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Dutzende Maschinen warten bei Tarmac Aerosave auf Ende der Corona-Krise

Weltweit haben Airlines im Corona-Jahr 2020 rund 3400 Maschinen ausgeflottet. Knapp 2400 davon früher als geplant. Viele stehen jetzt bei Tarmac Aerosave in Frankreich und Spanien. Als Profiteuer der Krise sieht sich das Unternehmen nicht.

Ein Airbus A380 der Lufthansa in Tarbes. © Aeroport Tarbes Lourdes Pyrenees

Auf dem gigantischen Flugzeugparkplatz in Tarbes haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie Maschinen der unterschiedlichsten Gesellschaften angesammelt, die derzeit nicht gebraucht werden. Patrick Lecer von Tarmac Aerosave, das sich auf die Lagerung und Wartung von Flugzeugen spezialisiert hat, musste seither expandieren.

Auf Geländen bei Tarbes und Toulouse in Frankreich sowie im ostspanischen Teruel hatte Tarmac Aerosave bereits große Flächen, im Juni kam dann eine nahe des Flughafens Vatry im Osten Frankreichs dazu. Insgesamt kümmert sich das Unternehmen, der Marktführer in Europa, um 230 Flugzeuge - vor der Krise waren es 150 im Jahr 2019. "Und die Warteliste ist noch immer lang", betont Unternehmenschef Lecer.

Als das Coronavirus vor einem Jahr den Flugverkehr nahezu zum Erliegen brachte, mussten die Fluggesellschaften viele ihrer Maschinen am Boden lassen. Platzmangel wurde schnell zu einem großen Problem. Als sich abzeichnete, dass dieser Zustand länger anhalten würde, beschlossen viele Gesellschaften, ältere Maschinen schon früher als geplant aus dem Verkehr zu nehmen. So wurden 2020 laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman insgesamt 3400 Maschinen aus dem Verkehr gezogen - 2400 davon früher als geplant.

Platzprobleme in Tarbes und Teruel

Firmen wie Tarmac Aerosave haben sich auch darauf spezialisiert. Doch selbst das vorübergehende Abstellen erfordere Wartung und ständige Überprüfung der Elektronik, betont Sébastien Demouron, der die entsprechende Abteilung leitet.

Trotz des neuen Geländes bei Vatry hat das Unternehmen weiter Platzprobleme. "Du musst die Maschinen wie bei Tetris bewegen, um für jedes Flugzeug den richtigen Platz zu finden", scherzt Demouron in Anspielung auf das beliebte Computer-Puzzlespiel. In Tarbes gibt es eine Magnetwand, auf der Miniaturmodelle der einzelnen Maschinen-Typen hin- und hergeschoben werden, um die beste Ausnutzung des Platzes zu erreichen.

Tarmac Aerosave wurde 2007 von dem europäischen Flugzeugbauer Airbus, dem Triebwerkhersteller Safran und dem Recyclingunternehmen Suez gegründet, um die ersten Airbus-Modelle aus den siebziger Jahren abzuwracken. Als Kunden auch darum baten, Maschinen abstellen und warten zu können, sah Tarmac Aerosave darin seine Chance.

Flugzeuge der Lufthansa stehen während Corona eingemottet am spanischen Flughafen von Teruel. © AirTeamsImages.com / Carlos Enamorado

Im Krisenjahr 2020 wurden 150 neue Mitarbeiter eingestellt, die Geschäftsführung rechnete mit einem Umsatzplus von 20 Prozent. Doch dazu kam es nicht: Bei den Wartungsverträgen brach der Umsatz laut Lecer um 40 Prozent ein. Bei der aufwändigen Unterhaltung von Maschinen würden viele Hersteller jetzt angesichts der ungewissen Zukunft der Branche sparen. Einige Fluggesellschaften würden trotz Staatshilfen nicht überleben, ist sich Lecer sicher.

Kein Profiteur der Krise

Ein Profiteur der Krise sei sein Unternehmen nicht, meint Lecer. "Wir haben es geschafft, das Niveau von 2019 zu halten, vor allem dank unserer vier Säulen - Lagerung, Wartung, Übergang und Recycling." Derzeit blieben vor allem kleinere Wartungsarbeiten als Einnahmequelle, sagt der Leiter der dafür zuständigen Abteilung, Yannick Stefanelli.

Wenn ein Flugzeug irgendwann komplett aus dem Verkehr gezogen werde, würden mehr als 90 Prozent der Maschine recycelt, berichtet Arthur Rondeau, der diese Arbeiten überwacht, stolz. Bei den meisten Flugzeugen dauere dies sechs bis sieben Wochen. Kunden würden bestimmte Teile entweder erneut einsetzen oder verkaufen. Der Rest der Maschine werde gereinigt und dann zerteilt. Bei den meisten Flugzeugen dauere der Prozess sechs bis sieben Wochen.

Beim Thema Abwracken würde viele an Flugzeugfriedhöfe in den USA denken, wo Maschinen einfach in der Wüste stehengelassen würden, sagt Rondeau. "Wir stellen die Maschine komplett auf den Kopf und verwerten alles, was geht", betont er. "Menschen neigen dazu zu vergessen, dass diese Flugzeuge die ganze Welt gesehen haben", sagt der Mechaniker Teddy Saves, während er einen Monitor aus einer A380 abschraubt. "Ich mag den Gedanken, dass sie hier ein schönes Ende finden."

Von: Marisol Rifia, afp

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