Easyjet-Gründer greift jetzt auch CEO Johan Lundgren an

Der größte Einzelaktionär von Easyjet will die Stornierung einer Airbus-Bestellung erzwingen und stellt im Wochenrhythmus Anträge zur Abwahl von Aufsichtsratsmitgliedern. Jetzt ist er in der ersten Management-Reihe angekommen. Eine Hauptversammlung steht kurz bevor.

Easyjet-Chef Johan Lundgren © Easyjet

Der Easyjet-Gründer und Großaktionär Stelios Haji-Ioannou macht weiter Druck in seinem Feldzug gegen das "Board of Directors" (vergleichbar mit dem Aufsichtsrat in Deutschland) der Airline. Nun sollen auch der CEO Johan Lundgren und der Board-Vorsitzende John Barton das Gremium verlassen. Das geht aus einer Pflichtmitteilung des börsennotierten Unternehmens hervor.

Um die Abwahl der beiden Manager zu erreichen, hat die "EasyGroup", über die Haji-Ioannaou als größter Einzelaktionär rund 34 Prozent der Aktien des Unternehmens hält, erneut eine Generalversammlung der Anteilseigner des Unternehmens formal beantragt. Bereits in der Vorwoche wurde ein solcher Antrag eingereicht, um die Directors Andreas Bierwirth und Andrew Findlay abzusetzen.

Nachdem sich Easyjet zunächst noch mit Verweis auf formale Fehler gegen den Antrag währte, gab das Board of Directors mittlerweile zu verstehen, dass die Hauptversammlung kommen wird. Die Rechtslage lässt auch keine Wahl, der britische Companies Act von 2006 gibt Haji-Ioannaou das Recht, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Nach Darstellung Easygroup muss die innerhalb von drei Wochen nach Einreichen des ersten Antrages stattfinden. Damit blieben nun noch zwei Wochen.

Eine Entfernung von Lundgren als CEO hat Haji-Ioannou bisher nicht gefordert

Hintergrund des Angriffs von Haji-Ioannaou auf das Management ist ein Streit über eine Großbestellung von 107 Flugzeugen bei Airbus im Wert von rund fünf Milliarden Euro eskaliert, deren Stornierung Haji-Ioannou fordert. Easyjet brauche die Flugzeuge nicht und könne sie sich nach Corona auch nicht leisten. Als Zielgröße für die derzeit aus über 330 Flugzeugen bestehende Flotte stellt sich der Gründer angesichts der zu erwartenden langfristigen Auswirkungen der aktuellen Krise rund 250 Maschinen vor.

© dpa, Nick Ansell/PA Wire Lesen Sie auch: Easyjet beugt sich Gründer - Versammlung kommt, Auslieferungen vorerst nicht

Sollte das Easyjet-Management trotzdem auf dem Großeinkauf bestehen, werde er alle sieben Wochen für die Abwahl eines Aufsichtsratsmitglieds sorgen, teilte Haji-Ioannaou mit. Auch sei er dann nicht bereit, der Fluggesellschaft unter diesen Umständen frisches Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Eine solche Beteiligung von Anteilseignern hat die britische Regierung jedoch zu Voraussetzung gemacht, bevor Unternehmen in der Corona-Krise mit einem individuellen staatlichen Hilfsprogramm rechnen können, auf das Easyjet möglicherweise bei einem Fortdauern der Corona-Krise angewiesen sein könnte.

Johan Lundgren ist neben seinem Platz in dem Aufsichtsgremium "Board of Directors" als CEO auch der ranghöchste Manager im für die operative Geschäftsführung zuständigen "Airline Management Board". Die Position als CEO wurde von Haji-Ionannou bisher nicht infrage gestellt.

Von: dk

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