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Wie sich Dubai trotz der Pandemie auf die Weltausstellung vorbereitet, © AirTeamImages.com/Sierra Charlie
Ein Airbus A380 von Emirates im Expo-2020-Design. © AirTeamImages.com / Sierra Charlie

In der Hitze der Wüste wirken die Hinweisschilder wie Schnee von gestern. "Expo 2020" steht überall, ganz so, als warte Dubai auf eine Zukunft, die schon Vergangenheit ist. Doch der Blick richtet sich voraus. Der Name für die wegen Corona um ein Jahr verschobene Weltausstellung ist derselbe geblieben.

Nun steht sie vom 1. Oktober 2021 bis 31. März 2022 an, unter dem Motto "Gedanken verbinden, die Zukunft schaffen". Der Schauplatz liegt im Südwestteil der Metropole am Persischen Golf, weit weg von der Skyline mit ihren Wolkenkratzer, in einem vormaligen Wüstenareal, das der Größe von 600 Fußballfeldern entspricht.

Die drei Schlüsselthemen, die Besucher nun im kommenden Herbst und Winter nach Dubai locken sollen, lauten Nachhaltigkeit, Mobilität und Chancen. Aufgezogen werden sie an drei Großpavillons.

Ein Massenevent in Zeiten der Pandemie

Momentan wird auf Dubais größter Baustelle geackert, als gäbe es kein Morgen - und kein Heute. Komplett losgelöst von der globalen Coronakrise, fühlt man sich wie in einer Blase.

Die Länderpavillons nehmen Gestalt an. Kräne krallen sich ins Himmelblau. Motoren röhren. Laster wirbeln Staub auf. Der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, versprach der Welt eine außergewöhnliche Expo. Doch ist die Durchführung angesichts der Umstände überhaupt realistisch und der Optimismus nicht maßlos überzogen? Und ist ein solches Massenevent noch zeitgemäß?

Schließlich halten die Organisatoren an ihrer Prognose von 25 Millionen Besuchen fest, an über 60 Live-Acts pro Tag, festlichen Umzügen und einer Vielzahl gastronomischer Treffs.

Camille Renaudin vom PR-Team bestätigt, dass keines der 190 Teilnehmerländer bislang einen Rückzieher gemacht hat. Könnte die Expo also eine gigantische Trotzreaktion auf die Pandemie sein und das Signal "Jetzt erst recht!" um den Globus senden?

Renaudin stellt in den Raum, dass die Weltausstellung vielleicht sogar zum "ersten großen Post-Covid-Event" geraten könnte. Feststeht, dass die verbleibenden Monate den Machern in die Karten spielen.

Dubai lockt während Corona weiter Touristen

In Zeiten wie diesen ist es bis Oktober eine gefühlte Ewigkeit. Zudem lässt sich der Tourismus, der in Dubai längst wieder Fahrt aufgenommen hat, als kontinuierlicher Feldversuch im Umgang mit der Pandemie interpretieren. Stell dir vor, es ist Expo, und keiner geht hin: Das dürfte wohl nicht passieren, obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate noch als Hochinzidenzgebiet eingestuft sind.

Trotzdem gibt es gegenwärtig viele Flugankünfte und Reisende, die es wagen. Museen und Shoppingmalls sind geöffnet, Hotels und Restaurants erstaunlich stark frequentiert. Hygienekonzepte scheinen weitgehend zu greifen. Allerorten herrscht Maskenpflicht.

Dubai ist bekannt für Präzision, Effizienz - und Heere ausländischer Malocher, die im Emirat die Knochenarbeit übernehmen. Das ist im Deutschen Pavillon der Weltausstellung nicht anders.

Täglich rücken 200 Arbeiter an, mehrheitlich Inder, so Projektleiter Mirco F. Amstad von der Schweizer Baufirma. Er führt über Rohbetonböden und unter Kabelgehängen hindurch. Das Vektorfeld unter dem Dach, bestehend aus Tausenden Stäben und Verbindungselementen, habe viel Kopfzerbrechen bereitet, erzählt er. Es riecht nach Farbe. Unter ein Gerüst hat irgendwer einen indischen Elefanten gemalt.

Für den Hobby-Triathleten Amstad ist dies der längste Wettkampf seines Lebens, zumal es Mentalitätsunterschiede in alle Richtungen gibt. Bei den Arbeitern hat der 33-Jährige "ein extremes Hierarchie-Denken und Unterwürfigkeit" ausgemacht, was im Gegensatz zum Selbstbewusstsein der Einheimischen steht.

"In Dubai wird, wie üblich, immer von unten nach oben gebaut, also vom Level Null bis ins fünfzigste Stockwerk, dann vom fünfzigsten ins hundertste", erzählt er. Doch der Deutsche Pavillon basiere auf einem Konzept aus Boxen, die gestapelt sind. Da müsse man raumweise denken und nicht stockwerkweise, was den Leuten in Dubai schwerfalle. "Das braucht einfach Überzeugungsarbeit", sagt er und lacht.

Geplant wird weiter mit Mindestabstand

Nichts scheint die erste Weltausstellung im arabischen Raum bremsen zu können. Für künftige Besucher mahnen bereits jetzt Markierungen auf Böden und Ruhebänken den Mindestabstand von zwei Metern an. Unter Solarmodulen stehen Desinfektionsmittelspender bereit. Vielerorts sprießen Blumen. Bäume und schwebende Elemente spenden Schatten.

Hingucker sind die gigantische Kuppel des zentralen Al Wasl Dome und der Pavillon des Gastgeberlands, ein Werk des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava. Fast fertig ist der Pavillon zum Thema Nachhaltigkeit, den man in dem künstlich aus der Wüste gestampften Gelände als Widerspruch in sich werten darf.

Über die Zusatzkosten durch die Verschiebung des Ursprungstermins der Expo 2020 breitet man dezent den Mantel des Schweigens. Hauptsache, die ganze Show geht im Oktober endgültig los.

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