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Zerren um staatlichen Einfluss EADS/BEA-Fusion vor dem Aus?

EADS und BAE Systems haben angesichts großer Vorbehalte bei den beteiligten Regierungen erneut für den geplanten Zusammenschluss geworben. Offener Widerstand kommt von allen Seiten, wobei sich Deutschland gegen die geplante Finanzstruktur stellt und auf Standortgarantien pocht.

Tom Enders © dpa / Stephanie Pilick
Logos von EADS und BAE Systems © dpa / Jürgen Dannenberg

Die Fusionspläne zwischen den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzernen EADS und BAE Systems stoßen nun nach Bedenken in Berlin auch in Frankreich auf offenen Widerstand.

Der französische EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère bezeichnete die derzeitigen Rahmenbedingungen des Projekts am Montagmorgen als unbefriedigend. Es sei nicht klar, welcher Mehrwert für EADS entstünde. Die Fusionspläne müssten deswegen von der EADS-Führung schnellstmöglich überarbeitet werden, forderte Lagardère. Ziel müsse es sein, die Interessen der französischen Anteilseigner besser zu wahren.

Am Wochenende hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die Fusion in einem Interview an mehrere Bedingungen geknüpft. Dazu zähle, dass das Gleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich nach einem Zusammenschluss erhalten bleibe und Deutschland keine Einbußen als Produktionsstandort hinnehmen müsse.

EADS-Chef Thomas Enders und BAE-Chef Ian King appellieren derweil in einem in Frankreich und Deutschland veröffentlichten Beitrag an die Regierungen, ihre bisher kontrollierten Anteile an EADS aufzugeben und sich mit einer "goldenen Aktie", die auch künftig Einfluss sichert, zufriedenzugeben.

"Wir schlagen vor, die Shareholder-Verträge, die derzeit Daimler, Lagardère und dem französischen Staat die gemeinsame Kontrolle über EADS ermöglichen, aufzuheben." Gleichzeitig müsse es Vereinbarungen geben, die "die Sicherheitsinteressen der Regierungen wahren, mit denen wir zusammenarbeiten". Dabei geht es namentlich um Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die USA.

Nach einem "Spiegel"-Bericht wollen Deutschland und Frankreich ihre Anteile in einem fusionierten Konzern jeweils nur auf neun Prozent beschränken - was der von Enders und King ausgegebenen Linie widerspricht. Die geplante Fusion steht damit vor dem Scheitern. Besonders Frankreich ist angeblich nicht gewillt, sich als Aktionär zurückzuziehen.

Angeblich haben sich die beide Länder bereits auf eine gemeinsame Linie bei der möglichen Fusion verständigt. Beide wollen diese jetzt der britischen Regierung vorstellen. Die Unternehmen stehen unter Zeitdruck, da sie sich wegen des britischen Börsenrechts bis 10. Oktober geeinigt haben müssen.

Bisher verfügen Frankreich und Deutschland direkt und indirekt über jeweils 22,35 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt dabei der Autokonzern Daimler wahr. Lagardère hat einen Anteil von 7,5 Prozent an EADS. Diesen hält die Holding Sogeade, die - zusammen mit den Anteilen des französischen Staats – insgesamt 22,35 Prozent von EADS kontrolliert. Bei BAE Systems sind keine Staaten direkt oder indirekt Großaktionäre.

EADS und BAE Systems hatten Mitte September bekannt gegeben, über eine Fusion zu verhandeln. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und größer als der US-Konkurrent Boeing.

Von: dpa, AFP, dapd

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