierung von Bestellungen eher unwahrscheinlich

Erst im vergangenen November bestellte die Airline zwölf zusätzliche A320 Neo, zuvor schon einmal 17. Mit einer Stornierung der vielen Bestellungen sei eher nicht zu rechnen, da dies hohe Vertragsstrafen nach sich ziehen würde, mutmaßt die Financial Times.

Auch hat die Airline sich im vergangenen Jahr besonders deutlich damit hervor getan, ihr grünes Gewissen zu betonen und deshalb auch die Flottenerneuerung voranzutreiben.

Das Unternehmen hat seine Flotte seit gestern fast vollständig stillgelegt. "Dies sind beispiellose Zeiten für die Luftfahrtindustrie", sagte Easyjet-CEO Johan Lundgren Gleichzeitig und forderte eine koordinierte Unterstützung durch die europäischen Regierungen: "Europas Luftfahrtbranche steht vor einer unsicheren Zukunft".

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Easyjet stellt Flugbetrieb weitestgehend ein

Von: dk

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