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Wortspiele um die Souveränität am Himmel

Beim Single European Sky sind wir alle so wie Großbritannien beim Brexit. Wollen ja - aber nicht um den Preis, dafür die eigene Souveränität aufzugeben. Das nett zu spielen ist so aufschlussreich wie die Vorrunde in Wimbledon. In der Kommentatorenkabine: Andrew Charlton.

Tennisball in Teetasse. © Adobe Stock / UpYaNose

Während ich das hier schreibe, gehen die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union weiter. Jede Seite bemüht sich sehr, deutlich zu machen, dass die andere Seite schuld ist. Auf die Gefahr hin, es zu sehr zu vereinfachen: In der Debatte geht es um Souveränität.- das Vereinigte Königreich scheint zu denken, dass der souveräne Akt der Unterzeichnung eines Handelsabkommens eine Verletzung seiner Souveränität ist, oder so ähnlich.

DWDWDW ("Das War Die Woche Die War")
7. bis 11. Dezember 2020

Oh, wie überlegen fühlt sich die europäische Seite, wenn sie sieht, wie sich das winzige Großbritannien an einen Zustand klammert, den es nie gegeben hat, außer vielleicht in den Lehrbüchern von Eton. Es war also in der Tat ironisch, dass sich der Verkehrsrat am Dienstag traf, um den neuen Kommissionsvorschlag für "SES Mark 2++" zu diskutieren. Der Text dazu wurde schon vor einigen Wochen veröffentlicht und ist seither Gegenstand heftiger Lobbyarbeit gewesen. Und die Grundlage dieser Lobbyarbeit war der Brexit unter einem anderen Namen. Oder: Souveränität.

Aber genauso wie das das Problem beim Brexit war niemand ehrlich genug um zu sagen, dass die Änderung des Status quo einen Preis haben würde. Auch die einfache Tatsache, dass Effizienz eine Aufteilung der Souveränität erfordert, wurde nicht deutlich gemacht. Wir sind also alle das Vereinigte Königreich, wenn es um den einheitlichen europäischen Luftraum geht. Wir wollen ihn, aber nicht um den Preis, etwas anderes dafür aufzugeben. Auch die etablierten Parteien hassen den Vorschlag, denn es ist eine Veränderung. Nichtsdestotrotz wurde der Vorschlag eingebracht und jeder Mitgliedsstaat wurde gebeten, seine Meinung zu dem Text zu äußern, um der Kommission Hinweise für das weitere Vorgehen zu geben.

Wie sagt man höflich "Nein"?

An diesem Punkt traf das vereinigte Himmelreich auf das Dilemma der Journalisten, die über die erste Runde von Wimbledon berichten. Kein Schreiberling, der etwas auf sich hält, wird das gleiche Verb zweimal in einem Artikel verwenden, aber versuchen Sie einmal, die 128 Spiele der ersten Runde zu beschreiben und die Ergebnisse zu berichten, während Sie das Verb "schlagen" nur einmal verwenden. Im Verkehrsrat ging es um die gleiche Herausforderung: Wie sagt man höflich "Nein"? Der Thesaurus wird in Runde 1 auf die Probe gestellt.

Wie immer bei solchen diplomatischen Treffen war der höfliche Teil einfach. Loben. Das ist ein großartiger Vorschlag, aber... es gibt immer ein Aber. Und bei unserem ersten Treffen in der Runde kommt noch eine weitere Feinheit hinzu: Sprachlich am einfachsten ist es wohl, als erster zu sprechen. Nur was, wenn man die Stimmung des Treffens verpasst? Was, wenn Sie etwas unterstützen, was alle Ihre Kollegen hassen? Wie demütigend. Viel besser ist es, sich zurückzulehnen und zu warten, um sicher zu sein, dass Sie in der Mehrheit sind. Aber wenn Sie das tun, wird Ihre Sprachauswahl eingeschränkt, weil alle üblichen Wieselwörter schon vor Ihnen verwendet werden.

Sie sehen das Dilemma. Und die Ironie. Während alle zusehen, wie sich das Vereinigte Königreich windet und versucht, Souveränität mit Eigeninteresse in Einklang zu bringen, scheint niemand zu beobachten, wie dieselben Staaten im Verkehrsministerrat das Gleiche tun. Also, gehen Sie hier entlang und halten Sie die Augen offen, meine Damen und Herren, während wir uns ansehen, was passiert, wenn der Transport Council wie Wimbledon spielt. In der Kommentatorenkabine:

Italien hat den ersten Aufschlag. Man habe das Engagement für einen Netzwerkansatz anerkannt, aber es sei riskant, neue Konzepte einzuführen. Es sei besser, bei dem zu bleiben, was wir alle kennen würden. Sehen Sie, was Italien da gemacht hat? Ein guter erster Schritt. Spanien merkte an, dass der Vorschlag ehrgeizig sei (ein Todeskuss in jeder Sprache), aber man könnte ja die Technik einen Teil der Arbeit überlassen. Das war ein brillanter Aufschlag, der durch den Technologie-Kick fast unspielbar wurde. Der Einsatz wurde immer höher. Was würden die tapferen Belgier tun? Sie zogen einen weiteren Trickaufschlag aus ihrer Trickkiste. Sie lenkten das Gespräch auf die Wichtigkeit der Verlagerung des Kurzstreckenverkehrs auf die Schiene und die Lösung der Klimaproblematik. Das hat zwar nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun, aber kaum jemand hat es bemerkt.

Dann kam Polen, im Namen der Visigrad-Gruppe. Zuerst das Lob - das sei ein wichtiges Dossier. Aber, aber, dieser Vorschlag beinhlalte keine vollständige Folgenabschätzung. Die Situation sei anders als bei der letzten Folgenabschätzung, denn, nun ja, Covid... Wirklich? Covid war das Beste, was ihnen einfiel? Das war ein schwacher Aufschlag, der zurückgegeben wurde, aber Polen (im Namen der Visigrad-Gruppe) kam mit einem Passierschlag von immenser Wucht. Die Rolle der Mitgliedsstaaten müsse erhalten bleiben, damit die Mitgliedsstaaten Flexibilität über die Strukturen und Kompetenzen ihrer Behörden hätten. Inspirierend.

Von: Andrew Charlton Jetzt Gastautor werden

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