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Easa lässt 737 Max wieder fliegen

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit will das Grounding für die Boeing 737 Max ab der kommenden Woche aufheben. Damit kann das Flugzeug demnächst auch wieder in Europa mit Passagieren abheben. Vorher gibt es aber noch etliche Vorgaben umzusetzen.

Tui nimmt die erste Boeing 737 MAX in Empfang. © Tui

Die Boeing 737 Max darf in Europa ab der kommenden Woche wieder Passagiere befördern. Das sagte Easa-Chef Patrick Ky jetzt vor Journalisten des Mediennetzwerks LPC.

Ende November hatte die Europäische Agentur für Flugsicherheit bereits einen Vorschlag für eine Lufttüchtigkeitsanweisung (Proposed Airworthiness Directive) veröffentlicht. Demnach entsprechen die geforderten Modifikationen im Wesentlichen denen der US-Aufsicht FAA.

Die Easa hatte bei Teilen des Wiederzulassungsverfahrens mit der FAA kooperiert, wollte aber auf eigener Wissensgrundlage eine unabhängige Entscheidung treffen. "Es gab eine sehr enge und transparente Zusammenarbeit", sagte Ky. Allerdings habe die Easa alle Systeme selbst bis ins Detail angeschaut, die ihrer Ansicht nach für die Flugsicherheit relevant sind. Bei der ersten Zertifizierung war die Easa nicht die "Lead-Certification Agency", so Ky. Nun habe man sich auch alle Aspekte genau angeschaut, die zuvor nur von der FAA abgenommen worden waren.

Nach zahlreichen Veränderungen an Hard- und Software und einer zusätzlichen Schulung der Piloten können die Jets damit nun auch in Europa wieder abheben - mehr als 22 Monate nach Beginn des Flugverbots. Die 737 Max war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten weltweit aus dem Verkehr gezogen worden.

Zu den wichtigsten Änderungen gehören Software-Updates für den Flight Control Computer und das MCAS, das als Hauptursache für die zwei Abstürze identifiziert worden war.

Unterschiedliche Ablesungen der zwei Anstellwinkelsensoren Sensoren sollen zudem immer im Cockpit angezeigt werden. Ein verpflichtender Einbau eines dritten Anstellwinkelsensors ist auch nach Easa Abschätzung nicht notwendig. Anstatt eines echten dritten Sensors ist ein zusätzlicher "synthetischer Sensor" geplant.

Zunächst werden Daten für den Anstellwinkel aber aus verschiedenen anderen Systemdaten errechnet. Diese Daten sollen dann von der Crew mit den gemessenen Anstellwinkeln verglichen werden können. Diese Lösung soll aber nur eine Übergangslösung sein. Die neue 737 Max-10 werde wohl den dritten Angle-of-Attack-Sensor bekommen, so Ky.

Noch fehlen Pilotenschulungen

Zudem gibt es Aktualisierungen bei den Betriebsgrenzen und angepasste Abläufe in Zwischenfallsituationen, auf die die Piloten geschult werden müssen. Damit kommt auch in Europa ein verpflichtendes Training für alle 737-Max-Piloten, bevor sie das Muster wieder fliegen dürfen.

Boeing hatte die Probleme eigentlich schnell beheben wollen. Doch es traten wiederholt weitere Mängel auf, so dass es letztlich rund 20 Monate dauerte, bis die FAA Mitte November 2020 das Flugverbot für die USA aufhob. Unter anderem geht es dabei um eine physische Trennung von Kabeln, die vom Cockpit zum Stabiliser Trim Motor führen.

Weltweit geben nun immer mehr Behörden das Flugzeug wieder frei. Seit dem Jahreswechsel fliegen in den USA nun bereits die ersten Maschinen wieder im kommerzielle Einsatz. Bereits Anfang Dezember war in Brasilien eine Maschine dieses Typs mit Passagieren an Bord gestartet, nachdem die brasilianische ANAC das Grounding aufgehoben hatte. Kanada gab heute ebenfalls grünes Licht für den Einsatz der Boeing 737 Max.

Nach der FAA und der Easa fehlt mit China nun nur noch ein großer Boeing-Markt für den Unglücksflieger. Die Civil Aviation Administration of China (CAAC) war die erste, die dem Flugzeug nach dem zweiten Absturz die Lizenz entzog. Der jahrelange Handelsstreit auf politischer Ebene hatte zuletzt zu Differenzen zwischen den USA und China geführt. Es gebe "keinen Zeitplan für die Wiederzulassung der Boeing 737 Max" hieß es Ende des Jahres aus China.

Die 737-Max-Krise hat Boeing finanziell bereits erheblich unter Druck gebracht. Zahlreiche Aufträge wurden storniert, Boeing entstanden etliche Milliarden an Sonderkosten. In den drei Monaten bis Ende September fiel der vierte Quartalsverlust in Folge an. Der Konzern reagiert auf die klamme Finanzlage mit drastischen Sparmaßnahmen und will seine Mitarbeiterzahl bis Ende 2021 auf rund 130.000 senken. Zum Vergleich: Anfang 2020 hatte Boeing noch etwa 160.000 Beschäftigte.

Zudem hatte Boeing Anfang Januar nach Verhandlungen mit dem US-Justizministerium Strafzahlungen und Entschädigungen im Zusammenhang mit den Abstürzen von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro) zugestimmt. Im Gegenzug wurden den Angaben zufolge die strafrechtlichen Verfahren gegen das Unternehmen in den USA wegen Verschwörung zum Betrug eingestellt.

Von: dh

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