Easa erwägt Hardware-Nachrüstung für Boeing 737 Max

Zur Wiederzulassung der 737 Max reicht nach Einschätzung der Easa ein Softwareupdate nicht aus. Die EU-Behörde favorisiert zusätzliche Sensoren. Zudem kündigt die Behörde an, die 737 Max selbst fliegen zu wollen.

Die zwei AOA-Sensoren der Boeing 737 Max Boeing

Der europäischen Luftfahrtbehörde Easa geht das von Boeing aufgesetzte Softwareupdate zur Wiederzulassung der 737 Max offenbar nicht weit genug. So berichtet die "Seattle Times" unter Berufung auf Easa-Kreise, dass die Behörde Messwerte von drei unabhängigen Angle-of-Attack-Sensoren fordere. Boeing hat bei der Max nur zwei Sensoren verbaut.

Sollte aus der favorisierten Nachrüstung eine Forderung der Easa werden, würde das die Wiederzulassung der Max wohl weiter verzögern - und Boeing teuer zu stehen kommen.

Die Easa wolle Boeing zwar nicht vorschreiben, wie genau die Probleme mit dem problematischen MCAS-System gelöst werden können, so die Zeitung weiter. In der vergangenen Woche sagte Easa-Chef Patrick Ky im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments jedoch, dass Boeing "immer noch keine angemessene Antwort auf die Integritätsprobleme des Sensors" gegeben habe.

Boeing will Software-Lösung

Boeing hatte kurz nach dem Grounding der Max angekündigt, die MCAS-Software und das Sicherheitssystem unter die Lupe zu nehmen. Anfang August hatte der Hersteller nach Informationen verschiedener Quellen mit dem Testprogramm zur Wiederzulassung des Flugzeugs begonnen. Boeing strebte zuletzt eine reine Software-Lösung und keine Hardware-Änderungen an.

Laut US-Medien habe allerdings ein kleines Team mit Analysen zu möglichen aerodynamischen Modifikationen an den Triebwerksaufhängungen begonnen. Das sei nötig, falls die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA sich nicht mit einer reinen Softwareanpassung zufriedengebe.

Nach Informationen verschiedener US-Medien unter Berufung auf Insider, könnte die FAA im Oktober Abnahmeflüge für Updates an Flugsteuerung und MCAS ansetzen.

Easa will Max fliegen

Unklar ist aber, ob die 737 Max nach einer erfolgreichen FAA-Rezertifizierung auch in Europa wieder starten können. Die Easa hatte bereits angekündigt, ihre eigenen Testpiloten und Ingenieure zur neuerlichen Zertifizierung der Boeing 737 Max in die USA zu schicken, berichten US-Medien. Das geschehe in voller Abstimmung mit der FAA. Dennoch rückt die Easa damit von der bisherigen Praxis ab, die von der FAA zertifizierten Maschinen nicht selbst noch einmal separat zu überprüfen.

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: Die 737-Max-Wiederzulassung ist eine Frage von Wahrscheinlichkeiten Hintergrund

Bei den zwei Abstürzen von Boeing 737 Max in Indonesien und Äthiopien waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. In der Folge wurde im März ein weltweites Flugverbot für die Baureihe verhängt, das bis auf weiteres gilt.

Von: br

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