Analyse In dieser Zwickmühle steckt Lufthansa

Mit den neuen Quartalsergebnissen übertrumpft Lufthansa zwar die Erwartungen einiger Analysten, die einen starken Einbruch prognostiziert hatten. Doch die Zahlen zeigen auch: Der Kranich befindet sich in unruhigem Fahrwasser.

Mitarbeiter vor einer neu lackierten Lufthansa-Maschine. © dpa / Axel Heimken

Mit den Finanzzahlen fürs dritte Quartal hat der Lufthansa-Konzern die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz ist zwischen Juli und September um knapp 1,5 Prozent auf 10,0 Milliarden Euro gestiegen. Das Ebit sank um 3,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Unterm Strich bleiben 1,1 Milliarden Euro (minus 9,8 Prozent).

Umsatz und Gewinn im dritten Quartal
Umsatz in Millionen Euro Ebit in Millionen Euro
2014 8458 832
2015 8939 1200
2016 8828 1812
2017 9810 1404
2018 9959 1351

Jeweils 1. Juli bis 30. September Quelle: Lufthansa Group

Das Ergebnis (Adjusted Ebit) für die ersten neun Monate des Jahres sank hingegen sogar um 7,7 Prozent auf rund 2,4 Milliarden Euro. Laut Konzern ist dies vor allem durch die hohen Integrationskosten von Teilen der Air Berlin bei Eurowings zu erklären.

Wegen der hohen Nettoinvestitionen auch in diesem Bereich (plus 57 Prozent, 2,6 Milliarden Euro) nahm der Free-Cashflow um fast 60 Prozent ab. Die Nettokreditverschuldung sank gegenüber dem Jahresende 2017 um 14 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Der Verschuldungsgrad (Verhältnis von Adjusted Net Debt zu Adjusted Ebitda) sank damit um 0,2 Punkte auf 1,5.

Erhöhte Treibstoffkosten

Von "Bloomberg" befragte Analysten hatten beim Ebit nahezu eine Halbierung erwartet. Getrieben vor allem von den Treibstoffkosten. Denn der immens gestiegene Ölpreis wird langfristig auch für Lufthansa zum Problem. Der Konzern erwartet für das Gesamtjahr rund 850 Millionen Euro erhöhte Treibstoffkosten.

Zwar sichert Lufthansa rund 60 Prozent des Kerosinbedarfs vorab, allerdings gehen Experten nicht davon aus, dass sich der Ölpreis in absehbarer Zukunft erholen wird. Denn die Verknappung des Angebots durch die immer neuen Sanktionen gegen Iran treiben die Rallye am Rohstoffmarkt an.

Entwicklung des Ölpreises (Sorte Brent). Foto: © wallstreet-online.de

Hohe Treibstoffkosten versucht eine Airline traditionell über die Ticketpreise auszugleichen, doch das ist aktuell schwierig. Im Vergleich zum Herbst 2017 hat sich die Konkurrenzsituation für Lufthansa im Heimatmarkt grundlegend geändert: Damals musste der Konzern lediglich mit der insolventen Air Berlin als Hauptkonkurrentin umgehen.

Mehr Konkurrenz im Heimatmarkt

Inzwischen haben hierzulande allerdings auch die Billigflieger Easyjet (vor allem in Tegel) und Ryanair (via der Niki-Nachfolgerin Lauda Motion) ihr Programm deutlich ausgebaut und halten mit dem Wachstumstempo des Kranichs mit - der Preiskampf verschärft sich also.

Doch das ist nur ein Grund, weswegen kurzfristig die Ticketpreise nicht steigen. Zum anderen sind viele Kunden wegen des Chaos im Sommer unzufrieden. Erhöhte Preise, wie sie nun eigentlich kommen müssten, würden laut Experten den Unmut nur erhöhen.

Wir erwarten, dass die deutlich gestiegenen Treibstoffkosten spätestens ab 2019 zu höheren Ticketpreisen führen werden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Wie groß der Konzern selbst den Einfluss des Ölpreises einschätzt, zeigt sich am Ausblick. Zwar liegt die Prognose fürs Gesamtjahr nur leicht unter den Rekordergebnissen von 2017. Bei den Plänen für 2019 tritt der Vorstand jedoch auf die Bremse, auch wegen der stark steigenden Kerosinpreise. Das Flugangebot soll im kommenden Sommer nur noch um 3,8 Prozent wachsen - etwa halb so stark wie für 2018 geplant.

Eurowings

Das Ergebnis von Eurowings wurde in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich belastet. Zum einen durch die Integration der Air-Berlin-Teile - hier liefen Einmalkosten von rund 170 Millionen Euro auf. Zum anderen schmälerten Kosten für Flugverspätungen und -ausfälle den Gewinn. So kommt die Billigplattform auf nur noch minus 65 Millionen Euro (210 Millionen Euro weniger). Dennoch verteidigt Spohr den aggressiven Expansionskurs der Low-Cost-Tochter: "2017 haben wir eine historische Chance zur Konsolidierung in Europa ergriffen. Strategisch haben wir die richtige Entscheidung getroffen." Die Einmalkosten für Integration und schnelles Wachstum sehe man als "langfristige Investition in eine nachhaltige Stärkung unserer Marktposition."

Anteil der Geschäftsfelder
0
Netzwerk-
Airlines
61.5
Eurowings 12.0
Technik 10.5
Logistik 7.2
Catering 7.0
Weitere
Geschäftsfelder
1.8

Die Grafik zeigt die Anteile der verschiedenen Lufthansa-Geschäftsfelder am Außenumsatz. Quelle: Lufthansa Group

Von: cs

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