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Weiterhin Skepsis EADS erwägt Alleingang mit Tanker-Angebot

EADS erwägt, doch noch ein Angebot für den Tanker-Auftrag der US-Luftwaffe abzugeben. Doch selbst wenn das Pentagon dem Konzern mit einer Fristverlängerung entgegen käme, wachsen die Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Bieterverfahrens.

KC-45 beim Betanken eines B-2-Bombers (Illustration) © dpa

EADS hat die Hoffnung auf den milliardenschweren Tanker-Auftrag der US-Luftwaffe doch noch nicht ganz aufgegeben. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern versucht, Zeit zu gewinnen, um nach dem Abspringen des US-Partners Northrop Grumman ein eigenständiges Angebot vorlegen zu können. EADS habe beim Pentagon um eine Fristverlängerung von 90 Tagen gebeten, sagte Nordamerika-Chef Sean O'Keefe.

Weitergehende Kommentare lehnte sein Sprecher am Dienstag ab. Eigentlich sollte die Angebotsfrist am 10. Mai enden. Das US-Verteidigungsministerium hat jedoch bereits signalisiert, dass es Willens ist, den Europäern einen Aufschub zu gewähren. Anderenfalls träte Boeing alleine im Rennen um das sogenannte «Jahrhundertgeschäft» an. Die mangelnde Konkurrenz hatte in den USA die Befürchtung geweckt, dass sich die Anschaffung von vorerst 179 neuen Tankflugzeugen über die veranschlagten 35 Milliarden Dollar hinaus verteuern könnte.

Wachsende Skepsis

Die Bundesregierung unterstützt EADS dabei, durch die Fristverlängerung doch noch bei diesem Auftrag zum Zuge zu kommen. «Es wäre fair, diesem Wunsch von EADS in den Vereinigten Staaten zu entsprechen», sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Dienstag. Inklusive Folge- und Wartungsaufträgen könnte der Auftragswert langfristig auf bis zu 100 Milliarden Dollar anschwellen. 

EADS zeigte sich zuletzt allerdings skeptisch. An den Bedingungen habe sich ja nichts geändert, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Branchenkenner zweifeln überdies an der Ernsthaftigkeit des Pentagon-Interesses. Manche sehen in dem Entgegenkommen nur den Versuch, dem Bieterverfahren den Anschein des fairen Wettbewerbs zu geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatten die USA bereits vor «protektionistischen Versuchungen» gewarnt und die Prüfung von Konsequenzen angekündigt.

Am Wochenende hatte sich der von einer US-Zeitung vermeldete Eintritt der russischen Luftfahrt-Industrie in das Rennen um den Auftrag als Ente herausgestellt.

Um das «Jahrhundertgeschäft» gibt es schon seit Jahren Streit. EADS und Northrop Grumman hatten den Auftrag eigentlich schon in der Tasche, doch auf Drängen von Boeing machte das Pentagon einen Rückzieher. Die neue Ausschreibung bevorzugt nach Ansicht von EADS und Northrop klar den US-Rivalen, der der Air Force ein kleineres Flugzeug anbietet. Northrop sprang daraufhin ab, womit auch für EADS das Rennen gelaufen schien. Das US-Verteidigungsministerium ermunterte EADS aber in der vergangenen Woche, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Von: dpa

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