Easyjet kann Grounding neun Monate durchhalten

Easyjet sieht sich für einen langen Flugstopp gerüstet. Dazu hat die Airline unter anderem das Flottenwachstum ausgesetzt und neue Kredite aufgenommen. Nach der Krise könnte der Mittelplatz freibleiben.

In Genf abgestellte Flugzeuge von Easyjet © dpa / Salvatore Di Nolfi

Easyjet hat Schritte eingeleitet, die es der Airline ermöglichen sollen, die Corona-Pandemie mit einem kompletten Grounding der Flotte maximal neun Monate durchzuhalten. Das sagte Easyjet-Chef Johann Lundgren im Rahmen der Vorstellung der Finanzahlen. Dazu habe sich die Airline zwei Kredite im Gesamtumfang von rund 460 Millionen Euro gesichert. Insgesamt sollen die flüssigen Mittel damit auf etwa 3,8 Milliarden Euro wachsen.

Für die neuen Kredite hat Easyjet eigene Flugzeuge als Sicherheit eingebracht. Außerdem verhandelt die Gesellschaft mit Leasingfirmen, die Maschinen von Easyjet kaufen und an die Airline zurückvermieten sollen. Konkret soll es sich dabei um sechs Flugzeuge handeln.

Flugzeuge sollen später kommen

Daneben hat sich die Airline bereits mit dem Flugzeugbauer Airbus geeinigt, 24 für die Jahre 2020 bis 2022 bestellte Jets erst später abzunehmen als ursprünglich geplant. Die Flotte werde im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September unter dem Strich nicht wachsen, sagte Lundgren.

© dpa, Nick Ansell/PA Wire Lesen Sie auch: Easyjet beugt sich Gründer - Versammlung kommt, Auslieferungen vorerst nicht

Den seit Wochen schwelenden Konflikt um eine Airbus-Großbestellung mit Easyjet-Gründer und Großaktionär Stelios Haji-Ioannou, bezeichnete Lundgren als "nicht hilfreich". Das Management habe in den vergangenen Wochen alles dafür getan, die Airline durch die Krise zu manövrieren.

Wann genau der Flugbetrieb wieder starten kann, dazu wollte Lundgren keine Prognosen abgeben. Der Manager geht aber davon aus, dass zuerst Inlandsflüge wieder abheben werden. Je nach Lockerungen würden dann internationale Flüge folgen. Easyjet könne innerhalb von zwei Wochen den Flugbetrieb nahezu vollständig wieder hochfahren.

Mittelplatz wird freibleiben

Die Airline rechnet damit, dass man in der Startphase nach der Corona-Pandemie den Mittelplatz auf allen Flügen freilassen werde. Das würden die Menschen erwarten. Die Reduzierung des Sitzladefaktors sei eine Möglichkeit, künftig Menschen zu schützen. Der Schutz der Passagiere habe oberste Priorität und werde in Gesprächen mit allen zuständigen Behörden fortlaufend diskutiert.

Rund die Hälfte aller Kunden, deren Flüge wegen der Krise storniert wurden, hätten mittlerweilestatt einer Rückerstattung Gutscheine oder Umbuchungen auf spätere Flüge akzeptiert. Daher gebe es auch Überlegungen den Sommerflugplan 2021 früher freizuschalten als gewöhnlich.

Höhere Ticketpreise

Im Winterhalbjahr bis Ende März konnte Easyjet ihren saisontypischen Verlust im laufenden Geschäft voraussichtlich verringern, obwohl die Coronavirus-Pandemie seit Februar auch Europa erfasst hat.

Der um Sonderposten bereinigte operative Verlust sank den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 275 Millionen auf 185 bis 205 Millionen Pfund. Der Umsatz legte um 1,6 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Pfund zu. Das lag auch an höheren Ticketpreisen.

Im Schnitt nahm Easyjet pro Sitzplatz währungsbereinigt gut zehn Prozent mehr ein als ein Jahr zuvor. Dies glich den mehr als siebenprozentigen Rückgang der Passagierzahlen mehr als aus.

Von: br mit Material von dpa-AFX

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